Die Öffnung der Straße von Hormuz
Ein erstes deutsches Kriegsschiff bricht ins Mittelmeer auf, um sich für einen Einsatz in der Straße von Hormuz bereitzuhalten. Unterdessen lösen die USA mit einem Versuch, die Blockade des Seeweges zu brechen, neue Kampfhandlungen aus.
BERLIN/TEHERAN/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Ein erstes Schiff der deutschen Marine ist ins Mittelmeer aufgebrochen und soll sich dort für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormuz bereithalten. Das Minenjagdboot Fulda verließ am gestrigen Montag den Marinehafen in Kiel; sollte es zu einem verlässlichen Ende des Iran-Kriegs kommen, dann kann es in kürzester Zeit in der Meerenge am Eingang zum Persischen Golf eingesetzt werden, um dort womöglich von Iran gelegte Minen zu entfernen. Das soll im Rahmen eines von Frankreich und Großbritannien geführten Einsatzes geschehen, der von beiden Staaten seit Mitte März vorbereitet wird, zuletzt mit einer politischen Konferenz am 17. April in Paris, anschließend mit einer Konferenz von Militärplanern am 22./23. April in London. Das Bundesverteidigungsministerium zieht außerdem den Tender Mosel aus dem Einsatz der NATO zur Flüchtlingsabwehr in der Ägäis ab, um ihn der Fulda jetzt als Versorgungsschiff zur Seite zu stellen. Unterdessen führt ein Versuch der Trump-Administration, die Straße von Hormuz mit militärischen Mitteln für Handelsschiffe zu öffnen, wie weithin erwartet zu einem Wiederaufflackern der Kampfhandlungen am Persischen Golf.
Unter französisch-britischer Führung
Die aktuellen Planungen für einen Militäreinsatz in der Straße von Hormuz sind seit Mitte März führend von Frankreich und Großbritannien vorangetrieben worden.[1] Ziel ist es, nach einem dauerhaften und verlässlichen Ende der Kampfhandlungen den Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder in Gang zu bringen. Dazu sollen einerseits Minen beseitigt werden, von denen angenommen wird, dass Iran sie in einem Teil des Seeweges platziert hat. Andererseits sollen Kriegsschiffe Tanker und Containerschiffe durch die Straße von Hormuz begleiten. Dies gilt als hilfreich, um dort die Sicherheit zu gewährleisten, um den Crews wie auch den Reedern den Rücken zu stärken und um Schiffsversicherer zu einer Senkung ihrer Policen zu veranlassen. Zuletzt fanden in Paris und London zwei internationale Koordinierungstreffen statt. Am 17. April trafen in Paris Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zusammen, um die Pläne gemeinsam mit online zugeschalteten Vertretern von rund vier Dutzend weiteren Staaten zu besprechen. Am 22./23. April folgte ein Treffen in London, auf dem Militärplaner aus mehr als 40 Ländern in Betracht gezogene Operationen im Detail diskutierten.[2] Die Gespräche seien erfolgreich gewesen, hieß es.
Zur Beteiligung bereit
Für Deutschland, das sich zunächst von den Planungen demonstrativ ferngehalten hatte (german-foreign-policy.com berichtete [3]), hat Bundeskanzler Merz am 17. April offiziell eine Beteiligung an einem etwaigen Einsatz zugesagt. Merz erklärte, Berlin unterstütze nicht nur „die laufenden Bemühungen um eine schnelle diplomatische Verständigung“ zwischen den USA und Iran.[4] Man sei durchaus auch „bereit, einen deutschen Beitrag zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus zu leisten“ – dies aber erst, wie es die französisch-britischen Planungen vorsehen, „nach Ende der Kampfhandlungen“. Merz hob zusätzlich hervor, dazu sei „eine sichere Rechtsgrundlage“ erforderlich, „etwa in Form einer Resolution des Sicherheitsrats“ der Vereinten Nationen. Notwendig sei außerdem „ein tragfähiges militärisches Konzept“. Im Unterschied insbesondere zu Frankreich beharrte der Bundeskanzler darauf, er halte die Einbindung der USA – also einer der Kriegsparteien – in den Einsatz für „wünschenswert“. Konkret stellte Merz eine Mitwirkung der deutschen Marine „in der Minenräumung“ sowie „in der Seeaufklärung“ in Aussicht. Minenräumen ist einer der Einsatzbereiche, in denen die deutsche Marine über auch international gesuchte Fähigkeiten verfügt.
