Die Zivilisationsvernichter

Trumps Ankündigung, die Straße von Hormuz zu blockieren, stößt in Berlin auf Zustimmung. Schon zuvor hatte Merz ein gewisses Verständnis für Trumps Drohung geäußert, die iranische Zivilisation zu vernichten.

BERLIN/WASHINGTON/TEHERAN (Eigener Bericht) – Die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Blockade der Straße von Hormuz löst in Berlin beifällige Zustimmung aus. Es sei „überfällig“, dass die USA Iran jede „Nutzung“ der Meerenge und die Einnahmen entzögen, die Teheran zuletzt dank seiner Kontrolle über sie erzielt habe, äußerte der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen am gestrigen Sonntag. Zuvor hatte Trump erklärt, die US-Marine werde sämtliche Schiffe an der Durchquerung der Straße von Hormuz hindern. Dies sei die Konsequenz aus dem Scheitern der Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts zwischen Washington und Teheran. Die Verhandlungen waren am Wochenende von den Vereinigten Staaten abgebrochen worden, weil Iran nicht bereit war, den US-Forderungen in vollem Umfang nachzukommen. Überschattet wurde das Treffen von Trumps Drohung, Irans zivile Infrastruktur gänzlich zu vernichten, das Land „in die Steinzeit“ zurückzubomben oder sogar seine „Zivilisation“ auszulöschen. Letzteres hatte weltweit Entsetzen ausgelöst, war aber in der Bundesregierung auf Verständnis gestoßen. Trump hat seine Drohung am Sonntag wiederholt, „das Wenige, das von Iran noch übrig ist, endgültig zu vernichten“.

„Die Bedingungen diktieren“

US-Vizepräsident JD Vance hatte die Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts mit Iran nach einem einzigen 21-stündigen Verhandlungsmarathon für gescheitert erklärt. Iran sei nicht bereit gewesen, „unsere Bedingungen zu erfüllen“, teilte Vance unmittelbar vor seiner Abreise aus Islamabad mit.[1] Berichten zufolge beharrten die USA auf Maximalforderungen etwa bezüglich des iranischen Atomprogramms; demnach sei die US-Delegation prinzipiell nicht dazu bereit gewesen, einen Alternativvorschlag Irans zur vollständigen Übergabe seines angereicherten Urans zu diskutieren. Außerdem habe sie die sofortige Komplettöffnung der Straße von Hormuz verlangt, habe es jedoch abgelehnt, Irans eingefrorene Auslandsguthaben im Wert von gut 27 Milliarden US-Dollar freizugeben, die in Deutschland, Luxemburg, der Türkei, Bahrain, Qatar, im Irak und in Japan liegen.[2] Gegenüber der New York Times äußerte der Teheraner Experte Mehdi Rahmati, es sei „unrealistisch“, ernsthaft zu verhandeln, aber jegliche Zugeständnisse prinzipiell auszuschließen. Irans früherer Außenminister Javad Zarif wiederum hielt fest, die USA könnten „Iran nicht die Bedingungen diktieren“. Exakt darauf zielt die Trump-Administration allerdings unverändert ab.

„In die Steinzeit bomben“

Nach dem Scheitern der Verhandlungen am Wochenende sind nun auch die Drohungen, die US-Präsident Donald Trump kurz vor der Einigung auf einen Waffenstillstand äußerte, wieder aktuell. Trump hatte zuerst angekündigt, Irans zivile Infrastruktur zu zerstören – so etwa Brücken und Kraftwerke – und das Land „in die Steinzeit“ zurückzubomben. Anschließend hatte er die Iraner in den sozialen Medien als „verrückte Bastarde“ beschimpft; öffneten sie nicht umgehend „die verdammte Straße“ von Hormuz, dann müssten sie künftig „in der Hölle leben“.[3] Anschließend verhöhnte Trump Iran und seine Bevölkerung – am christlichen Ostersonntag – mit einem zynisch gemünzten „Gepriesen sei Allah!“ Die Zerstörung ziviler Infrastruktur ist ein Kriegsverbrechen. Nach Angaben des Iranischen Roten Halbmonds wurden durch US-amerikanische und israelische Bombardements bereits bis zum 2. April 763 Schulen und 316 Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder zerstört.[4] Im Hinblick auf die völlig ungehemmte Kriegführung der USA und Israels konstatierte kürzlich der Publizist Rami G. Khouri, der an der American University of Beirut und am Arab Center Washington wirkt, „jedes internationale Recht“, das Zivilisten Schutz gewährt habe, sei „tot“: „Alle Menschen leben nun in Gefahr.“[5]

