Die Partei der neuen Ordnung
Führende AfD-Außenpolitiker billigen die US-Gewaltpolitik gegenüber Venezuela, erweitern damit ihre Gemeinsamkeiten bzw. Koalitionsfähigkeit mit CDU/CSU und profilieren sich als Partei, die Deutschland „auf eine neue Ordnung ausrichtet“.
BERLIN/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Führende Außenpolitiker der AfD billigen die US-Gewaltpolitik gegenüber Venezuela, stimmen darin mit führenden CDU-Politikern bis hin zu Bundeskanzler Friedrich Merz überein und weiten die Gemeinsamkeiten im Hinblick auf eine mögliche künftige Koalitionsbildung aus. Zuvor hatten sie mit diversen Besuchen bei Repräsentanten der Trump-Administration sowie der MAGA-Bewegung den klaren Willen zu transatlantischer Kooperation gezeigt, der für eine Regierungsbeteiligung in Deutschland als unverzichtbar gilt. Schon im Herbst hatten Abgeordnete von CDU, CSU und AfD gemeinsam mit konservativen und ultrarechten Abgeordneten aus anderen Ländern im Europaparlament den „cordon sanitaire“ („Brandmauer“) zu Fall gebracht – ein gravierender Präzedenzfall. Die Einbindung ultrarechter Parteien in Regierungskoalitionen in Europa wird von der Trump-Administration in ihrer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie explizit unterstützt. Dabei kann sich die AfD mit ihrer Akzeptanz für die US-Gewaltpolitik gegen Venezuela als eine Partei profilieren, die laut einem Experten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) Deutschland und Europa „auf eine neue Ordnung ausrichtet“.
Im Weißen Haus
Seit dem Herbst vergangenen Jahres hat sich der Austausch zwischen der AfD und Teilen der Republican Party bzw. der MAGA-Bewegung spürbar intensiviert. Im September wurde die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, zu Gesprächen im Weißen Haus empfangen. Dort traf sie laut eigenen Angaben unter anderem mit Mitarbeitern von Vizepräsident JD Vance zusammen.[1] Ende September brachen die AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohmaier, außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, und Jan Wenzel Schmidt, Mitglied im Fraktionsarbeitskreis für auswärtige Angelegenheiten, nach Washington auf, wo sie unter anderem mit Darren Beattie Gespräche führten, einem einflussreichen Mitarbeiter des Außenministeriums. Umgekehrt hielt sich Ende Oktober einer der Social-Media-Wahlkampfstrategen von US-Präsident Donald Trump, Alex Bruesewitz, in Berlin auf, um der AfD-Bundestagsfraktion erprobte PR-Techniken für den Onlinewahlkampf zu vermitteln. Bruesewitz erklärte damals unter dem Beifall von AfD-Abgeordneten, man stehe gemeinsam im „spirituellen Krieg“ gegen „Marxisten“ und „Globalisten“.[2]
Vom Young Republican Club geehrt
Mitte Dezember reisten dann rund 20 AfD-Politiker erneut in die Vereinigten Staaten – nach New York, wo sie an der jährlich abgehaltenen Galaveranstaltung des New York Young Republican Club teilnahmen. Die Organisation, der Mitglieder der Republican Party im Alter von 18 bis 40 Jahren angehören, wird zum rechten Flügel der Partei gezählt und besitzt gute Beziehungen auch in führende Kreise der MAGA-Bewegung. Anlass der Teilnahme der AfD-Politiker war die Verleihung des Allen-Welsh-Dulles-Preises an Frohnmaier. Der Preis, nach dem CIA-Chef der Jahre 1953 bis 1961 benannt, wird an Personen vergeben, die nach Ansicht der New York Young Republicans Dulles‘ „aggressiven Anti-Marx-Spirit“ besonders gut verkörpern. Zur Verleihung an Frohnmaier hieß es, dieser habe die Ehrung durch „mutige Arbeit im besonders repressiven und feindseligen politischen Klima Deutschlands“ hoch verdient.[3] Kurz zuvor hatte Frohnmaier Sarah Rogers, getroffen, eine Unterstaatssekretärin aus dem US-Außenministerium, die in einem Anfang Dezember veröffentlichten Video Fälle angeblicher politischer Zensur in Europa beklagt hatte. Es ging um Maßnahmen gegen die extreme Rechte.
