John J. Mearsheimer: The Tragedy of Great Power Politics

Verlag W.W. Norton, 2001 ISBN: 0393020258 22.00 £

Mearsheimer, Professor für Politikwissenschaft und Experte für internationale Sicherheitspolitik an der University of Chicago, beschäftigt sich mit der Geschichte der Rivalitäten der großen Staaten, die von einem unersättlichem Hunger nach Macht getrieben seien. Die Ursache sieht er nicht im aggressiven Charakter der Staaten selbst, sondern in der Struktur des internationalen Systems, das alle Staaten zu aggressivem Verhalten zwinge: ,,The great powers seek to maximize their share of world power´´, weil ,,having dominant power is the best means to ensure one's own survival.´´Die militärische Macht entscheide darüber, wer in den immer wiederkehrenden Kriegen siegt. Die politische und wirtschaftliche Macht bestimme darüber, welche Maßnahmen (Aufrüstung, Bildung von Allianzen) Staaten ergreifen können, um nicht zu unterliegen.

Für Europa erwartet Mearsheimer entgegen dem Bild des ,,zusammenwachsenden Europa´´eine Rückkehr der alten Großmachtrivalitäten. Eine russische Hegemonie sei nicht mehr zu befürchten, die USA würden sich mittelfristig aus Europa zurückziehen. Deutschland versuche, eine hegemoniale Rolle in Europa zu erreichen, verfüge aber nicht über ausreichende reale militärische Macht. Das deutsche Vormachtstreben werde in Europa auf wachsenden Widerstand stoßen, prognostiziert der Autor; eine Folge sei die von innereuropäischen Kriegsdrohungen begleitete militärische Aufrüstung Deutschlands, die auch den Bau von deutschen Atomwaffen beinhalte.