Mit der Luftwaffe an den Pazifik

Nach der Fregatte Bayern wird 2022 ein Luftwaffengeschwader in die Asien-Pazifik-Region aufbrechen. Besatzung der "Bayern" gedachte in Japan verstorbener Soldaten der NS-Kriegsmarine.

BERLIN/TOKIO | |   Nachrichten | japan

BERLIN/TOKIO (Eigener Bericht) - Nach der Asien-Pazifik-Fahrt der Fregatte Bayern wird im kommenden Jahr ein Dutzend Flugzeuge der deutschen Luftwaffe zu Kriegsübungen nach Australien aufbrechen. Berichten zufolge sollen dort sechs Eurofighter sowie sechs Tank- und Transportflugzeuge der deutschen Luftstreitkräfte im September 2022 an einem multinationalen Manöver teilnehmen. Darüber hinaus ist eine engere Kooperation der Heere Deutschlands und Japans geplant. Die Schritte werden eingeleitet, während die Streitkräfte Japans sowie der Vereinigten Staaten gemeinsam für einen etwaigen Krieg gegen China trainieren und die USA Australien zum Militärstützpunkt in einem etwaigen Waffengang gegen Beijing ausbauen. Japans Verteidigungsminister Nobuo Kishi, der Ende vergangener Woche die Fregatte Bayern in Tokio begrüßte, erklärt, seine Regierung "hoffe", künftig würden noch weitere Staaten Europas im Indischen und im Pazifischen Ozean militärische Aktivitäten entfalten. Besatzungsmitglieder der Fregatte Bayern und der Bundeswehr-Generalinspekteur haben in Japan bei einer Explosion verstorbener Soldaten der NS-Kriegsmarine gedacht.

"Teamarbeit im Seekrieg"

Die Fregatte Bayern, die am vergangenen Freitag in Tokio vor Anker gegangen war, ist am Mittwoch zunächst in den Hafen von Yokosuka am Eingang zur Bucht von Tokio verlegt worden und setzt heute von dort ihre Fahrt fort. Geplant ist eine gemeinsame Übung mit den Seestreitkräften Japans, der USA, Australiens und Kanadas. Mit japanischen Kriegsschiffen hatte die deutsche Fregatte bereits zuvor sogenannte PASSEXs ("Passing Exercises") durchgeführt - zunächst mit dem Zerstörer Yuugiri am 29. August im Golf von Aden, dann am 4. November vor Tokio mit dem Zerstörer Samidare. Hauptziel der PASSEX-Übungen ist es laut NATO, "das höchstmögliche Maß an Koordination und Teamarbeit beim Führen eines Seekriegs gegen einen gemeinsamen Feind zu gewährleisten".[1] Ab Mitte November soll sich die Fregatte in den Gewässern rings um Japan an der Überwachung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea beteiligen, bevor sie im südkoreanischen Busan vor Anker geht. Die Beteiligung an der Überwachung des Nordkorea-Embargos erfolgt - wie die gesamte Fahrt der Fregatte - ohne Mandat des Bundestags: Ein solches ist laut Bundesverteidigungsministerium "für Präsenz- und Ausbildungsfahrten von Kriegsschiffen der Deutschen Marine ... nicht erforderlich".[2]

"Vereinigte Front gegen Beijing"

Wie zu Australien, wo die Fregatte Bayern kürzlich geankert sowie Übungen mit der dortigen Marine durchgeführt hat [3], baut die Bundesregierung auch zu Japan die bilateralen militärischen Beziehungen aus. Am 13. April fanden erstmals sogenannte Zwei-plus-zwei-Gespräche statt; dabei handelt es sich um Zusammenkünfte der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder. Das Format, auf das westliche Mächte zur Gestaltung ihrer Beziehungen zu den Ländern der Asien-Pazifik-Region immer häufiger zurückgreifen - Deutschland führt Zwei-plus-zwei-Gespräche auch mit Australien, Großbritannien und die USA unter anderem mit Australien und Japan -, offenbart, wie die westliche Außenpolitik immer enger in Abhängigkeit von militärischen Erwägungen gerät. Die deutsch-japanischen Zwei-plus-zwei-Gespräche drehten sich laut Berichten vor allem darum, "eine vereinigte Front" zu bilden, um "den territorialen Ambitionen Beijings entgegenzutreten".[4] Schon am 22. März hatten Vertreter beider Länder ein Geheimschutzabkommen unterzeichnet, das laut Auswärtigem Amt "den Austausch von vertraulichen Informationen zwischen Behörden und Unternehmen der Partnerländer" erlaubt; dies ermöglicht eine engere rüstungsindustrielle und militärische Kooperation.[5]