Vernichtungsphantasien

Zusätzlich zur Ankündigung umfassender Kriegsverbrechen stellte Trump vergangene Woche in Aussicht, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und Israels würden in Iran „eine gesamte Zivilisation“ vernichten. Die Äußerung ist nicht nur in Iran und in weiteren Ländern des Mittleren Ostens als Vorbereitung auf eine genozidale Kriegführung wie in Gaza, womöglich sogar auf einen Einsatz von Atomwaffen verstanden worden. Sie hat weltweit Entsetzen hervorgerufen. Papst Leo XIV. nannte Trumps Gewaltdrohungen gänzlich „inakzeptabel“.[6] Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, stufte sie als „Flut hetzerischer Rhetorik“ ein: „Das ist widerlich“. Ein gewisses Verständnis äußerte lediglich Bundeskanzler Friedrich Merz. Er erklärte nach tagelangem Schweigen, er habe das beispiellose verbale Wüten des US-Präsidenten bloß „als einen rhetorischen Teil einer Strategie gegenüber dem Iran“ wahrgenommen: „Ich glaube, er ist selbst nicht davon ausgegangen, dass man ein Land wie den Iran vollkommen auslöschen kann.“[7] Auch von Außenminister Johann Wadephul, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas sind Einwände gegen die Trump’schen Vernichtungsphantasien nicht bekannt.

„Funktionäre eliminieren“

Nicht nur die zitierten Drohungen schweben nach dem Scheitern der Verhandlungen erneut über der Bevölkerung Irans. Für den Fall, dass Iran nicht bereit sei, sein angereichertes Uran vollständig preiszugeben, schlug in der vergangenen Woche Marc A. Thiessen, ein Experte des neokonservativen American Enterprise Institute (AEI), diverse Maßnahmen vor. So solle Washington etwa die komplette Infrastruktur zum Ölexport auf der Insel Kharg zerstören – mit dem Ziel, „Terror in der Region zu verbreiten“.[8] Zudem solle jeder Iraner, der sich dem Ort nähere, unter dem man das angereicherte Uran des Landes vermute, getötet werden. Darüber hinaus sollten die US-Streitkräfte mit gezielten „finalen“ Angriffen auf die iranische Staatsführung „diejenigen iranischen Funktionäre eliminieren, die bislang verschont wurden, um Verhandlungen zu führen“.[9] Dass eine komplette Verhandlungsdelegation führender Repräsentanten eines Staates für den Fall, dass sie den Forderungen der Gegenseite nicht in gewünschter Form zustimmt, öffentlich mit Massenmord bedroht wird, ist sogar für die Gesellschaften der modernen westlichen Welt neu.

