Kriegsübungen in Grönland (III)

Im Einflusskampf um Grönland sagt die EU Nuuk neue Fördermittel für Rohstoffprojekte zu. Die NATO weitet mit deutscher Beteiligung ihre Kriegsübungen auf der Insel aus.

BRÜSSEL/NUUK (Eigener Bericht) – Die EU festigt im Einflusskampf mit den USA ihre Stellung auf Grönland; mehrere NATO-Staaten Europas, darunter Deutschland, haben erneut ein Manöver auf der Insel gestartet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hielt sich am Sonntag und am Montag in Nuuk auf, um dort die Vergabe von 200 Millionen Euro vor allem für Rohstoff- und Infrastrukturprojekte anzukündigen. Der Bau neuer Infrastruktur ist erforderlich, um Grönlands Rohstoffe abtransportieren zu können. Zugleich hat am Montag ein NATO-Manöver begonnen, bei dem elf europäische NATO-Staaten ganz ohne jede Beteiligung von US-Streitkräften Operationen auf grönländischem Territorium proben. Die Bundeswehr beteiligt sich mit Militärbeobachtern und mit logistischer Unterstützung. Hintergrund der europäischen Einflussmaßnahmen, zu denen auch die Unterzeichnung einer neuen Partnerschaftsvereinbarung der EU mit Grönland zählt, sind die völlig ungebrochenen Bestrebungen der Trump-Administration, Grönland zu annektieren. Während Trump erneut Landkarten publiziert, auf denen die Insel den USA zugeschlagen wird, transportiert eine US-Ölfirma bereits ohne Genehmigung durch Nuuk Bohrausrüstung nach Grönland.

Neue Annexionsdrohungen

Die Trump-Administration hat ihren Druck auf Grönland auch nach dem Eklat um ihre Annexionsdrohungen im Januar [1] im Lauf des Jahres weiter zu verstärken versucht. Mitte Februar kündigte Präsident Donald Trump an, er wolle ein Lazarettschiff nach Grönland entsenden, um den angeblich schlecht versorgten Einwohnern der riesigen Insel beizustehen. Grönlands Regierung verbat sich das. Die Gesundheitsversorgung dort ist gut und wird staatlich finanziert; bei einer US-Annexion würde sie sich erheblich verschlechtern. Im Mai postete Trump nach Protesten von Einwohnern gegen die Eröffnung eines neuen US-Konsulats in Nuuk ein Bild, auf dem er als übergroße Figur zu sehen ist, die nach einem grönländischen Ort greift.[2] Weitere Posts folgten. Zuletzt verbreitete Trump am Montag auf Truth Social eine Landkarte, die ganz Mittel- und Nordamerika, die Karibik und Grönland dem Territorium der Vereinigten Staaten zuschlägt.[3] Bereits im Juli hatte er in einer Radioshow bekräftigt, man könne darauf „wetten“, Grönland werde noch vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit unter US-Kontrolle stehen.[4] Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen wurde damals mit dem Bericht zitiert, Kinder auf der Insel hätten mittlerweile Angst vor US-Amerikanern.

Zugriff auf Grönlands Öl

Die US-Übergriffe gehen mittlerweile von Drohungen zu realen Handlungen über. Im März wurde bekannt, dass das kurz zuvor gegründete US-Unternehmen Greenland Energy von einer britischen Firma namens 80 Mile deren Rechte zum Bohren nach Öl in Nunap Qeqqa (Jameson Land) an Grönlands Ostküste erworben hat. Diese Rechte stammen noch aus der Zeit vor einem allgemeinen Stopp der Vergabe von Bohrlizenzen in Grönland im Jahr 2021. Im Juli brachte Greenland Energy Dutzende Container mit Bohrausrüstung nach Nunap Qeqqa und kündigte an, im Oktober die Bohrungen aufnehmen zu wollen. Nichts davon war – abgesehen von der vor vielen Jahren erteilten prinzipiellen Bohrlizenz – von Grönlands Regierung gestattet worden; das Verbringen von Bohrausrüstung und alle weiteren Schritte müssen unabhängig von der allgemeinen Lizenz im Detail genehmigt werden. Mittlerweile hat Greenland Energy nach Protesten aus Nuuk angekündigt, die Bohrung nicht ohne die erforderlichen Genehmigungen starten zu wollen.[5] Das Unternehmen verfügt über gute Beziehungen zur Trump-Administration [6] und kann auf deren Unterstützung bauen. Der US-Sondergesandte für Grönland, Jeff Landry, hatte schon im Mai geäußert, die Insel könne „zwei Millionen Barrel Öl pro Tag exportieren“: „Wir brauchen einen Deal.“

US-Militärbasen

Unterdessen dauern die Verhandlungen zwischen Grönland, Dänemark und den Vereinigten Staaten über die Zukunft der Insel an. Die Annexion der Insel wird nach Umfragen von einer überwältigenden Mehrheit der grönländischen Bevölkerung abgelehnt. Berichten zufolge drehen sich die Verhandlungen insbesondere um die Errichtung neuer US-Militärstützpunkte in Grönland, wo die US-Streitkräfte gegenwärtig nur mit der Pituffik Air Base präsent sind. Im Gespräch ist demnach, ehemalige US-Militärbasen wieder in Betrieb zu nehmen. Dies sei erheblich billiger, als komplett neue Basen zu bauen, heißt es. Genannt wird unter anderem der einstige US-Stützpunkt bei Narsarsuaq im Süden Grönlands, den die US-Streitkräfte bereits im Jahr 1958 aufgaben.[7] Dabei ließen sie allerdings, wie berichtet wird, gewaltige Mengen an Müll zurück, die sich dort bis heute befinden und die Umwelt belasten. Es heißt, „Hunderte rostige Ölfässer“ lägen „direkt an der Küste“ herum, „dazu zerbrochene Asbestplatten, Autobatterien“ und weiterer Unrat, „alles meterhoch aufgetürmt, verteilt über wohl mehrere Hektar, direkt an einem hellgrünen Schmelzwasserfluss, der hier ins Meer fließt“: Das Ganze sei „eine tickende Zeitbombe.“[8]

