• Grenzfragen

    BERLIN (Eigener Bericht) Der Deutsche Bundestag soll die Grenze zwischen Deutschland und Polen ,,vorbehaltlos und völkerrechtlich verbindlich"anerkennen. Dies fordert die ,,Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland"in einem Appell zum 8. Mai 2005. Wie der Präsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Christoph Koch, im Interview mit german-foreign-policy.com bestätigt, hat die Bundesrepublik sich im deutsch-polnischen Grenzbestätigungsvertrag vom 14. November 1990 lediglich zum Gewaltverzicht gegenüber dem Nachbarstaat bereit gefunden. Polen habe damals ,,die unwiederbringliche historische Chance"gehabt, die vorbehaltlose Anerkennung seiner Grenzen gemeinsam mit den Siegermächten der Anti-Hitler-Koalition durchzusetzen, erklärt Koch. Bonn habe Unstimmigkeiten zwischen Warszawa und den Alliierten ,,kaltblütig ausgenutzt". ex.klusiv

  • Streit um Jalta

    WARSZAWA/RIGA/BERLIN (Eigener Bericht) In Polen werden die Ergebnisse der Konferenz von Jalta angezweifelt und damit auch die Beschlüsse der Anti-Hitler-Koalition auf Abtretung der Ostgebiete des Deutschen Reiches. Bei ihrem Konferenztreffen in Jalta auf der Krim hatten die Weltkriegssieger 1945 beschlossen, das polnische Territorium nach Westen zu verschieben und die Verluste Warszawas an den östlichen Grenzen mit deutschen Gebieten zu kompensieren. Zugleich verständigten sich die Alliierten in Jalta über europäische Einflusssphären, in deren sowjetischen Bereich u.a. Polen geriet. Jalta sei ,,kein Anfang einer neuen Friedensordnung in Europa, sondern auch der Anfang einer neuen Versklavung in Mittel- und Osteuropa", heißt es unter polnischen Abgeordneten im Europa-Parlament. Scharfe Kritik an der Nachkriegsordnung äußern auch hochrangige Politiker aus den baltischen Staaten. Die Auseinandersetzungen gipfeln in Streitigkeiten über die Teilnahme an den Moskauer Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die für den 9. Mai geplante Reise der Staatsoberhäupter in die russsische Hauptstadt müsse unterbleiben, da sie einer Anerkennnung des angeblichen ,,Unrechts"von Jalta gleichkomme, argumentieren polnische Außenpolitiker. Die Aktivitäten osteuropäischer Jalta-Kritiker kommen Berliner Revisionsbestrebungen zugute, die auf eine völlige Delegitimierung sämtlicher Deutschlandbeschlüsse der USA, der UdSSR und Großbritanniens abzielen (Potsdamer Abkommen). ex.klusiv

  • Ultimatum

    BERLIN/FÜRSTENFELDBRUCK/WARSZAWA (Eigener Bericht) Auf dem Kasernengelände der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck wird der Todesrichter der polnischen Widerstandskämpferin Krystyna Wituska geehrt. Frau Wituska war am 19. April 1943 vom NS- ,,Reichskriegsgericht"wegen ,,Spionage"und ,,Feindbegünstigung"zum Tode verurteilt worden. Mit nur 24 Jahren starb sie unter einem deutschen Fallbeil in Halle an der Saale. Für das ,,Feldurteil"ist u.a. Generalleutnant Ritter von Mann verantwortlich, der dem militärischen Richterkollegium angehörte. Nach ihm ist die ,,Ritter-von-Mann-Straße"benannt, die zum Offiziersheim der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck führt. Eine Beschwerde gegen die Namensgebung hat das Bundesverteidigungsministerium zurückgewiesen. Die militärische Traditionspflege sei ,,erschöpfend"geregelt, heißt es in einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt. Wegen des Traditionsverständnisses in der Bundeswehr erhebt Jakob Knab, Sprecher der ,,Initiative gegen falsche Glorie", schwere Vorwürfe. Das deutsche Militär pflege ,,das Andenken an tapfere und treue Hitler-Offiziere (...), an diejenigen, die bis zum letzten Augenblick für das 'Großdeutsche Reich' Millionen in den Tod schickten", urteilt Knab in einem Interview mit german-foreign-policy.com. Um die Ehre der polnischen Nationalheldin Krystyna Wituska wiederherzustellen, verlangt Knab die umgehende Tilgung des Straßennamens in Fürstenfeldbruck und hat der Bundeswehr ein Ultimatum gestellt. ex.klusiv

