MOSKAU/BERLIN | |   Nachrichten | russische-foederation

MOSKAU/BERLIN (Eigener Bericht) - Die führende Zeitschrift der Berliner Außenpolitik dringt auf stärkere deutsche Einflussaktivitäten gegenüber Russland. Wie es in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes "Internationale Politik" heißt, gebe es zur Zeit gute Möglichkeiten, gegenüber Moskau Druck auszuüben. Das beziehe sich nicht zuletzt auf die Erdgasbranche. Während immer noch die Meinung vorherrsche, Deutschland und die EU seien von russischem Erdgas abhängig, verhalte es sich zugleich auch umgekehrt: Russland, dessen Staatshaushalt zu fast der Hälfte über den Verkauf von Energierohstoffen gedeckt werde, gerate wegen des aktuellen Flüssig- und Schiefergas-Booms in Absatzschwierigkeiten; Berlin könne deshalb "mit einem weit größeren Selbstbewusstsein gegenüber Russland auftreten". Auch biete die neue russische Mittelklasse Möglichkeiten, Einfluss in Moskau zu gewinnen. Man dürfe bei der Zusammenarbeit mit ihr allerdings das nationalistische Spektrum nicht übergehen. Letzterem gehört Alexei Nawalny an, der bei den Bürgermeisterwahlen in Moskau am kommenden Sonntag kandidiert und in Deutschland eine gute Presse genießt. ex.klusiv

DAMASKUS/BERLIN | |   Nachrichten | grossbritanniensyrien

DAMASKUS/BERLIN (Eigener Bericht) - Mit einer Volte reagiert Berlin auf die Ablehnung der Beteiligung an einem Überfall auf Syrien durch das britische Parlament. Hatten Bundesregierung und Opposition noch bis zum Donnerstag einmütig "Konsequenzen" aus dem Giftgas-Einsatz nahe Damaskus gefordert und ihre Übereinstimmung mit dem auf Kriegskurs befindlichen britischen Premierminister bekräftigt, so ist nun zu hören, man ziehe "einen Militärschlag nicht in Betracht" (Bundesregierung) und halte "eine militärische Intervention für falsch" (Opposition). Hintergrund sind strategische Spielräume innerhalb Europas, die sich aus der neuen Situation ergeben und mit Syrien selbst nur sekundär zu tun haben. Wie die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) festhält, hat die Londoner Entscheidung nicht nur "die 'Special Relationship' mit den USA (...) beschädigt"; dies verschafft Deutschland machtpolitisch neue Vorteile. Darüber hinaus sei auch "die französisch-britische Allianz in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik geschwächt" worden; dies stärkt die Stellung der Bundesrepublik ebenfalls. Trotz der aktuellen außenpolitischen Volte bleiben bellizistische Positionen in Berlin präsent. So dringt beispielsweise der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, in einer neuen Stellungnahme darauf, im Syrien-Krieg für den Westen keine Option "von vornherein auszuschließen" - auch nicht eine Kriegsbeteiligung. ex.klusiv