Der Hooligan im State Department

AfD-Politiker knüpfen auf Konferenz in Washington Kontakte ins Repräsentantenhaus. US-Außenministerium baut seine Netzwerke in Europas extreme Rechte aus, auch zur AfD, und empfängt ultrarechten britischen Hooligan zu Gesprächen.

WASHINGTON/BERLIN (Eigener Bericht) – Politiker der AfD und weiterer ultrarechter Parteien aus Europa bauen auf einer aktuellen Konferenz in Washington ihre Netzwerke in das US-Repräsentantenhaus aus. Die Konferenz unter dem Motto „Alliance of Sovereign Nations“, die als „eine Art Anti-Davos“ angekündigt wurde, ist von der Republikaner-Abgeordneten Anna Paulina Luna initiiert worden, die seit Herbst 2025 enge Beziehungen zur AfD knüpft. Zudem unterstützt Luna den Versuch einer AfD-nahen deutschen Aktivistin, die sich als Opfer staatlicher Verfolgung in Deutschland inszeniert, politisches Asyl in den USA zu erlangen. Parallel agitiert eine Unterstaatssekretärin aus dem US-Außenministerium gegen die angebliche Aushebelung der Meinungsfreiheit für Rechte in Europa. Sarah Rogers zielt damit nicht zuletzt auf den Digital Services Act (DSA) der EU, der US-Internetoligarchen wie Elon Musk ein Dorn im Auge ist. Rogers hat gleichfalls Kontakt zu AfD-Politikern aufgenommen. Berichten zufolge soll sie Mittel des US-Außenministeriums an Trump nahestehende Organisationen in Europa verteilen. Das Ministerium hat kürzlich eine vielfach vorbestrafte Galionsfigur des ultrarechten britischen Hooliganmilieus zu Gesprächen empfangen.

Rechtsaußentreffen in Washington

Die Konferenz unter dem Motto „Alliance of Sovereign Nations“, die am Mittwoch in der US-Hauptstadt begonnen hat und an diesem Freitag zu Ende geht, wird von Turning Point Action abgehalten. Dabei handelt es sich um einen Ableger der ultrarechten Jugendorganisation Turning Point USA, die von dem am 10. September 2025 ermordeten Rechtsaußen-Aktivisten Charlie Kirk gegründet wurde. Stargast ist der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Angekündigt sind außerdem mehrere weitere republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie Politiker aus Lateinamerika und aus Europa. Neben einem Abgeordneten des Partido Nacional de Honduras, dem der Trump-nahe Präsident des Landes, Nasry Asfura, angehört, sind gleich mehrere Vertreter ultrarechter Parteien aus der EU angereist, darunter die Europaabgeordneten Petra Steger (FPÖ) und Barbara Bonte (Vlaams Belang) sowie der Präsident der extrem rechten Allianz für die Vereinigung der Rumänen (AUR, Alianța pentru Unirea Românilor), George Simion. Simion hatte in der zweiten Runde der rumänischen Präsidentenwahl am 18. Mai 2025 gut 46,4 Prozent der Stimmen erzielt. Seine Partei AUR liegt in Umfragen seit Monaten mit Werten von rund 37 Prozent mit großem Abstand auf dem ersten Platz.

Politisches Asyl in den USA

Initiiert worden ist die Washingtoner Konferenz Berichten zufolge von Anna Paulina Luna, einer Abgeordneten des Repräsentantenhauses, die sich in den vergangenen Monaten häufiger mit AfD-Politikern getroffen hat. Luna erklärt, die AfD arbeite „tatsächlich daran …, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu stärken“ sowie „ein gesundes Verhältnis zwischen unseren Regierungen wiederherzustellen“.[1] Im letzten Quartal 2025 empfing sie in Washington die AfD-Bundestagsabgeordneten Anna Rathert, Markus Frohnmaier und Kay Gottschalk sowie die seit 2024 in den USA lebende deutsche Aktivistin Naomi Seibt. Seibt steht der AfD nahe und behauptet, sie werde wegen ihrer Meinungen in Deutschland politisch verfolgt. Sie hat daher im Herbst vergangenen Jahres in den USA Asyl beantragt. Hintergrund sind Überlegungen in der Trump-Administration, das bisherige Asylrecht weitgehend abzuschaffen und es durch ein Regelwerk zu ersetzen, das vor allem Menschen mit weißer Hautfarbe Zuflucht gewährt, die etwa in Europa aufgrund rassistischer Äußerungen kritisiert werden.[2] Luna hat berichtet, sie unterstütze Seibts Antrag und sei überzeugt, ihm werde stattgegeben: Seibt „verdient … politisches Asyl in den USA“.[3]

