Die Unterwerfung Lateinamerikas (II)
Bundesregierung ignoriert US-Totalblockade gegen Kuba und weitere US-Maßnahmen zur Unterwerfung Lateinamerikas. Andere Staaten, etwa Spanien, stellen sich dagegen. In Kuba ist eine Solidaritätsflotille eingetroffen.
BERLIN/WASHINGTON/HAVANNA (Eigener Bericht) – Die Bundesregierung ignoriert die anhaltende US-Totalblockade gegen Kuba und weitere Versuche der Trump-Administration, sich ganz Lateinamerika zu unterwerfen, und sucht „transatlantische Übereinstimmungen“. Während am Wochenende eine internationale Solidaritätsflotille in Havanna ankam und mit Spanien zudem ein EU-Mitglied Hilfslieferungen in den Karibikstaat schickt, schweigt Berlin und setzt auf „Partnerschaft“ mit den USA. Diese fordern aktuell den Sturz des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel sowie die Unterstellung des Landes unter ihr Kommando. Hatte schon die seit über sechs Jahrzehnten andauernde US-Blockade der Insel dort schwere Schäden verursacht, so ruft die aktuelle Ölblockade dramatische Versorgungsprobleme hervor. US-Präsident Donald Trump teilt zudem mit, er könne mit Kuba „tun, was ich will“. Parallel hat er eine neue Regionalorganisation gegründet („Shield of the Americas“), die nur aus ultrarechts regierten Staaten besteht und sich gegen China richtet. In Kolumbien und in Brasilien mischen sich die USA in die gegenwärtigen Wahlkämpfe ein, und zwar jeweils zugunsten ultrarechter Kandidaten.
Öffnung für US-Unternehmen
Die kubanische Regierung hat kürzlich bestätigt, dass sie Verhandlungen mit der Trump-Administration aufgenommen hat, um ein Ende wenigstens der Erdölblockade zu erreichen. Laut US-Berichten ist in die Verhandlungen unter anderem Raúl Guillermo Rodríguez Castro involviert, ein Enkel von Raúl Castro; er soll sich mit US-Außenminister Marco Rubio persönlich ausgetauscht haben.[1] Die Regierung in Havanna hat Anfang vergangener Woche erste größere Zugeständnisse gemacht und angekündigt, Schritte zur ökonomischen Öffnung einzuleiten. Demnach sollen im Ausland lebende Kubaner in Kuba Unternehmen gründen und in bestehende Unternehmen investieren dürfen.[2] Dies gilt explizit auch für Kubaner in den USA, darunter viele, die in den vergangenen Jahren das Land verlassen haben, aber auch der ultrarechte Kern des alten kubanischen Exils in Florida, dem unter anderem der US-Außenminister entstammt. US-Konzerne allgemein dürfen umfassende Investitionen in Kuba tätigen; wie Kubas stellvertretender Ministerpräsident Oscar Pérez-Oliva Fraga bestätigt, werden insbesondere US-Investitionen in die Infrastruktur des Landes erlaubt. Die Regierung sei grundsätzlich „offen“ für „flexible Handelsbeziehungen mit US-Unternehmen“, bestätigt Pérez-Oliva Fraga.[3] In US-Medien ist bereits von einer „Cubastroika“ die Rede.[4]
„Mit Kuba tun, was ich will“
Der Trump-Administration genügt dies nicht; sie ist weiter nicht bereit, ihre Blockadepolitik zurückzufahren, die auf eine totale Verelendung der gesamten kubanischen Bevölkerung zielt. Laut Berichten fordert der US-Präsident explizit den Sturz seines kubanischen Amtskollegen, Miguel Díaz-Canel. Zudem müssten „einige ältere Regierungsmitarbeiter“ entfernt werden, „die sich nach wie vor den Ideen von Fidel Castro verpflichtet fühlen“.[5] Trump fährt unterdessen damit fort, den Karibikstaat in seiner üblichen Mischung aus chauvinistischem Überlegenheitsgehabe und aus infantilem Gerede verächtlich zu machen. „Sie reden mit uns“, äußerte er in der vergangenen Woche: „Es ist ein gescheiterter Staat. Sie haben kein Geld. Sie haben kein Öl. Sie haben kein nichts.“[6] Er werde erst noch „Iran erledigen“, dann werde er „die Ehre haben, Kuba zu nehmen“. Auf Nachfrage, was dies bedeuten solle, erläuterte Trump: „Ob ich es befreie, ob ich es nehme – ich denke, ich könnte alles mit ihm tun, was ich will, wenn Sie die Wahrheit wissen möchten.“
Shield of the Americas
