Die Straße von Hormuz
Debatte um deutsche Beteiligung an Marineoperation in der Straße von Hormuz beginnt. Tankereskorten könnten kaum zehn Prozent des Vorkriegsverkehrs absichern. Paris plant Marinekoalition für die Zeit nach dem Abflauen des Kriegs.
BERLIN/PARIS/TEHERAN (Eigener Bericht) – In Berlin werden erste Plädoyers für eine deutsche Teilnahme an dem von US-Präsident Donald Trump verlangten Marineeinsatz in der Straße von Hormuz laut. Es sei „zwingend“, die freie Schifffahrt auch in der Meerenge vor der iranischen Küste „militärisch zu verteidigen“, äußert der CDU-Militärpolitiker Thomas Röwekamp; dabei sei „auch ein deutscher Beitrag notwendig“. Dies läuft der Position der Bundesregierung zuwider, die bislang jegliche deutsche Beteiligung an etwaigen Operationen westlicher Streitkräfte in der Straße von Hormuz ablehnt. Experten weisen darauf hin, dass bis zu zwölf Kriegsschiffe nötig wären, um fünf bis zehn Tanker durch die Meerenge zu geleiten. Dabei biete auch dies keine Sicherheit, da iranische Trupps aus kürzester Entfernung angreifen könnten. Alternativ sei eine US-Invasion an der südiranischen Küste denkbar, die allerdings erneut US-Bodentruppen in einen langwierigen Krieg in Mittelost verwickeln würde. Parallel zu den US-Forderungen sucht Frankreich eine Marinekoalition zu schmieden, die unter Einschluss auch arabischer Staaten die Straße von Hormuz sichern soll, allerdings erst nach einem Abflauen des Kriegs, in den sie nicht involviert werden soll.
Frankreich prescht vor
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am Montag vergangener Woche bei einem Besuch in Zypern mitgeteilt, er bereite zur Zeit eine Militäroperation zur Öffnung der Straße von Hormuz vor. Dabei solle es sich allerdings um eine „rein defensive“ Operation handeln, die frühestens dann beginnen könne, wenn „die heißeste Phase des Konflikts“ vorüber sei.[1] In einem ersten Schritt hat Paris elf Kriegsschiffe in den Nahen und Mittleren Osten geschickt – den Flugzeugträger Charles de Gaulle, zwei Hubschrauberträger und acht Fregatten. Eine Fregatte kreuzt schon im Rahmen des EU-Marineeinsatzes Aspides im Roten Meer und an der Meerenge Bab al Mandab bei Dschibuti, um Handelsschiffe, die von dort durch den Suezkanal ins Mittelmeer einfahren, vor Angriffen der Huthi-Milizen im Jemen zu schützen. Dorthin soll jetzt eine zweite französische Fregatte entsandt werden.[2] An dem Einsatz beteiligen sich zudem je eine Fregatte aus Italien und Griechenland. Der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle wiederum, der aktuell im östlichen Mittelmeer kreuzt – nahe Zypern –, wird von Kriegsschiffen der Niederlande, Spaniens und Italiens begleitet. Die deutsche Marine beteiligt sich nicht; die Fregatte Nordrhein-Westfalen, die vor Zypern liegt, ist dort lediglich im Rahmen des UN-Einsatzes UNIFIL präsent.
