„Linke ausrotten“

Kolumbiens mutmaßlich nächster Präsident de la Espriella, ein Ultrarechter, unterhält gute Kontakte in die extreme Rechte in Europa. Er wurde im Wahlkampf von Trump unterstützt und will das Land erneut den USA unterwerfen.

BOGOTÁ/WASHINGTON/MADRID (Eigener Bericht) – Kolumbiens vermutlich nächster Präsident Abelardo de la Espriella unterhält gute Verbindungen zu Parteien der extremen Rechten in Europa. De la Espriella, der die kolumbianische Präsidentenwahl am Sonntag laut dem vorläufigen Wahlergebnis knapp vor dem Menschenrechtler Iván Cepeda gewonnen hat, ist im Januar in Madrid anlässlich eines Treffens mit Santiago Abascal, dem Präsidenten der ultrarechten Partei Vox, dem von deren Parteistiftung gegründeten Foro Madrid beigetreten – einem Zusammenschluss, der die äußerste Rechte Spaniens und Lateinamerikas vernetzt. In dessen Netzwerke sind andere Ultrarechte wie Chiles Präsident José Antonio Kast und die venezolanische Oppositionelle María Corina Machado eingebunden. Vox vermittelt Kontakte zwischen der äußersten Rechten in Lateinamerika und der extremen Rechten in Europa – so etwa Kontakte zu den Patriots for Europe (PfE). De la Espriella, selbst der äußersten Rechten zugehörig, will Kolumbien auf Rechtsaußenkurs trimmen und das Land wieder den USA unterwerfen. US-Präsident Donald Trump hat zu seinen Gunsten völlig offen in Kolumbiens Wahlkampf interveniert. De la Espriella will „Linke ausrotten“.

„Anwalt der Mafia“

Abelardo de la Espriella gilt als enger Freund von Álvaro Uribe, einem sehr weit rechts stehenden Politiker, der von 2002 bis 2010 als Präsident Kolumbiens amtierte und dem bis heute erheblicher Einfluss im Land zugeschrieben wird.[1] De la Espriella selbst, längst Millionär, hat eine Karriere als Rechtsanwalt absolviert. Vertreten hat er nicht zuletzt berüchtigte ultrarechte Paramilitärs, Politiker, die diesen nahestanden, sowie Drogenbosse. Einer seiner Klienten war der Paramilitär und Drogenboss Salvatore Mancuso, der im Jahr 2008 in die Vereinigten Staaten ausgeliefert und dort zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Die spanische Tageszeitung El País nannte de la Espriella „Anwalt der Mafia“.[2] Im Juli vergangenen Jahres erklärte Kolumbiens mutmaßlich nächster Präsident, er werde „alles in seiner Macht Stehende tun“, um linke Politiker und Aktivisten „auszuweiden“: „Diese Plage muss ausgerottet werden.“[3] Eines seiner Wahlplakate zeigt ihn, wie er auf dem Rücken seines zu Boden geworfenen Wahlrivalen Iván Cepeda kniet und ihn brutal niederdrückt.[4] Zuletzt musste er sich verteidigen, weil er einer Journalistin ein Foto seines Unterkörpers gezeigt hatte; darauf ist seine enganliegende Hose am Geschlechtsorgan massiv ausgebeult. Er habe die Journalistin aufgefordert: „Komm näher und erzähl mir, was du siehst“.[5]

Krieg statt Verhandlungen

De la Espriellas politische Ziele, für die er sich im Wahlkampf offiziell stark gemacht hat, laufen auf einen Umbau des kolumbianischen Staates entsprechend den Plänen von US-Präsident Donald Trump hinaus. So hat er angekündigt, Kolumbiens harte innere Konflikte einerseits mit Resten der Guerilla, andererseits mit Drogenkartellen nicht mehr auf dem Verhandlungsweg beilegen zu wollen wie der scheidende Präsident Gustavo Petro, sondern stattdessen auf militärische Gewalt zu setzen. Die Rede ist etwa von Luftangriffen auf Stellungen der Guerilla oder vom Versprühen des berüchtigten Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf Kokaplantagen.[6] Die Folgen einer solchen Gewaltpolitik wären wohl, so heißt es in einer Analyse, vor allem „für den ländlichen Raum … fatal“. Darüber hinaus hat de la Espriella angekündigt, zehn „Megagefängnisse“ in abgelegenen Regionen bauen zu wollen, womöglich unter privater Kontrolle. Als Vorbild gelten Haftanstalten in El Salvador unter dem dortigen Präsidenten Nayib Bukele, in denen Menschenrechtsorganisationen zufolge verheerende Zustände herrschen.[7] Ökonomisch setzt de la Espriella auf drastische Kürzungen bei den Staatsausgaben; von einer Streichung von 40 Prozent ist die Rede. Als sein Vorbild in der Wirtschaftspolitik wird Argentiniens Präsident Javier Milei genannt.

