Waffen für die Emirate

Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate bauen ihre Rüstungskooperation aus. Die Emirate binden sich immer enger an Israel und beliefern eine genozidale Miliz im Sudan mit Waffen.

BERLIN/ABU DHABI (Eigener Bericht) – Die Bundesrepublik weitet die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten aus und stärkt auch die Rüstungskooperation – trotz der Waffenlieferungen der Emirate an eine genozidale Miliz im Sudan. Wie vergangene Woche beim Besuch des emiratischen Präsidenten Muhammad bin Zayed al Nahyan in Berlin bekannt wurde, wollen emiratische Unternehmen rund 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren und dabei nicht nur mit Energiekonzernen kooperieren, sondern auch High-Tech-Rechenzentren errichten. Zudem ist eine Kooperation etwa beim Bau von Drohnen und in der Drohnenabwehr geplant. Die Intensivierung der Zusammenarbeit ist geostrategisch von Bedeutung, da die Emirate in den vergangenen Jahren immer schärfer in Konflikt mit Saudi-Arabien geraten sind und sich zugleich immer stärker Israel angenähert haben. Im Irankrieg flogen sie zeitweise eigene Luftangriffe auf das Nachbarland und verteidigten sich unter anderem mit israelischen Abwehrsystemen. Im Sudan haben sie die Rapid Support Forces, die Zehntausende Schwarze aus rassistischen Motiven ermordet haben, mit Waffen versorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärt zu der Kooperation, man müsse „nicht in allem einer Meinung sein“.

Saudisch-emiratische Differenzen

Die Vereinigten Arabischen Emirate, die noch vor wenigen Jahren eng mit Saudi-Arabien kooperierten, sind zuletzt immer mehr in Konflikte mit ihrem weitaus größeren Nachbarland geraten. 2021 teilte Riad mit, man werde Staatsaufträge künftig nur noch an Unternehmen vergeben, die ihren regionalen Hauptsitz in Saudi-Arabien haben. Dies führte zum Abzug von Firmenzentralen aus den Emiraten. Saudi-Arabien baut mit Riyadh Air eine Fluggesellschaft auf, die mit Emirates konkurrieren und Dubai die Position des größten Drehkreuzes in der Region streitig machen soll. Ende April kündigte umgekehrt Abu Dhabi seine Mitgliedschaft in dem für Riad sehr wichtigen Erdölkartell OPEC auf; Ziel sei, so hieß es zur Begründung, die eigenen Erdölexporte über die OPEC-Förderquoten hinaus zu erhöhen, um künftig die Einnahmen aus der Ausfuhr des Rohstoffs steigern zu können.[1] Differenzen taten sich auch in der Außenpolitik auf. Im Jemen etwa unterstützen die Emirate Separatisten im Süden des Landes, während Saudi-Arabien auf die – schwache – offizielle Regierung setzt. Als Abu Dhabi Ende 2025 einen Eroberungszug der Separatisten unterstützte, bombardierte Riad eine emiratische Lieferung von Militärfahrzeugen in den Jemen.[2] Die Spannungen zwischen beiden Staaten dauern unverändert an.

In Israels Bündnissystem

Während die Spannungen zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien zunehmen, nähert sich Abu Dhabi immer stärker Israel an. Bereits 2020 unterzeichneten die Emirate und Bahrain die ersten beiden Abraham Accords mit Israel, die eine intensive Kooperation zwischen beiden Seiten einleiteten. Schon 2021 genehmigte Israel erste Drohnenlieferungen an die Emirate.[3] 2022 folgte die Lieferung erster Flugabwehrsysteme. Nach dem Überfall der USA und Israels auf Iran am 28. Februar schickten israelische Stellen zusätzliche Flugabwehrsysteme nun des Modells Iron Dome in die Emirate und entsandten zugleich Militärpersonal zur Bedienung der Geräte.[4] Im Mai berichtete Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, er habe bereits in der ersten Phase des Kriegs unter strikter Geheimhaltung erstmal die Emirate besucht und dort Präsident Muhammad bin Zayed al Nahyan getroffen – ein „historischer Durchbruch“, urteilte Netanjahu.[5] Inzwischen gelten die rüstungsindustriellen Beziehungen als recht eng. So haben die Rüstungskonzerne Elbit, Rafael und Israel Aerospace Industries (IAI) sowie weitere Waffenschmieden Büros in den Emiraten eröffnet. Israel hat die Staaten der Abraham Accords seit 2021 mit Waffen im Wert von rund neun Milliarden US-Dollar beliefert; diese gingen fast vollständig nach Marokko und in die Emirate.[6]

