Die Militarisierung der Welt

Neue SIPRI-Zahlen zeigen: Deutschland und Europa treiben die globale Hochrüstung mit zweistelliger Steigerung ihrer Militärhaushalte voran. Die Militärausgaben weltweit haben 2025 Rekordhöhe erreicht. Armut und Hunger grassieren weiter.

BERLIN/BRÜSSEL (Eigener Bericht) – Deutschland treibt mit einer zweistelligen Steigerung seines Militärhaushalts die Hochrüstung Europas an, Europa forciert mit einer gleichfalls zweistelligen Aufstockung seiner Streitkräfteetats die Hochrüstung der Welt: Das ist eines der Resultate der jüngsten Analyse des Forschungsinstituts SIPRI zur Entwicklung der globalen Rüstungsausgaben. SIPRI zufolge stiegen die Ausgaben für die Bundeswehr 2025 um 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar, während Europas Aufwendungen für die Armeen des Kontinents um 14 Prozent wuchsen. Damit stehen Deutschland und die europäischen Staaten an der Spitze des Rüstungsbooms weltweit, der die globalen Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 2,887 Billionen US-Dollar in die Höhe getrieben hat. Damit wurden erstmals 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aller Staaten zusammengenommen für Waffen verschwendet, während weiterhin nahezu ein Zehntel der Weltbevölkerung in extremer Armut lebt und die Kriege, zu denen die Hochrüstung führt, Hunger und Elend weiter forcieren. Auch in Deutschland und der EU ist rund ein Fünftel der Bevölkerung von Armut bedroht. Sozialkürzungen zugunsten der Hochrüstung stehen bevor.

Globale Rüstungsrekorde

Die globalen Militärausgaben, die schon im Jahr 2024 den damaligen Rekordwert von 2,718 Billionen US-Dollar erreicht hatten, sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen und summierten sich auf den neuen Rekordwert von 2,887 Billionen US-Dollar. Das geht aus der jüngsten Analyse des Forschungsinstituts SIPRI aus Stockholm hervor, die am gestrigen Montag veröffentlicht wurde. Es handelt sich um den elften Jahresanstieg in Folge seit 2015, dem Jahr unmittelbar nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts. Die Tatsache, dass der Anstieg sich nicht mehr auf 9,7 Prozent belief wie im Jahr 2024, sondern nur auf 2,9 Prozent, ist einer Sonderentwicklung in den Vereinigten Staaten geschuldet. Dort sanken die Aufwendungen für das Militär um 7,5 Prozent, vor allem, weil die Trump-Administration die militärische Unterstützung für die Ukraine beendete. Rechnet man die USA heraus, stiegen die globalen Militärausgaben im Jahr 2025 um 9,2 Prozent und damit um fast ebenso viel wie 2024. Insgesamt nahmen die Mittel, die weltweit für die Streitkräfte zur Verfügung gestellt wurden, von 2016 bis 2025 um 41 Prozent zu; dabei erhöhte sich ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung auf 2,5 Prozent – auch dies ein Rekordwert.[1]

Machtkampf in Asien

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet SIPRI bei den Rüstungsausgaben in Asien und der Pazifikregion; diese nahmen 2025 um 8,1 Prozent auf 681 Milliarden US-Dollar zu. SIPRI zufolge steigerte China seine Aufwendungen um 7,4 Prozent auf 336 Milliarden US-Dollar; das sind 1,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP).[2] Stärker wuchsen die Ausgaben bei den Verbündeten des Westens im Machtkampf gegen die Volksrepublik. Indien etwa gab 2025 mit 92,1 Milliarden US-Dollar 8,9 Prozent mehr für seine Streitkräfte aus als 2024. Japan steigerte seine Militärausgaben um 9,7 Prozent auf 62,2 Milliarden US-Dollar, wobei es laut SIPRI insbesondere weitreichende Waffen wie Marschflugkörper und gleichzeitig neue Aufklärungssysteme beschaffte, die nötig sind, um Zieldaten für weitreichende Waffen zu generieren. Taiwan wiederum erhöhte seinen Wehretat um ungefähr 14 Prozent auf 18,2 Milliarden US-Dollar. Dabei fällt auf, dass parallel der Anteil der Vereinigten Staaten an der Aufrüstung sinkt. Lag er 2020 noch bei 39 Prozent, so schrumpfte er bis 2025 auf gut 33 Prozent. Allerdings ist US-Präsident Donald Trump zur Zeit bemüht, den nächsten US-Wehretat auf einen Rekordwert von 1,5 Billionen US-Dollar zu erhöhen.

Die treibende Kraft

Eindeutig treibende Kraft bei der Militarisierung der Welt ist Europa, wo SIPRI für 2025 einen Anstieg der Militärausgaben um 14 Prozent konstatiert. Dazu trugen die beiden Krieg führenden Staaten, Russland und die Ukraine, in unterschiedlichem Umfang bei. Während Russland seine Aufwendungen um 5,9 Prozent auf – geschätzte – 190 Milliarden US-Dollar steigerte, nahmen die Aufwendungen der Ukraine um 20 Prozent auf 84,1 Milliarden US-Dollar zu. Für Europa insgesamt addierten sich die Beträge auf Militärbudgets im Wert von 864 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als die Wehrbudgets der Asien-Pazifik-Region (681 Milliarden US-Dollar). Die Rüstungsausgaben allein der NATO-Staaten Europas zusammengenommen lagen mit annähernd 559 Milliarden US-Dollar um 23,1 Prozent über ihrem Wert von 2024. Dabei werden sie rasch weiter steigen. Die NATO hat ihre Mitglieder offiziell verpflichtet, spätestens 2035 fünf Prozent ihres BIP für militärische Aufgaben zu verwenden – 3,5 Prozent unmittelbar für die Streitkräfte, 1,5 Prozent für verwandte Zwecke, darunter den Ausbau der militärisch benötigten Infrastruktur. Allein die 32 NATO-Staaten gaben 2025 gut 1,581 Billionen US-Dollar für ihr Militär aus, 55 Prozent des globalen Gesamtwerts.