Plan Colombia 2.0

Außenpolitisch strebt de la Espriella erneut die klare Unterwerfung Kolumbiens unter die Vereinigten Staaten an, die der scheidende Präsident Gustavo Petro vorsichtig aufzubrechen versucht hatte. So hat er einen Plan Colombia 2.0 angekündigt. Der ursprüngliche Plan Colombia umfasste in den 2000er Jahren milliardenschwere Waffenkäufe in den USA sowie militärische Inlandsoperationen gemeinsam mit den US-Streitkräften. Die Folge war eine dramatische Eskalation der Gewalt.[8] De la Espriella hat darüber hinaus angekündigt, dem US-Projekt Shield of the Americas beitreten zu wollen, einem Zusammenschluss ultrarechts regierter Staaten Lateinamerikas und der Karibik mit den USA, der erst im März von der Trump-Administration gegründet wurde.[9] Trump wiederum hat de la Espriella in den höchsten Tönen gelobt und ihn im Wahlkampf offen unterstützt. Sogleich nach seinem Sieg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hatte er in den sozialen Medien erklärt, das Ergebnis der Wahl sei „sehr wichtig“ für Kolumbiens „Beziehung zu den Vereinigten Staaten“; er erteile de la Espriella „meine vollständige und umfassende Unterstützung“.[10] Präsident Petro rief daraufhin „alle Kolumbianer“ offiziell auf, „frei zu wählen und nicht zuzulassen, zu Sklaven oder zur Kolonie zu werden“.

„US-Interessen untergraben“

Trumps Einmischung in Wahlkämpfe in Lateinamerika ist nicht neu. Ende 2025 etwa setzte er sich im honduranischen Wahlkampf für Nasry Asfura ein, einen Ultrarechten vom Partido Nacional de Honduras. Asfura ging letztlich als knapper Sieger aus einer von gravierenden Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl hervor. Schon zuvor hatte Trump bei einer Zwischenwahl in Argentinien für den Rechtsaußenpräsidenten Javier Milei Partei ergriffen und ihm mit einem Währungsswap über 20 Milliarden US-Dollar aus einer für Argentiniens Finanzen bedrohlichen Lage geholfen. Bereits seit geraumer Zeit unterstützt Trump nun mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in Brasilien im Oktober Flávio Bolsonaro, einen der Söhne des Ex-Rechtsaußenpräsidenten Jair Bolsonaro.[11] Im kolumbianischen Wahlkampf ging die Trump-Administration über verbale Unterstützung hinaus. Kurz vor der Wahl ließ US-Außenminister Marco Rubio den kolumbianischen Onlineaktivisten Beto Coral, der in den USA Asyl beantragt hat, festnehmen; er will ihn abschieben lassen. Grund war, dass Coral sich öffentlich gegen de la Estriella ausgesprochen hat. Halte Coral sich weiter in den Vereinigten Staaten auf, dann „untergräbt das außenpolitische US-Interessen“, begründete Rubio den Schritt.[12] Das dürfe nicht geschehen.