Rohstoffe und Infrastruktur

Im Einflusskampf um Grönland erhöht nun auch die EU ihren Einsatz. Die Kommission plant, wie berichtet wird, die Mittel für die Insel von 225 Millionen Euro im gegenwärtigen Siebenjahreshaushalt auf 530 Millionen Euro für die Jahre von 2028 bis 2034 zu erhöhen.[9] Darüber hinaus hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu Wochenbeginn bei einem Besuch in Nuuk mitgeteilt, Brüssel stelle ab sofort weitere 200 Millionen Euro bereit, um Projekte zum Rohstoffabbau wie auch zum Bau von Infrastruktur zu unterstützen.[10] Grönlands Mangel an Infrastruktur gilt als Schwachpunkt nicht zuletzt beim Abtransport der Bodenschätze des Landes. Von der EU gefördert werden sollen in einem ersten Schritt der Abbau von Molybdän im Osten Grönlands, den eine kanadische Firma vorantreibt, sowie der Abbau von Graphit im Süden des Landes, den ein britisches Unternehmen initiiert hat. Zu hören ist, die Weiterverarbeitung der Rohstoffe werde in Europa realisiert. Darüber hinaus ist bei von der Leyens Besuch eine neue Partnerschaftsvereinbarung zwischen Grönland und der EU unterzeichnet worden. Die Insel ist ein autonomer Teil Dänemarks, gehört aber der EU nicht an. Die Partnerschaftsvereinbarung wird als Gegenmodell zu den Trump’schen Annexionsforderungen inszeniert.

NATO-Manöver

Gleichzeitig orientieren die EU und ihre Mitgliedstaaten zunehmend auf eine eigene militärische Präsenz in und um Grönland – im Machtkampf gegen Russland. Dänemark hat die Aktivitäten seiner Streitkräfte auf der Insel erhöht und im August zudem erstmals rund hundert Wehrpflichtige für einen Monat dorthin entsandt. Die dänische Wehrpflicht wurde kürzlich von vier auf elf Monate erhöht; sie gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Die Wehrpflichtigen sollten sich an das raue arktische Klima gewöhnen, hieß es zur Begründung ihrer Entsendung.[11] Auch die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr begonnen, Grönland stärker in den Blick zu nehmen sowie punktuell Kriegsschiffe dorthin zu entsenden (german-foreign-policy.com berichtete [12]). Die NATO hat am Montag mit rund 400 Soldaten das Manöver Arctic Shield gestartet, das im Süden und im Westen Grönlands stattfindet. An ihm beteiligen sich Militärs aus elf Bündnisstaaten, darunter Kanada, aber nicht die USA. Die Bundeswehr entsendet Militärbeobachter und leistet logistische Unterstützung.[13] Arctic Shield ist Teil der im Februar gestarteten NATO-Mission Arctic Sentry, mit der die NATO in Zukunft auch in Grönland stärkere Präsenz entfalten will. Russlands Außenminister Sergej Lawrow stuft Arctic Sentry als „unmittelbare Bedrohung von Russlands Sicherheit“ ein und warnt, „die Risiken“ wüchsen, dass ungeplante „Vorfälle einen bewaffneten Konflikt auslösen“ – „mit womöglich katastrophalen Folgen“.[14]

 

[1] S. dazu Kriegsübungen in Grönland (II).

[2] Elías Thorsson: ‘Hello, Greenland!’: Trump posts looming meme as protests greet new US consulate. arctictoday.com 23.05.2026.

[3] Alicia Curry: Iceland summons US ambassador over Trump’s stars and stripes map. bbc.com 08.09.2026.

[4] Elías Thorsson: Trump says you can ‘bet’ Greenland will be under US control. arctictoday.com 03.08.2026.

[5] Tiago Ventura: Why the Movements of a U.S. Oil Company in Greenland Have Attacted Attention. time.com 15.08.2026.

[6] Tom Burgis: Licensed to drill? How a Trump-linked Texas oil company is elbowing its way into Greenland. theguardian.com 09.07.2026.

[7] Daniel Bush: US in closely guarded talks to open new bases in Greenland. bbc.com 12.05.2026.

[8] Jan Petter, Sara Wess: Radioaktives Wasser, Asbest, rostige Ölfässer – das giftige Erbe der USA auf Grönland. spiegel.de 01.07.2026.

[9] EU sichert Grönland 200 Millionen Euro zu. Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.09.2026.

[10] Thomas Gutschker: Europas Tor zur Arktis. Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.09.2026.

[11] Magnus Lund Nielsen: Denmark deploys first conscripts to Greenland. euractiv.com 20.08.2026.

[12] S. dazu Kriegsübungen in Grönland.

[13] Astri Edvardsen: Arctic Shield: 400 Soldiers From 11 NATO Nations to Exercise Defending Greenland. en.highnorthnews.com 02.09.2026.

[14] NATO’s arctic activity poses ’direct threat’ to Russia, Lavrov warns. france24.com 31.08.2026.


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