Auf Distanz zu den USA
Berichten zufolge sind mittlerweile erste Verhandlungen im Gang. Demnach hat Frankreich direkt und indirekt Kontakt zu Iran aufgenommen. Die Präsidenten sowie die Außenminister beider Länder haben miteinander telefoniert; Paris hält zudem seine Botschaft in Teheran offen.[3] Italien streitet ab, sich in Gesprächen mit Iran zu befinden. Über solche Gespräche hatte die Financial Times berichtet.[4] Über die französischen Aktivitäten heißt es, sie seien zur Zeit noch stark darauf fokussiert, eine Marinekoalition für die Sicherung der Straße von Hormuz zu schmieden. Dazu sei Paris nicht nur mit europäischen Ländern in Kontakt, sondern auch mit den arabischen Golfstaaten, mit Indien und Kanada. Indien allerdings halte sich bisher sehr zurück. Konkrete Maßnahmen an der Straße von Hormuz seien unter den derzeitigen Umständen noch nicht möglich; man werde praktische Schritte erst starten, wenn dies nicht zu einer Ausweitung des Krieges führe. Ein europäischer Diplomat wurde Ende vergangener Woche mit der Einschätzung zitiert, Frankreich wolle sich ganz eindeutig „vom amerikanischen Ansatz distanzieren“ – denn „letztendlich“ benötige man zumindest „eine minimale Zustimmung seitens Irans“, um die Straße von Hormuz ohne den faktischen eigenen Eintritt in den Krieg zu passieren.[5]
„Wir sind nicht vorbereitet“
Die Vereinigten Staaten dringen ihrerseits darauf, die Straße von Hormuz zu öffnen. US-Präsident Donald Trump hatte bereits am 3. März angekündigt, die US-Marine werde Tanker „so bald wie möglich“ durch die Meerenge eskortieren.[6] US-Energieminister Chris Wright hatte am 10. März in den sozialen Medien behauptet, eine erste US-Eskorte eines Tankers habe nun begonnen. Kurz darauf musste er den Post allerdings nach einem Dementi aus dem Weißen Haus zurückziehen.[7] Am 12. März räumte er ein, Operationen in der Straße von Hormuz seien weiterhin nicht möglich: „Wir sind einfach noch nicht vorbereitet.“[8] Mit US-Maßnahmen zur Öffnung der Meerenge sei wohl kaum vor Ende März zu rechnen. Am Samstag hat nun Trump persönlich gefordert, andere Staaten – beispielsweise Frankreich, Großbritannien, Südkorea, China – sollten endlich Tankschiffe durch die Straße von Hormuz eskortieren. Gleichzeitig würden die Vereinigten Staaten „die Küstengebiete gnadenlos bombardieren und reihenweise iranische Boote und Schiffe versenken“.[9] Demnach handelt es sich bei Trumps Verlangen, Tanker aus dem Persischen Golf in das Arabische Meer und den Indischen Ozean zu geleiten, um die Aufforderung, faktisch in den Krieg gegen Iran einzutreten – nicht mit aktiven Angriffen, sondern in der defensiven Rolle.
Der nächste Besatzungskrieg
US-Experten haben längst zu erörtern begonnen, unter welchen Umständen Tankereskorten durch die Straße von Hormuz erfolgen würden. Man müsse wohl zwei Kriegsschiffe für jeden Tanker bereitstellen, heißt es; alternativ seien zwölf begleitende Kriegsschiffe für Konvois aus fünf bis zehn Tankern vorstellbar. Man benötige demnach „Tausende Soldaten“ für eine geringe Zahl an Tankschiffen – und könne dennoch erhebliche Risiken nicht ausschließen: Da die Straße von Hormuz sehr eng und das iranische Küstengelände unübersichtlich seien, seien iranische Attacken vor allem mit Drohnen oder mit Raketen aus kürzester Distanz kaum zu verhindern. Wolle man größtmögliche Sicherheit erreichen, dann müsse man eine umfassende Invasion mit Bodentruppen an der südiranischen Küste starten, heißt es in einer Analyse im Wall Street Journal.[10] Das benötige Zeit zur Planung und für vorbereitende Militärschläge, wird ein ehemaliger, auf Iran spezialisierter Mitarbeiter des israelischen Militärgeheimdiensts zitiert. Zudem wären US-Bodentruppen auf iranischem Territorium ein willkommenes Ziel für iranische Militärs, darunter insbesondere die in asymmetrischer Kriegführung erfahrenen Revolutionsgarden. Käme es dazu, dann hätte die Trump-Administration die USA in ihren nächsten Besatzungskrieg im Mittleren Osten geführt.