Beziehungen nach Europa

De la Espriella verfügt über gute Beziehungen in die äußerste Rechte nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. An einer Großveranstaltung in Bogotá am 3. November 2025, die de la Espriellas Präsidentschaftskandidatur unterstützte, nahm unter anderem der Spanier Alvise Pérez teil, Europaabgeordneter und Gründer der ultrarechten Partei Se Acabó La Fiesta (SALF) [13]; zwei von deren Abgeordneten im Europaparlament gehören dort – formell als Unabhängige – der EKR-Fraktion (Europäische Konservative und Reformer) an. Am 13. Januar kam de la Espriella in Madrid mit Santiago Abascal zusammen, dem Präsidenten der ultrarechten Partei Vox [14], die gute Beziehungen nach Lateinamerika unterhält. De la Espriella trat an diesem Tag auch dem Foro Madrid bei, das im Jahr 2020 von der Fundación Disenso gegründet worden war, einer Vox angegliederten Stiftung, die offiziell ebenfalls von Abascal geleitet wird. Das Foro Madrid bündelt die äußerste Rechte Lateinamerikas und verbindet sie mit der äußersten Rechten Spaniens bzw. insbesondere mit Vox. Vox wiederum gehört den Patriots for Europe (PfE) an, einem europaweiten Zusammenschluss, der unter anderem den französischen Rassemblement National (RN), die italienische Lega und Ungarns ultrarechte Partei Fidesz umfasst.[15] Damit ist der vermutlich nächste kolumbianische Präsident mit Europas extremer Rechter eng verknüpft.

 

[1], [2] Camila Osorio, María Martín: Abelardo de la Espriella, el abogado del diablo que quiere ser presidente de Colombia. elpais.com 01.06.2026.

[3] Hans Weber: Wahlen in Kolumbien: Die Gefahren hinter dem ultrarechten Kandidaten. amerika21.de 20.06.2026.

[4] Angie Julieth Cicua Caballero: Esta es la polémica valla de Abelardo de la Espriella a la que acusan de incitar a la violencia política: „Es una declaración de odio“. infobae.com 03.06.2026.

[5] María Martín: Abelardo de la Espriella: el candidato que presume de genitales incendia la campaña electoral colombiana. elpais.com 14.05.2026.

[6] Frederic Schnatterer: Stichwahl in Kolumbien: Wer ist der rechte Hardliner de la Espriella? rega-net.org 05.06.2026.

[7] The human cost of the repressive cooperation between the US and El Salvador. amnesty.org 15.04.2025.

[8] Frederic Schnatterer: Stichwahl in Kolumbien: Wer ist der rechte Hardliner de la Espriella? rega-net.org 05.06.2026.

[9] S. dazu Die Unterwerfung Lateinamerikas (II).

[10] Annie Correal: Trump Endorses Right-Wing Presidential Candidate in Colombia. nytimes.com 02.06.2026.

[11] S. dazu „Nicht der Kaiser der Welt“.

[12] Hamed Aleaziz, Annie Correal: Memo by Rubio Approved Detention of Immigrant Who Criticized Trump Ally. nytimes.com 19.06.2026.

[13] Diego Stacey: El candidato ultra Abelardo de la Espriella se da un baño de masas en un congreso en Bogotá: „El ‘Tigre’ ha despertado“. elpais.com 04.11.2025.

[14] Diego Stacey: El candidato Abelardo de la Espriella se aproxima a la ultraderecha global para arrebatarle espacio al uribismo. elpais.com 15.01.2026.

[15] S. dazu Die transatlantische extreme Rechte (II) und Das Zeitalter der Patrioten.


Anmelden

ex.klusiv

Den Volltext zu diesem Informationsangebot finden Sie auf unseren ex.klusiv-Seiten - für unsere Förderer kostenlos.

Auf den ex.klusiv-Seiten von german-foreign-policy.com befinden sich unser Archiv und sämtliche Texte, die älter als 14 Tage sind. Das Archiv enthält rund 5.000 Artikel sowie Hintergrundberichte, Dokumente, Rezensionen und Interviews. Wir würden uns freuen, Ihnen diese Informationen zur Verfügung stellen zu können - für 7 Euro pro Monat. Das Abonnement ist jederzeit kündbar.

Möchten Sie dieses Angebot nutzen? Dann klicken Sie hier:
Persönliches Förder-Abonnement (ex.klusiv)

Umgehend teilen wir Ihnen ein persönliches Passwort mit, das Ihnen die Nutzung unserer ex.klusiven Seiten garantiert. Vergessen Sie bitte nicht, uns Ihre E-Mail-Adresse mitzuteilen.

Die Redaktion

P.S. Sollten Sie ihre Recherchen auf www.german-foreign-policy.com für eine Organisation oder eine Institution nutzen wollen, finden Sie die entsprechenden Abonnement-Angebote hier:
Förder-Abonnement Institutionen/Organisationen (ex.klusiv)