Erste konkrete Schritte
Das Bundesverteidigungsministerium hat inzwischen erste konkrete Schritte eingeleitet. Am gestrigen Montag hat das Minenjagdboot Fulda den Marinehafen in Kiel verlassen und ist ins Mittelmeer aufgebrochen. Dort soll es – noch in sicherer Entfernung zum Kriegsschauplatz am Persischen Golf – bereitgehalten werden, um im Falle eines verlässlichen Kriegsendes so rasch wie möglich an der Straße von Hormuz eintreffen zu können. Die Fulda verfügt über spezielle Technologie, um Minen auffinden und unschädlich machen zu können, darunter die Unterwasserdrohne SeaCat, die laut Angaben der Marine „mit hochmodernen Sonargeräten zur Detektion und Identifikation von Unterwasserkontakten“ ausgestattet ist.[5] Unter den 40 Marinesoldaten, die mit der Fulda ins Mittelmeer aufgebrochen sind, befinden sich mehrere spezialisierte Minentaucher, die ebenfalls jederzeit zum Einsatz kommen können.[6] Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, wird außerdem schon in wenigen Tagen der Tender Mosel, der aktuell im Rahmen der NATO-Flüchtlingsabwehr in der Ägäis eingesetzt ist, sich aus diesem Einsatz entfernen und sich bereithalten, um als Begleitschiff der Fulda bei Bedarf zur Straße von Hormuz aufbrechen zu können.[7] Die Mosel kann als Versorgungsschiff für die Bereitstellung etwa von Proviant, Kraftstoffen oder Munition eingesetzt werden.
„Die Straße bleibt geschlossen“
Während am gestrigen Montag das Minenjagdboot Fulda mit Kurs auf das Mittelmeer Kiel verließ, hat ein Versuch der Trump-Administration, die Straße von Hormuz mit militärischen Mitteln für Handelsschiffe zu öffnen, wie zu erwarten zu einem Wiederaufflackern der Kampfhandlungen am Persischen Golf geführt. US-Präsident Donald Trump hatte behauptet, die Vereinigten Staaten würden ab Montag Handelsschiffe durch die Straße von Hormuz „leiten“. Details blieben weitgehend unklar. Iran kündigte an, Durchfahrten von Schiffen, die nicht mit Teheran abgestimmt seien, zu unterbinden. Aus der Schifffahrtsbranche war ganz überwiegend zu hören, man sei nicht bereit, das Leben der Besatzungen aufs Spiel zu setzen, und werde daher an dem Trump’schen Vorstoß nicht teilnehmen. So erklärte die Reederei Hapag-Lloyd, für ihre Schiffe bleibe die Straße von Hormuz „geschlossen“. Ein Sprecher der International Chamber of Shipping stellte fest, brauchbare Pläne müssten „auf koordinierte und transparente Weise“ umgesetzt werden; dies sei bei der US-Maßnahme nicht gegeben.[8] Beim Baltic and International Maritime Council hieß es, eine sichere Durchfahrt sei nur möglich, sofern dazu Absprachen mit Iran getroffen würden. Lediglich die dänische Reederei Maersk war bereit, eines ihrer Schiffe unter US-Flagge durch die Meerenge geleiten zu lassen.
Erneuter Beschuss
Iran reagierte mit dem Beschuss der Handelsschiffe und vor allem der Kriegsschiffe, die sie begleiteten. Diverse Drohnen und Raketen konnten abgewehrt werden. Getroffen wurden ein Tankschiff des staatlichen Ölkonzerns Adnoc aus Abu Dhabi sowie eine Ölanlage im Hafen von Fujairah – zwei emiratische Ziele also. Unklar ist, ob das Tankschiff ebenfalls versuchte, die Straße von Hormuz zu durchqueren. Klar ist allerdings, dass die Vereinigten Arabischen Emirate begonnen haben, nicht mehr auf ein gemeinsames Vorgehen mit den anderen Staaten der Arabischen Halbinsel zu orientieren, sondern stattdessen immer intensiver mit den USA und Israel zu kooperieren. Das hat Konsequenzen auch für Deutschland; german-foreign-policy.com berichtet in Kürze. Davon unabhängig erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag, der einzige Ausweg bestehe darin, dass die Trump-Administration ihre Blockade der iranischen Häfen beende und sich mit Teheran über die schnelle Öffnung der Straße von Hormuz abstimme: „Wir wünschen uns“, bekräftigte Macron, „eine abgestimmte Wiederöffnung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten.“[9] Dazu ist Washington aktuell aber offenkundig noch nicht bereit.
[1] S. dazu Marinepläne für Mittelost.
[2] George Lithgow: UK hosts positive talks on Strait of Hormuz mission: ‘Millions are looking to our leaders, we can’t let them down’. independent.co.uk 23.04.2026.
[3] S. dazu Marinepläne für Mittelost.
[4] Für Stabilität im Nahen Osten. bundesregierung.de 17.04.2026.
[5] Christina Moritz: In Warteposition für gefährliche Mission: Das Minenjagdboot „Fulda“. bundeswehr.de 04.05.2026.
[6] Jennifer Bruhn: Von Kiel in die Straße von Hormus? Minenjagdboot hat Hafen verlassen. ndr.de 04.05.2026.
[7] Frank Specht: Marine zieht für Hormus Schiff aus Nato-Mission ab. handelsblatt.com 04.05.2026.
[8] Peter Eavis, Gregory Schmidt: Shipping firms are left guessing by confusion in the Strait of Hormuz. nytimes.com 04.05.2026.
[9] Friederike Böge, Michaela Wiegel: Militärische Machtprobe. Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.05.2026.