Nummer eins in Europa

Haupttreiber der Hochrüstung in Europa war im vergangenen Jahr Deutschland, und dies wird es voraussichtlich auch in den kommenden Jahren bleiben. Die Bundesrepublik erhöhte ihre Militärausgaben laut der SIPRI-Statistik um stolze 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar. Dabei handelte es sich bereits um die dritte Jahressteigerung um einen zweistelligen Prozentsatz in direkter Folge. Weitere dürften bevorstehen. Die Bundesregierung ist bestrebt, der Bundeswehr spätestens 2029 3,5 Prozent des deutschen BIP zur Verfügung zu stellen. Im vergangenen Jahr waren es 2,3 Prozent – zum ersten Mal seit 1990 ein Anteil oberhalb der Zwei-Prozent-Schranke. Das Erreichen des Fünf-Prozent-Zieles wird durch die Tatsache ein wenig erleichtert, dass das deutsche BIP faktisch nicht mehr wächst oder sogar schrumpft. Dennoch geht Berlin für 2029 von einem Militärhaushalt in Höhe von über 150 Milliarden Euro aus. Das wäre annähernd das Doppelte dessen, was Frankreich laut aktuellem Stand im Jahr 2030 erreichen will (76,3 Milliarden Euro). Der Wehretat Italiens, des Landes mit der drittgrößten Wirtschaftsleistung in der EU, lag 2025 bei um die 35,5 Milliarden Euro; ob und wie Rom ihn steigern kann, ist nicht klar. Damit zieht Deutschland in rasantem Tempo an allen Rivalen in der EU vorbei.

Armut und Hunger

Während besonders Deutschland und Europa die globale Militarisierung vorantreiben, leben den Vereinten Nationen zufolge immer noch 808 Millionen Menschen weltweit in extremer Armut; das sind 9,9 Prozent der Weltbevölkerung.[3] Als Messwert gilt dabei nicht mehr die Schwelle von 2,15, sondern von 3,00 US-Dollar pro Tag. Laut Angaben des Welthungerindex hat sich der Hunger weltweit seit 2016 – und damit seit dem Beginn der aktuellen Welle der Militarisierung – „kaum verringert“; Konflikte, heißt es, „bleiben der größte Treiber des Hungers“.[4] In der EU waren 2024 nach Daten von Eurostat 93,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht; das waren 21,0 Prozent der Bevölkerung. Für Deutschland nennt Eurostat einen Anteil von 21,1 Prozent der Bevölkerung.[5] Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, lag in der EU sogar bei 21,4, in Deutschland bei 23,5 Prozent.[6] Um die Hochrüstung zu ermöglichen, werden zur Zeit europaweit drastische Kürzungen in den Sozialbudgets und bei den Renten vorbereitet oder bereits umgesetzt. Erst vor wenigen Tagen hat Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt, die Renten auf eine „Basisabsicherung“ zu reduzieren.[7] Nach Protesten hat er behauptet, damit sei keine Rentenkürzung gemeint. Die rüstungsbedingte Zunahme der Armut ist dennoch vorprogrammiert.

 

Mehr zum Thema: Die „europäische Führungsrolle“ der Bundeswehr und Zurück nach Preußen.

 

[1] Angaben hier und im Folgenden: Trends in World Military Expenditure, 2025. SIPRI Fact Sheet. Solna, April 2026.

[2] Die Vergleichbarkeit leidet darunter, dass SIPRI im Fall Chinas Aufwendungen mit auch militärischem Nutzen, die in anderen Haushaltsposten gelistet sind, in das Streitkräftebudget einrechnet; bei westlichen Staaten unterbleibt dies.

[3] End poverty in all its forms everywhere. unstats.un.org.

[4] 20 Jahre Fortschritt im Blick: Zeit für ein neues Bekenntnis zu Zero Hunger. globalhungerindex.org.

[5], [6] Hermine Donceel: EU map: How bad is poverty in the EU? euranetplus-inside.eu 17.10.2025.

[7] Gesetzliche Rente als „Basisabsicherung“: Was das für junge Leute bedeutet. tagesschau.de 26.04.2026.


Anmelden

ex.klusiv

Den Volltext zu diesem Informationsangebot finden Sie auf unseren ex.klusiv-Seiten - für unsere Förderer kostenlos.

Auf den ex.klusiv-Seiten von german-foreign-policy.com befinden sich unser Archiv und sämtliche Texte, die älter als 14 Tage sind. Das Archiv enthält rund 5.000 Artikel sowie Hintergrundberichte, Dokumente, Rezensionen und Interviews. Wir würden uns freuen, Ihnen diese Informationen zur Verfügung stellen zu können - für 7 Euro pro Monat. Das Abonnement ist jederzeit kündbar.

Möchten Sie dieses Angebot nutzen? Dann klicken Sie hier:
Persönliches Förder-Abonnement (ex.klusiv)

Umgehend teilen wir Ihnen ein persönliches Passwort mit, das Ihnen die Nutzung unserer ex.klusiven Seiten garantiert. Vergessen Sie bitte nicht, uns Ihre E-Mail-Adresse mitzuteilen.

Die Redaktion

P.S. Sollten Sie ihre Recherchen auf www.german-foreign-policy.com für eine Organisation oder eine Institution nutzen wollen, finden Sie die entsprechenden Abonnement-Angebote hier:
Förder-Abonnement Institutionen/Organisationen (ex.klusiv)