„Zivilisatorische Auslöschung“
Frohnmaier teilte anschließend mit, er habe sich mit Rogers insbesondere über die neue Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten ausgetauscht. Diese ist von der Trump-Administration Anfang Dezember publiziert worden. Sie legt nicht nur einen Schwerpunkt auf die Unterwerfung Lateinamerikas und der Karibik unter die komplette Dominanz der USA.[4] Sie lobt daneben auch den „wachsenden Einfluss patriotischer Parteien in Europa“ – gemeint sind Parteien wie etwa die AfD sowie weitere, die dem Zusammenschluss Patriots for Europe (PfE) angehören –, und sie kündigt an, deren „Widerstand“ gegen den „gegenwärtigen Kurs“ der bislang in Europa dominierenden Kräfte, beispielsweise gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, zu „kultivieren“. Die Aufnahme von Flüchtlingen werde in die „zivilisatorische Auslöschung“ führen, heißt es in dem Papier (german-foreign-policy.com berichtete [5]). Auf der Basis solcher Gemeinsamkeiten zwischen der AfD und der MAGA-Bewegung soll die Zusammenarbeit weiter intensiviert werden. Frohnmaier teilte mit, er habe Mitarbeiter des US-Außenministeriums sowie Kongressabgeordnete zu einer Veranstaltung nach Deutschland eingeladen, die in zeitlicher Nähe zur Münchner Sicherheitskonferenz stattfinden soll.[6]
Das Handeln von Großmächten
Die intensive Annäherung an die MAGA-Bewegung bzw. die Trump-Administration ist für die AfD ein wichtiger Schritt, um Koalitionsfähigkeit zu erlangen: Sie demonstriert, ohne dass sie ihre inhaltlichen Positionen aufgeben müsste, den Willen zu transatlantischer Kooperation, der für ihre potenziellen Koalitionspartner CDU und CSU unverzichtbar ist; zugleich wird sie den Ruch der alleinigen außenpolitischen Fixierung auf Russland los. Der US-Überfall auf Venezuela gibt ihr nun erneut die Chance, Nähe zu den Unionsparteien zu demonstrieren. Frohnmaier hat sich, wie Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul, in seinen Reaktionen jeder Kritik an der US-Gewaltpolitik enthalten; er hat behauptet, die venezolanische Bevölkerung weine Maduro keine Träne nach – und wer sich nun „gegen die USA“ wende, reagiere „hypermoralisch“.[7] „Großmächte tun, was Großmächte schon immer getan haben“, erklärt Frohnmaier; es gelte jetzt zu „lernen, damit besser umzugehen und darauf zu reagieren“.[8] Auch der AfD-Außenpolitiker Matthias Moosdorf bekräftigt, „entscheidend“ sei „das faktische Handeln von Großmächten“.[9] Der Experte Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) wird dazu mit der Feststellung zitiert, mit ihrem Bezug auf reine Großmachtpolitik profiliere sich die AfD nun als diejenige Partei, „die das Land und den Kontinent auf eine neue Ordnung ausrichtet“.[10]
Die Koalitionsgrundlage wächst
Die mit der Mehrheit in den Unionsparteien geteilte Bereitschaft, auf jegliche Kritik an der Gewaltpolitik der Vereinigten Staaten zu verzichten, fügt den bisherigen Gemeinsamkeiten mit CDU und CSU eine weitere hinzu. Im November hatten die konservativen und die Rechtsaußenparteien im Europaparlament, darunter CDU/CSU und AfD, gemeinsam für eine massive Aufweichung der Lieferkettenrichtlinie gestimmt, die mit den Sozialdemokraten und den Grünen nicht durchsetzbar war; damit hatten sie erstmals den „cordon sanitaire“ („Brandmauer“) bei einer politisch bedeutenden Entscheidung gebrochen. Gleichzeitig hatten sich mittelständische Kreise der deutschen Wirtschaft öffentlich zum Austausch mit der AfD bereit gezeigt (german-foreign-policy.com berichtete [11]). Bereits vor der Bundestagswahl hatte der heutige Bundeskanzler Merz einen Antrag zur Flüchtlingsabwehr mit einer Mehrheit durch den Bundestag gebracht, die sich lediglich der Zustimmung durch die AfD verdankte. Die Grundlage für eine mögliche Koalitionsbildung, die er damit schuf, erweitert sich seitdem kontinuierlich.
[1] S. dazu „Kein Platz für Brandmauern“.
[2] James Angelos, Sascha Roslyakov: Trump adviser to Germany’s far-right AfD: “We are in this together”. politico.eu 06.11.2025.
[3] Kilian Pfeffer: Die AfD sucht Anschluss in den USA. tagesschau.de 13.12.2025.
[4] S. dazu Die Unterwerfung Lateinamerikas.
[5] National Security Strategy of the United States of America. November 2025. S. dazu Der neue Transatlantikpakt.
[6] Hussein Waaile, Sarah Marsh: German far-right lawmaker calls for US-German nationalist alliance at MAGA gala. reuters.com 14.12.2025.
[7] The Pioneer: Das Briefing. 05.01.2026.
[8] „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine regelbasierte Ordnung nie richtig gab“. welt.de 05.01.2026.
[9], [10] The Pioneer: Das Briefing. 05.01.2026.
[11] S. dazu „Kein Platz für Brandmauern“ (II).

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