Auch jenseits Kubas schreiten die Bestrebungen der Trump-Administration voran, sich ganz Lateinamerika und die Karibik umfassend zu unterwerfen. Dazu hat Washington unlängst ein neues Bündnis unter dem Namen Shield of the Americas gegründet, das sich offiziell gegen Drogenkartelle richtet. Es handle sich um eine „brandneue Militärkoalition“, die darauf ziele, „die kriminellen Kartelle auszurotten, die unsere Region heimsuchen“, äußerte Trump.[7] Bei dem Treffen waren die Staats- und Regierungschefs von zwölf Staaten der Region vertreten. Fünf weitere sollen bereit sein, sich Shield of the Americas anzuschließen.[8] Die Trump-Administration hat bereits im September vergangenen Jahres begonnen, Boote in der Karibik, die sie – ohne jeglichen Beleg – als Schmugglerboote bezeichnet, per Beschuss zu zerstören und ihre Besatzung zu ermorden. Laut einem Tracker der New York Times wurden bislang 46 Angriffe verübt; dabei wurden 159 Menschen umgebracht. Inzwischen hat Washington auch in Ecuador mit militärischen Angriffen auf tatsächliche oder angebliche Drogenkartelle begonnen. Beobachter rechnen nicht damit, dass das Vorgehen zum Erfolg führt, und weisen zur Begründung auf frühere Phasen des „Krieges gegen die Drogen“ hin, bei denen es nie gelang, die Kartelle abschließend zu zerschlagen.
Kampfbündnis gegen Beijing
Allerdings spricht vieles dagegen, dass die Trump-Administration mit dem neuen Bündnis Shield of the Americas tatsächlich vorrangig ihren Kampf gegen Drogenkartelle verfolgt. Ausweislich der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie ist Washington vor allem darauf aus, jeglichen Einfluss Russlands und vor allem Chinas aus Lateinamerika abzudrängen (german-foreign-policy.com berichtete [9]). Shield of the Americas gehören lediglich Staaten an, die aktuell von rechten bis ultrarechten Regierungen kontrolliert werden. Diese gelten als die geeignetsten Kooperationspartner im Kampf gegen die Volksrepublik. Nicht zu Shield of the Americas eingeladen wurden Länder, die zwar erhebliche Probleme mit Drogenkartellen haben, die aber links regiert werden und deshalb nicht als geeignete Verbündete gegen China gelten: Mexiko, Kolumbien und Brasilien. Im Hinblick darauf kann Shield of the Americas als Kampfbündnis gegen Beijing eingestuft werden.
„Prioritäres Ziel“
Zudem ist die Trump-Administration bemüht, in zweien der nicht zu Shield of the Americas eingeladenen Länder bei den dort bevorstehenden Wahlen amtierende linke Präsidenten durch rechte zu ersetzen. So hat die US-Drogenbehörde DEA jetzt Kolumbiens Präsidenten Gustavo Petro, nachdem die US-Justiz Ermittlungen gegen ihn wegen Drogenhandels aufgenommen hat, zum „prioritären Ziel“ erklärt.[10] Zwar darf Petro bei der Wahl am 31. Mai nicht mehr kandidieren. Doch könnte ein US-Verfahren gegen ihn die Aussichten des ihm nahestehenden linken Kandidaten Iván Cepeda schmälern, der aktuell in den Umfragen führt. Darüber hinaus setzt sich Trump bei der Präsidentenwahl am 4. Oktober in Brasilien für einen Sieg von Flávio Bolsonaro ein, einem Sohn des ultrarechten früheren Präsidenten Jair Bolsonaro; der gesamte Bolsonaro-Clan steht Trump nahe. Kürzlich versuchte ein einflussreicher Mitarbeiter des US-Außenministeriums, Darren Beattie, Jair Bolsonaro PR-wirksam im Gefängnis zu besuchen, wo er wegen eines Putschversuchs eine Haftstafe absitzt, sowie Flávio zu treffen – eine kaum verhüllte Wahlkampfhilfe. Die Regierung Lula verwahrte sich gegen die offene Einmischung in Brasiliens innere Angelegenheiten und verweigerte Beattie die Einreise.[11]
„Transatlantische Übereinstimmungen“
Die Operationen der Trump-Administration in Lateinamerika, vor allem die militärische Intervention in Venezuela, die gewaltsame Unterwerfung der dortigen Regierung sowie die aktuelle Komplettblockade Kubas, stoßen bei zahlreichen Staaten auf scharfen Protest. So warnte Kolumbiens Präsident Petro kürzlich, Lateinamerika sei kein „Land, das man erobern könnte“; Mitglieder der Trump-Administration wie Außenminister Rubio propagierten eine „weiße, christliche, westliche Zivilisation“, die an „die Ära der Kreuzzüge“ erinnere.[12] US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trägt ein Kreuzritter-Tattoo.[13] Spanien wiederum hat bereits mehrere Hilfslieferungen nach Kuba geschickt, um die desaströsen Folgen der US-Blockade wenigstens zu lindern.[14] Keinerlei Reaktion kommt von der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Gegenteil in der vergangenen Woche allgemein erklärt, die Bundesregierung „wolle“ die transatlantische „Partnerschaft“: „Deshalb sprechen wir auf allen Ebenen mit Washington. … Wir suchen transatlantische Übereinstimmungen.“[15] Dabei stören der Versuch, ein Land – Kuba – per Blockade ins die Verelendung zu treiben und sich einen ganzen Kontinent zu unterwerfen, nicht.