Strategischer Dialog

Im Irankrieg sind die Emirate angesichts ihrer engen Bindungen an die USA und Israel sowie aufgrund emiratischer Luftangriffe auf iranische Ziele besonders stark ins Visier iranischer Drohnen- und Raketenangriffe geraten. Diese gingen zuweilen über US-Militäreinrichtungen auf emiratischem Territorium hinaus. Abu Dhabi hat inzwischen – mit Blick nicht zuletzt auf die israelischen Rüstungslieferungen – erklärt, der Krieg habe gezeigt, auf wen es sich verlassen könne; auf diese Verbündeten werde es sich in Zukunft vorrangig stützen. Damit binden sich die Emirate fest in das Bündnissystem der Vereinigten Staaten und Israels ein.[7] Dem entspricht jetzt auch der jüngste Besuch von Staatschef Muhammad bin Zayed al Nayhan in Deutschland. Dort unterzeichneten beide Seiten eine Gemeinsame Erklärung, die unter anderem einen Strategischen Dialog über „vertiefte Zusammenarbeit“ vorsieht, nicht zuletzt auf den Feldern „internationaler und regionaler Sicherheit“.

Engere Wirtschaftskooperation

Im Mittelpunkt der verstärkten Kooperation steht zunächst ein Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Deutschland, das schon lange umfassende Ausrüstung zur Transformation der emiratischen Industrie für die postfossile Ära liefert (german-foreign-policy.com berichtete [8]), konnte seine Exporte in die Emirate seit 2021 um rund zwei Drittel auf 11,4 Milliarden Euro steigern. Damit erreichte das Handelsvolumen mit den Emiraten, dem seit langem bedeutendsten Handelspartner der Bundesrepublik in der Region, im Jahr 2025 13,3 Milliarden Euro. Der Bestand der deutschen Direktinvestitionen wird aktuell auf 5,2 Milliarden Euro beziffert, der Bestand emiratischer Direktinvestitionen in Deutschland auf 2,3 Milliarden Euro.[9] Während des Besuchs von Muhammad bin Zayed in Berlin stellten die Emirate Investitionen in Höhe von weiteren 40 Milliarden Euro in der Bundesrepublik in Aussicht. So sollen in Deutschland etwa modernste Rechenzentren errichtet werden; Details dazu sind aber noch nicht bekannt. Konkret hätten Unternehmen aus beiden Ländern alles in allem 29 Absichtserklärungen im Gesamtwert von gut 9,3 Milliarden Euro unterzeichnet, heißt es. So baut RWE seine Zusammenarbeit mit den emiratischen Konzernen Adnoc und Masdar aus. Die Airline Emirates erhält Flugrechte für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg.[10]

Waffenlieferungen

Insbesondere streben Berlin und Abu Dhabi eine engere Rüstungskooperation an. Schon seit Jahren sind die Emirate einer der wichtigsten Käufer deutscher Waffen außerhalb der NATO; das Jahresvolumen erreichte zeitweise eine dreistellige Millionenhöhe. Von Januar 2023 bis Oktober 2025 erreichten die deutschen Rüstungsexporte in die Emirate einen Wert von gut 244 Millionen Euro. Nun unterzeichneten beide Seiten in Berlin eine Absichtserklärung, die die Prüfung einer noch intensiveren Kooperation auf den Feldern von Rüstung und Militär vorsieht. Außerdem soll ein hochrangiger Runder Tisch zur „Verteidigungskooperation“ eingerichtet werden.[11] Konkret ist insbesondere eine Zusammenarbeit bei Drohnen und in der Drohnenabwehr im Gespräch. Auch von einer Kooperation in der Flugabwehr ist die Rede.[12] Ein Viertel der Gesamtinvestitionen im Wert von rund 40 Milliarden Euro wird in Bayern getätigt; als Zielbranchen werden insbesondere Rüstung, Luft- und Raumfahrt sowie Künstliche Intelligenz (KI) genannt.[13] Die Großregion um München gilt als eine der Schwerpunktregionen der deutschen Rüstungsindustrie, nicht zuletzt in der militärischen Luft- und Raumfahrt.