Maximal zehn Prozent
Dabei wäre der ökonomische Nutzen von Geleitoperationen in der Straße von Hormuz gering. Laut einer Analyse des Fachportals Lloyd’s List würde eine großangelegte Operation zum Eskort von Tankern oder Frachtschiffen durch die Meerenge lediglich eine Anzahl von Passagen ermöglichen, die maximal zehn Prozent des vor dem Iran-Krieg üblichen Verkehrs entspricht.[11] Selbst dann ist ungewiss, ob Reeder bereit wären, ihre Handelsschiffe und deren Crews dem unvermeidlich verbleibenden Restrisiko tödlicher Angriffe auszusetzen.
„Militäreinsatz zwingend“
Die Bundesregierung lehnt jegliche deutsche Beteiligung an einem Einsatz zur Eskorte von Handelsschiffen durch die Straße von Hormuz zur Zeit ab. Bundeskanzler Friedrich Merz hat bereits am Freitag erklärt, er sehe keine Veranlassung, „über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken“; Deutschland werde nicht Teil des Iran-Krieges werden.[12] Am gestrigen Sonntag schloss auch Außenminister Johann Wadephul jegliche Intervention aus: „Wir werden uns an dieser Auseinandersetzung nicht beteiligen“.[13] Die EU-Operation Aspides sei schon im Roten Meer „nicht wirkungsvoll“; er sei „sehr skeptisch“, ob sie bei der Ausweitung auf die Straße von Hormuz bessere Ergebnisse erzielen könne. Sicherheit gebe es nur mit einer Verhandlungslösung. Allerdings werden in Berlin mittlerweile erste Stimmen laut, die einen Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormuz befürworten. So erklärt etwa der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), es sei „zwingend, die Bewegungsfreiheit in den internationalen Handelswegen … militärisch zu verteidigen“.[14] „Eine Ausweitung des Mandats für die EU-Mission ‘Aspides‘ ist in europäischem Interesse“, behauptet Röwekamp; deshalb sei „hier auch ein deutscher Beitrag notwendig“.
Mehr zum Iran-Krieg: Europas Beitrag zum Krieg, Vor dem Preisschock und Unter Beschuss.
[1] Emmanuel Macron annonce que la France va contribuer à la sécurité du détroit d’Ormuz. lemonde.fr 09.03.2026.
[2] Claire Gatinois, Chloée Hoorman: Emmanuel Macron, à bord du porte-avions « Charles-de-Gaulle », fait étalage de la « puissance » militaire de la France. lemonde.fr 10.03.2026.
[3] France presses on with Hormuz ideas, no secret Iran talks, sources say. reuters.com 13.03.2026.
[4] Henry Foy, Sarah White: France and Italy open talks with Iran in hope of securing safe Hormuz passage. ft.com 13.03.2026.
[5] France presses on with Hormuz ideas, no secret Iran talks, sources say. reuters.com 13.03.2026.
[6] Spencer Kimball: Energy Secretary Wright says U.S. ‘not ready’ to escort oil tankers through Strait of Hormuz yet. cnbc.com 12.03.2026.
[7] White House denies US military escorted tanker in Hormuz after deleted post. aljazeera.com 10.03.2026.
[8] Spencer Kimball: Energy Secretary Wright says U.S. ‘not ready’ to escort oil tankers through Strait of Hormuz yet. cnbc.com 12.03.2026.
[9] Maia Davies: Trump urges UK and other nations to send warships to Strait of Hormuz. bbc.co.uk 14.03.2026.
[10] Jared Malsin: Trump Wants to Secure Hormuz. Here’s What It Would Take. wsj.com 14.03.2026.
[11] Richard Meade: Naval escorts would cap tanker transits at under 10% of normal volumes. lloydslist.com 11.03.2026.
[12] Hormus-Einsatz: Deutsche Reeder von Merz-Absage enttäuscht. ndr.de 15.03.2026.
[13] „Werden uns nicht an Auseinandersetzung beteiligen“. tagesschau.de 15.03.2026.
[14] Matthias Gebauer, Anna Reimann: Deutsche Soldaten in der Straße von Hormus? Auf keinen Fall! Oder? spiegel.de 15.03.2026.

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