[1] Frances Robles, Edward Wong, Annie Correal: Trump Administration Said to Tell Cuba That Its President Has to Go. nytimes.com 16.03.2026.
[2] Volker Hermsdorf: Kapital durch Exilkubaner erschließen. junge Welt 18.03.2026.
[3] George Solis, Alexander Smith: Cuba will allow nationals living abroad to invest in and own business on the island, economic czar tells NBC news. nbcnews.com 16.03.2026.
[4] Patrick Oppmann: Flailing Cuba invites exiles to return, but hurdles remain. edition.cnn.com 17.03.2026.
[5] Frances Robles, Edward Wong, Annie Correal: Trump Administration Said to Tell Cuba That Its President Has to Go. nytimes.com 16.03.2026.
[6] Jack Nicas: Trump’s Next Target: ‘Taking Cuba’. nytimes.com 17.03.2026.
[7] Annie Correal, Shawn McCreesh: Trump Assembles a New Coalition to ‘Eradicate’ Cartels. nytimes.com 07.03.2026.
[8] Am ersten Treffen des Shield of the Americas nahmen die Präsidenten von Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, von Ecuador, El Salvador, Guyana, Honduras, Panama, Paraguay sowie Trinidad und Tobago teil. Mitwirken wollen Berichten zufolge die Bahamas, Belize, Guatemala, Jamaica und Peru.
[9] S. dazu Die Unterwerfung Lateinamerikas.
[10] DEA names Colombian President Petro ‘priority target’ amid U.S. probe of drug trafficker ties. pbs.org 20.03.2026.
[11] Michael Pooler: Brazil blocks visit of Trump official to see jailed Jair Bolsonaro. ft.com 14.03.2026.
[12] Rory O’Neill: Colombian president warns US against building an empire in Latin America. politico.eu 12.03.2026.
[13] S. dazu Auf ultrarechtem Kurs.
[14] España enviará a Cuba mil kits para necesidades básicas y placas fotovoltaicas. efe.com 16.03.2026.
[15] Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Europäischen Rat am 19./20. März 2026 vor dem Deutschen Bundestag am 18. März 2026 in Berlin.

ex.klusiv
Den Volltext zu diesem Informationsangebot finden Sie auf unseren ex.klusiv-Seiten - für unsere Förderer kostenlos.
Auf den ex.klusiv-Seiten von german-foreign-policy.com befinden sich unser Archiv und sämtliche Texte, die älter als 14 Tage sind. Das Archiv enthält rund 5.000 Artikel sowie Hintergrundberichte, Dokumente, Rezensionen und Interviews. Wir würden uns freuen, Ihnen diese Informationen zur Verfügung stellen zu können - für 7 Euro pro Monat. Das Abonnement ist jederzeit kündbar.
Möchten Sie dieses Angebot nutzen? Dann klicken Sie hier:
Persönliches Förder-Abonnement (ex.klusiv)
Umgehend teilen wir Ihnen ein persönliches Passwort mit, das Ihnen die Nutzung unserer ex.klusiven Seiten garantiert. Vergessen Sie bitte nicht, uns Ihre E-Mail-Adresse mitzuteilen.
Die Redaktion
P.S. Sollten Sie ihre Recherchen auf www.german-foreign-policy.com für eine Organisation oder eine Institution nutzen wollen, finden Sie die entsprechenden Abonnement-Angebote hier:
Förder-Abonnement Institutionen/Organisationen (ex.klusiv)