Gespräche im Außenministerium

Luna trifft auf der Washingtoner Konferenz unter anderem auf Markus Frohnmaier, den außenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, der bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg an diesem Sonntag als AfD-Spitzenkandidat antritt. Frohnmaier, einst für seine engen Kontakte nach Russland bekannt, ist im Herbst vergangenen Jahres mehrfach in die US-Hauptstadt gereist und hat dort jeweils auch Gespräche im Außenministerium geführt.[4] Derzeit kann er als einer der wichtigsten Repräsentanten des Pro-Trump-Flügels in der AfD gelten. So hat er schon in den innerparteilichen Auseinandersetzungen um die Verschleppung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro das US-Vorgehen gerechtfertigt.[5] Aktuell verteidigt er den Überfall Israels und der USA auf Iran sogar gegen die AfD-Spitze, die Kritik an ihm übt. Frohnmaier meint, „die Trump-Administration“ habe „mit chirurgischer Präzision und klarer Zielorientierung gehandelt“ und sei „unser wichtigster Partner“ in der Region.[6] Gleichfalls zu der heute zu Ende gehenden Washingtoner Konferenz anreisen wollte die AfD-Bundestagsabgeordnete Anna Rathert, die dem ultrarechten Parteiflügel um Björn Höcke nahesteht. Rathert wurde zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen und traf dort Mitarbeiter des US-Außenministeriums. Sie erklärte, sie habe mit ihnen „sehr konstruktive“, „sehr erfreuliche … Gespräche geführt“.[7]

Meinungsfreiheit für Rassisten

Stabiler Bestandteil der sich festigenden transatlantischen Rechtsaußen-Netzwerke ist neben Luna, Frohnmaier und Rathert auch Sarah Rogers, die seit Oktober als Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium mit Zuständigkeit für „öffentliche Diplomatie“ tätig ist. Rogers hat bereits zwei Reisen nach Europa unternommen. Die erste führte sie im Dezember nach Großbritannien, Frankreich und Italien, die zweite im Februar nach Irland, Ungarn, Polen und Deutschland, wo sie an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnahm. In Italien und Ungarn, wo ultrarechte Parteien an der Macht sind, konferierte sie mit Regierungsstellen und mit regierungsnahen Organisationen. In Großbritannien traf sie unter anderem mit Politikern der ultrarechten Partei Reform UK von Nigel Farage zusammen, in Polen mit Agnieszka Jędrzak, einer Mitarbeiterin in der Präsidentenkanzlei von Staatspräsident Karol Nawrocki. Rogers agitiert gegen tatsächliches oder auch nur angebliches Vorgehen in Europa gegen rassistische Hetze, das sie als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit anprangert. Dabei zielt sie nicht zuletzt auf den Digital Services Act (DSA), der US-Internetoligarchen wie Elon Musk in Dorn im Auge ist. Berichten zufolge will das US-Außenministerium über Rogers Gelder nach Europa schleusen, die dort Trump-nahe Organisationen finanzieren sollen – unter anderem in Paris, Brüssel und Berlin.[8] Die Trump-Administration streitet dies ab.

Zu rechts für Ultrarechte

Ob Rogers, die im Januar Flüchtlinge in Deutschland „barbarische, vergewaltigende Horden“ nannte [9], mittlerweile auch mit Tommy Robinson zusammengetroffen ist, ist nicht bekannt. Robinson – Klarname: Stephen Yaxley-Lennon – entstammt dem gewaltbereiten Hooliganmilieu, aus dem heraus er 2009 mit der English Defence League (EDL) eine extrem rechte Partei gründete. Diese ist längst inaktiv; Robinson aber agitiert weiterhin und konnte im vergangenen Jahr die mit rund 150.000 Teilnehmern mutmaßlich größte extrem rechte Demonstration der britischen Geschichte organisieren. Er ist vielfach vorbestraft, etwa wegen Körperverletzung, Benutzung eines gefälschten Reisepasses, Hypothekenbetrug und allerlei weiterer Vergehen. Selbst die ultrarechte Partei Reform UK lehnt die Zusammenarbeit mit ihm ab. Bereits Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Elon Musk Prozesskosten für ihn übernommen hat. Ende Februar wurde Robinson nun sogar zu Gesprächen im US-Außenministerium empfangen. Der Inhalt der Gespräche und die Liste seiner Gesprächspartner sind nicht bekannt.[10]

 

[1] Stefanie Bolzen: „In Deutschland läuft derzeit vieles schief“ – Wie sich die internationale Rechte formiert. welt.de 03.03.2026.

[2] Zolan Kanno-Youngs, Hamed Aleaziz: Trump Considers Overhaul of Refugee System That Would Favor White People. nytimes.com 15.10.2025.

[3] Stefanie Bolzen: „Leider ist das deutsche Volk seit langer Zeit so programmiert“. welt.de 16.11.2025.

[4] Sonja Álvarez: Wie Donald Trumps Nachwuchskader die AfD an der Wall Street feiern. wiwo.de 15.12.2025.

[5] S. dazu Die Partei der neuen Ordnung.

[6] Markus Frohnmaier: Nach Teheran-Schlag braucht es eine realistische Politik im deutschen Interesse.

[7] AfD-Abgeordnete trifft Mitarbeiter Rubios – Treffen in Washington geplant. web.de 15.02.2026.

[8] Anna Gross, Lucy Fisher, David Sheppard, Amy Mackinnon: US government to fund Maga-aligned think-tanks and charities in Europe. ft.com 05.02.2026. Karl Mathiesen, Marion Solletty, Tim Ross, Mari Eccles, Nette Nöstlinger: The MAGA-friendly European think tanks Trump wants to fund. politico.eu 13.02.2026.

[9] Wie Trump die AfD hofiert. t-online.de 05.03.2026.

[10] Nadeem Badshah: Trump administration meets with UK far-right activist Tommy Robinson. theguardian.com 25.02.2026.


Se connecter