Krieg um Taiwan

Die praktische Militärkooperation mit Japan beginnt sich mit der aktuellen Fahrt der Fregatte Bayern zu konkretisieren. Nach der Rückkehr der Fregatte Anfang kommenden Jahres soll bereits 2023 das nächste deutsche Kriegsschiff in die Asien-Pazifik-Region aufbrechen. Zudem wird zur Zeit über eine intensivere Zusammenarbeit der Heere Deutschlands und Japans diskutiert.[6] Der Ausbau der Kooperation erfolgt, während die Streitkräfte Japans und der Vereinigten Staaten gemeinsam für einen etwaigen Krieg gegen China um Taiwan trainieren. Entsprechende Manöver hätten bereits im Jahr 2020 begonnen und umfassten auch militärische Übungen im Süd- und im Ostchinesischen Meer, hieß es Ende Juni in einem Bericht. Die Kriegsübungen seien zum Teil als Training für Maßnahmen der Katastrophenhilfe getarnt worden: Das sei kein Problem, da etwa Landemanöver für beide Szenarien geprobt werden müssten, wird ein ehemaliger Mitarbeiter des Pentagon zitiert.[7] In diesem Zusammenhang wird aufmerksam registriert, dass der Anfang Oktober aus dem Amt geschiedene japanische Finanzminister Tarō Asō Anfang Juli erklärt hatte, sollte es auf Taiwan zu einem "größeren Problem" kommen, könnten Definitionen greifen, die es Japans Streitkräften seit der Neuinterpretation der Verfassung im Jahr 2015 ermöglichen, an der Seite eines Verbündeten wie der USA in einen Krieg einzutreten.[8] Bei der Äußerung handelt es sich allerdings offenbar noch nicht um die offizielle Regierungsposition.

Pitch Black

Schon vor der Entsendung des nächsten deutschen Kriegsschiffs wird die Luftwaffe militärische Operationen in der Asien-Pazifik-Region proben. Berichten zufolge wird im Sommer 2022 ein Geschwader, das aus sechs Eurofightern, drei Tankflugzeugen Airbus A330 sowie drei Transportflugzeugen A400M besteht, nach Australien fliegen und mit den dortigen Streitkräften trainieren. Gemeinsame Übungen sind zudem mit den Streitkräften Japans und Singapurs geplant.[9] In Australien soll das deutsche Geschwader insbesondere an "Pitch Black" teilnehmen, einem alle zwei Jahre abgehaltenen Manöver, an dem sich bereits seit den 1990er Jahren immer mehr Luftwaffen aus Südostasien, Nordamerika und Westeuropa beteiligen. Bei früheren "Pitch Black"-Übungen waren unter anderem Einheiten aus den USA und Kanada, aus Großbritannien und Frankreich, aus Singapur, Thailand, Malaysia und Indonesien involviert. An "Pitch Black" 2018 nahm zum ersten Mal auch Indiens Luftwaffe teil.[10] Die Kriegsübung, die für den 5. bis 23. September 2022 angekündigt ist, findet gewöhnlich im Norden Australiens statt, etwa in Darwin, dem nördlichsten Militärstützpunkt des Landes, der China und dem Südchinesischen Meer am nächsten liegt. Darwin ist ein Zentrum der rasch zunehmenden US-Militärpräsenz im Land (german-foreign-policy.com berichtete [11]).

Wehrmachtsgedenken

Während des Aufenthalts der Fregatte Bayern in Tokio legten eine Besatzungsdelegation und mehrere deutsche Amtsträger an einer Gedenkstätte einen Kranz zur Erinnerung an 71 deutsche Soldaten und Offiziere nieder. Bei diesen handelt es sich um Besatzungsmitglieder zweier Schiffe der Deutschen Kriegsmarine (Hilfskreuzer Thor, Trossschiff Uckermark), die am 30. November 1942 durch eine Explosion auf der Uckermark in Yokohama ums Leben kamen. Die Uckermark hatte zuvor, als Versorgungsschiff, Panzer- und Schlachtschiffe der Kriegsmarine unterstützt. Die Thor wiederum hatte zahlreiche feindliche, meistens britische, Frachter aufgebracht und sie regelmäßig versenkt. Die "Achsenmächte" Deutschland und Japan führten den Zweiten Weltkrieg Seite an Seite; von Japan brachen unter anderem Blockadebrecher nach Deutschland auf, um kriegswichtige Rohstoffe aus Asien anzuliefern, darunter Kautschuk. An der Kranzniederlegung zum Gedenken an die umgekommenen Soldaten Nazideutschlands nahmen auf deutscher Seite Botschafter Clemens von Goetze, Marineinspekteur Kay-Achim Schönbach sowie Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn teil. Zorn teilte auf Twitter mit, man habe "gemeinsam mit unseren japanischen Freunden & Zeitzeugen" der "Opfer" der Explosion gedacht.

 

[1] Indo-Pacific Deployment: Die "Bayern" übt multinational. bundeswehr.de 08.09.2021.

[2] Fregatte "Bayern" zeigt Flagge im Indo-Pazifik. bmvg.de 29.07.2021.

[3] S. dazu Der AUKUS-Pakt und die Fregatte Bayern.

[4] Julian Ryall: Japan seeks German help to counter China's clout in Indo-Pacific. dw.com 14.04.2021. S. dazu Manöver in Ostasien.

[5] Zeichen des gegenseitigen Vertrauens: Japan und Deutschland unterzeichnen Geheimschutzabkommen. auswaertiges-amt.de 22.03.2021.

[6] Patrick Welter: Okaeri - Willkommen zurück, Bayern. Frankfurter Allgemeine Zeitung 06.11.2021.

[7] Demetri Sevastopulo, Kathrin Hille: US and Japan conduct war games amid rising China-Taiwan tensions. ft.com 30.06.2021.

[8] Mayank Aggarwal: Japan says Chinese invasion of Taiwan could trigger regional war. independent.co.uk 06.07.2021.

[9] Vivienne Machi: As Europe looks to the Indo-Pacific, so does the Luftwaffe. defensenews.com 05.11.2021.

[10] The International Element of Exercise Pitch Black. airforce.gov.au.

[11] S. dazu Der AUKUS-Pakt und die Fregatte Bayern.



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