Trumps Seeblockade

US-Präsident Trump hat am gestrigen Sonntag zum einen seine Drohung wiederholt und angekündigt, die US-Streitkräfte würden „in einem geeigneten Moment das Wenige, das von Iran noch übrig ist, endgültig vernichten“.[10] Zudem hat er erneut mit der Zerstörung von Irans Strom- und sogar Wasserversorgung gedroht. Zum anderen hat er mitgeteilt, die US-Marine werde die Straße von Hormuz blockieren. Hintergrund ist, dass Iran in der Meerenge ein Mautsystem einzuführen sucht: Schiffe, die sie durchqueren, sollen Teheran eine Gebühr dafür zahlen. Iran hat das System in den vergangenen Wochen erprobt und dabei einzelnen Schiffen aus einer Reihe von Staaten, mit denen es nicht verfeindet ist, die Durchfahrt gegen Bezahlung erlaubt. Dies will es nun verstetigen. Trump zufolge soll jetzt kein einziges Schiff mehr die Straße von Hormuz durchqueren. Zudem habe er der US-Marine befohlen, „jedes Schiff in internationalen Gewässern zu stoppen, das Iran eine Mautgebühr gezahlt hat“, teilte er am Sonntag mit.[11] Dabei würden die USA von anderen Staaten unterstützt. Ob dies zutrifft oder ob der US-Präsident einmal mehr lügt, war zunächst nicht klar.

Lob aus Berlin

Aus Berlin kam bereits am Sonntag Lob für die Seeblockade. Es sei „unabdingbar, dass das iranische Regime nicht die Kontrolle über die Straße von Hormus behält“, erklärte der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen: „Dass die USA dem Regime nun selber die Nutzung und die für das Regime unerlässlichen Einnahmen daraus abschneiden, ist überfällig“.[12] Anderswo werden skeptische bis kritische Äußerungen laut. So weisen etwa US-Medien darauf hin, dass eine Seeblockade – Trump hat den Begriff benutzt – als Kriegshandlung gilt; damit geht der Waffenstillstand mit Beginn der angekündigten US-Blockade zu Ende. Zudem stellt etwa das Wall Street Journal fest, Iran habe in den vergangenen Wochen mehr als gedacht am Export seines Öls verdient; es könne eine Blockade der Straße von Hormuz besser verkraften als die Wirtschaft in der westlichen Welt, die schon bald mit Mangel an zahlreichen Rohstoffen zu rechnen haben werde – „von Flüssiggas über Flugzeugtreibstoff bis zu Helium“.[13] Die ökonomischen Schäden, die zu erwarten seien, seien enorm.

 

[1] Erika Solomon: In Pakistan Talks, Iran Saw a U.S. Trying to Dictate, Not Negotiate. nytimes.com 12.04.2026.

[2] Farnaz Fassihi: Control of the Strait of Hormuz and Iran‘s uranium stockpiles were sticking points. nytimes.com 12.04.2026.

[3] Trump threatens ‘hell’ for Iran over Hormuz Strait as deadline approaches. aljazeera.com 05.04.2026.

[4] Leanne Abraham, Aurelien Breeden, Bora Erden, Anushka Patil, Christiaan Triebert, Daniel Wood, Karen Yourish: Iran’s Schools and Hospitals in Ruins, Times Analysis Shows. nytimes.com 09.04.2026.

[5] Rami G. Khouri: Iran ceasefire: Not an off-ramp for the US but a life-saving ejection seat. aljazeera.com 10.04.2026.

[6] Allerorts Abscheu über Trumps Drohpolitik. orf.at 08.04.2026.

[7] Merz: Erfolg bei Iran-Friedensgesprächen nicht sicher. handelsblatt.com 09.04.2026.

[8], [9] Marc A. Thiessen: Iran thinks it has leverage. Here’s how Trump can prove it wrong. washingtonpost.com 08.04.2026.

[10] Vera Bergengruen: Trump Says the U.S. Is Locked and Loaded to Finish Up Iran. wsj.com 12.04.2026.

[11] Vera Bergengruen: Trump Announces U.S. Blockade of Strait of Hormuz. wsj.com 12.04.2026.

[12] Mey Dudin, Birgit Marschall: Trump kündigt US-Seeblockade in der Straße von Hormus an. rp-online.de 12.04.2026.

[13] Georgi Kantchev: Iran Holds Strong Cards in Trump’s Blockade. wsj.com 12.04.2026.


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