Genozid im Sudan

Die Ausweitung der ohnehin schon relevanten deutschen Rüstungskooperation mit den Vereinigten Arabischen Emiraten hat besondere Bedeutung – nicht bloß, weil Berlin damit einen Verbündeten Israels mit High-Tech-Waffen versorgt und auf diese Weise eine um Israel zentrierte Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens begünstigt, sondern auch, weil die Emirate heute auf eigene Faust eine expansive Außenpolitik betreiben (german-foreign-policy.com berichtete [14]). Nicht zuletzt unterstützen sie eine der beiden Kriegsparteien im Sudan mit Waffenlieferungen – die Miliz der Rapid Support Forces (RSF). Die RSF haben mehrmals genozidale Massaker an der schwarzafrikanischen Bevölkerung Darfurs verübt – zunächst im Juni 2023 in Al Junaina in West-Darfur, dann im Herbst 2025 in Al Fashir in Nord-Darfur. Die Zahl der Todesopfer wird auf bis zu 15.000 (Al Junaina) und bis zu 70.000 (Al Fashir) geschätzt.[15] Erst vor kurzem bestätigten Recherchen, dass die RSF weiter auch Beziehungen zu Israel unterhalten. Diese festigten sich wohl zur Zeit der Unterzeichnung eines der Abraham Accords zwischen Israel und Sudan Anfang 2021, sind allerdings offenbar nie abgebrochen. Den Recherchen zufolge wurden im Mai 2025, also nach dem Genozid in Al Junaina, und im Februar 2026, also nach dem Genozid in Al Fashir, hochrangige RSF-Delegationen von Regierungsstellen in Israel empfangen.[16]

 

[1] UAE leaves OPEC in bow to oil cartel during war on Iran. aljazeera.com 28.04.2026.

[2] Saudi Arabia reveals details of Yemen bombing, as UAE set to withdraw. aljazeera.com 31.12.2025.

[3] Oded Yaron, Omer Benjakob, Liza Rozovsky: Documents Reveal How Israel’s Elbit Armed the United Arab Emirates. haaretz.com 03.08.2026.

[4] Matt Bradley: Israel sent military personnel and key defense system to UAE, U.S. envoy says. nbcnews.com 12.05.2026.

[5] Ione Wells: Netanyahu says he ‘secretly visited’ UAE during war with Iran. bbc.co.uk 13.05.2026.

[6] Oded Yaron, Omer Benjakob, Liza Rozovsky: Documents Reveal How Israel’s Elbit Armed the United Arab Emirates. haaretz.com 03.08.2026.

[7] Report: Israel sent Iron Dome system, troops to UAE during war with Iran. ynetnews.com 26.04.2026.

[8] S. dazu Drehbuch für den Massenmord (II).

[9] Leila Al-Serori, Josefine Fokuhl, Jens Koenen, Julian Olk, Frank Specht: VAE planen Milliardeninvestitionen in Deutschland. handelsblatt.com 10.09.2026.

[10] Timo Kotowski, Julia Löhr: Das 40-Milliarden-Euro-Versprechen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.09.2026.

[11] Gemeinsame Erklärung anlässlich des Staatsbesuchs des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, 11.09.2026.

[12] Emirate wollen bei Verteidigung enger mit Deutschland arbeiten. handelsblatt.com 09.09.2026.

[13] VAE investieren laut Söder zehn Milliarden Euro in Bayern. handelsblatt.com 11.09.2026.

[14] S. dazu Drehbuch für den Massenmord (II).

[15] S. dazu Die Berliner Sudan-Konferenz.

[16] Eiad Husham: RSF head Hemeti secretely cultivates ties with Israel. africaintelligence.com 28.08.2026.


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