  • WARSZAWA/STRASBOURG (Eigener Bericht) Am heutigen Mittwoch will die deutsche Regierung ein ,,Europäisches Netzwerk gegen Vertreibungen"gründen und in ihre europaweiten Aktivitäten vier weitere Staaten einbinden. Die Tschechische Republik bleibt der Gründung fern. Das Berliner ,,Netzwerk"nimmt Planungen revisionistischer deutscher Organisationen auf, die den Umsiedlungsbeschluss der Weltkriegssieger zum ,,Unrecht"erklären. In der französischen Öffentlichkeit, insbesondere im Alsace, wird vor Versuchen gewarnt, das Potsdamer Abkommen zu revidieren. Gegensätzlich kommentiert die Pariser EU-Presse die deutschen Pläne. ,,Le Monde"zeigt sich wohlwollend und kritisiert das ablehnende Votum der französischen Delegation im Europarat. Dort war ein weiteres deutsches ,,Vertreibungs"-Projekt wegen der versuchten Gleichsetzung deutscher ,,Vertriebener"mit den Deportierten der NS-Lager gescheitert. Berlin bemüht sich um schnelle Schadensbegrenzung und bereitet eine diplomatische Demarche im Elysee-Palast vor. Ziel ist die Brechung des französischen Widerstands in der ,,Vertriebenen"-Frage. ex.klusiv

  • BERLIN/PRAHA/PARIS (Eigener Bericht) Die Tschechische Republik und Frankreich widersetzen sich deutschen Regierungsplänen zum Aufbau eines ,,Europäischen Netzwerkes gegen Vertreibungen". Wie ein Sprecher der Berliner Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gegenüber dieser Redaktion bestätigt, wollen am kommenden Mittwoch (2. Februar) Regierungsvertreter der Bundesrepublik und mehrerer mittelosteuropäischer Staaten ein solches Netzwerk ,,aus der Taufe heben". Eine Integration deutscher ,,Vertriebenen"-Verbände, die revanchistischer Absichten verdächtigt werden, ist ausdrücklich ,,erwünscht". Prag, dessen Teilnahme Berlin wegen der Umsiedlung der ,,Sudetendeutschen"befürwortet, hat erklärt, dem Netzwerk fernzubleiben. Französische Delegierte erheben zugleich schwere Vorwürfe gegen ein gleichgerichtetes Projekt, das deutsche Initiatoren über den Europarat lancieren wollen: Es diene ,,nicht der Versöhnung zwischen den früheren Feindstaaten". ex.klusiv

  • STUTTGART/OPOLE Das vom Auswärtigen Amt finanzierte ,,Institut für Auslandsbeziehungen"(ifa/Stuttgart-Berlin) assistiert osteuropäischen Germanisierungs-Aktivisten. Das ,,ifa", eine ,,Mittlerorganisation"der deutschen Außenpolitik, ist u.a. in Polen tätig, wo ,,ifa-Assistenten" beim ,,Schlesischen Wochenblatt"Medienarbeit betreiben. Die Zeitung leitet polnische Interessenten beim Erwerb eines deutschen Passes an, der die ausländischen Staatsbürger deutscher Hoheit unterstellt. Die nach blutlichen Abstammungsmerkmalen organisierte Eindeutschung stützt sich u.a. auf die ,,Deutsche Volksliste". Urheber der ,,Volksliste"war der ,,Reichsführer SS und Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums", Heinrich Himmler. Das ,,Schlesische Wochenblatt"ist nach eigener Aussage ,,die auflagestärkste Zeitung in Polen, die sich überwiegend an deutschstämmige Personen richtet". ex.klusiv

  • RACIBORZ/OPOLE Deutsche Studentenverbindungen dehnen ihre Organisationsstrukturen auf deutschsprachige Minderheiten in Osteuropa aus. Der "Verein Deutscher Hochschüler in Polen" (VDH), der 1999 in Raciborz unter tatkräftiger Mitwirkung deutscher Staatsbürger wiedergegründet worden war, hat Ende Mai seine zweite Ortsgruppe in Opole eröffnet. Die Organisation bezieht sich ausdrücklich auf die Tradition des 1922 im damaligen Lwow gegründeten VDH, den die polnischen Behörden im Juni 1939 wegen seiner völkischen Subversion verboten hatten. ex.klusiv

  • LEIPZIG Die deutsche Wissenschaftsförderung widmet der Kaukasus-Region verstärkt ihr Interesse und ihre finanziellen Mittel. Der ,,Südosteuropa-Experte"Stefan Troebst, der die ,,Wiederkehr des Raumes"als wissenschaftliche Kategorie konstatiert, plädiert daher für einen erweiterten Südosteuropabegriff, der den Kaukasus mit einschließt. Troebst, der sich für die Einbeziehung ,,ethnohistorischer Spezifika"ausspricht, erwartetet ,,Nutzeffekte der angestellten Kaukasus-Balkan-Vergleiche"insbesondere in Bezug auf die ,,Dynamics of (De)Stabilisation". ex.klusiv

  • Ideologie und Praxis im 20. Jahrhundert Leipzig: Akadamische Verlagsanstalt, 2001 ISBN: 3-931982-23-8 24.50 EUR ex.klusiv