ROM/BERLIN | |   Nachrichten

ROM/BERLIN (Eigener Bericht) - Mit der morgen beginnenden Deutschlandreise des Papstes sucht der Vatikan die Stellung der katholischen Rechten in der Bundesrepublik zu konsolidieren. In Rom gehe "die Angst um", in Deutschland könne "ein neuer Kulturkampf" zwischen konservativ-katholischer Tradition und moderneren Kräften entbrennen, berichtet der Theologe David Berger im Gespräch mit dieser Redaktion. Der deutsche Papst wolle "gleich die ersten Ansätze abwehren" und habe seinen Aufenthalt in der Bundesrepublik daher vor allem publikumswirksam geplant. Dem vatikanischen Ansinnen stellen sich Bundesregierung und Bundestag zur Verfügung. Tatsächlich verfolgt Benedikt XVI. laut Kritikern einen kirchenpolitischen Kurs, der eine weitreichende Abkehr von der Moderne umfasst und sich sogar gegen die Aufklärung wendet. Demnach stellten Kardinäle aus dem unmittelbaren Umfeld Benedikts XVI. etwa die Evolutionstheorie in Frage. Untrennbar mit der antimodernen Wende des deutschen Papstes verbunden sind Anzeichen eines erneut wachsenden katholischen Antisemitismus, der in der Annäherung des Vatikan an die Priesterbruderschaft St. Pius X. nur einen extremen Ausdruck findet. ex.klusiv

David Berger (1) | KÖLN | |   Interviews
(David Berger (1))

KÖLN Über den kirchenpolitischen Kurs von Papst Benedikt XVI. sprach german-foreign-policy.com mit David Berger. Berger ist lange in einflussreichen Zirkeln des rechtskatholischen Milieus aktiv gewesen und hat nach seiner Abwendung von ihnen seine Erlebnisse in dem Buch "Der heilige Schein" (inzwischen in 6. Auflage erschienen) publiziert. ex.klusiv

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Wie Politik und Wirtschaft wieder handlungsfähig werden Frankfurt am Main 2011 (Frankfurter Allgemeine Buch) 288 Seiten 24,90 Euro ISBN-13: 9783899812459 ex.klusiv

FRANKFURT AM MAIN/BERLIN | |   Nachrichten

FRANKFURT AM MAIN/BERLIN (Eigener Bericht) - Eine aktuelle Buchpublikation aus einem der einflussreichsten deutschen Zeitungsverlage fordert den Übergang zu "weniger Demokratie". Das aktuelle Regierungshandeln sei zu stark vom "lähmenden Einfluss der 'Stimme des Volkes' (...) und des alles anzweifelnden emanzipatorischen Zeitgeists" geprägt, heißt es in der Verlagsankündigung für die Schrift. Der Autor fordert deshalb "Systemkorrekturen" ein, um die "Politik effizienter zu machen". Diese "Korrekturen" müssten in einem Rückbau demokratischer Partizipation bestehen. Das Buch, das unlängst unter dem Titel "Weniger Demokratie wagen" veröffentlicht worden ist, wird intensiv von Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beworben, etwa vom sozialdemokratisch geprägten Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die Forderung nach dem Rückbau der Demokratie in Deutschland wird seit geraumer Zeit in einflussreichen Zirkeln der deutschen Eliten erhoben. Das jetzt publizierte Buch trägt die Debatte in eine breitere Öffentlichkeit. ex.klusiv

BERLIN/ANKARA | |   Nachrichten | tuerkei

BERLIN/ANKARA (Eigener Bericht) - Anlässlich seines Deutschland-Besuchs bietet der türkische Staatspräsident Abdullah Gül der Bundesrepublik eine exklusive Zusammenarbeit an. Zwischen den beiden Ländern solle eine enge Kooperation eingeleitet werden, "wie sie heute zwischen Frankreich und Deutschland besteht", schlägt Gül vor. Dabei könne die Türkei als "Brücke" nach Asien dienen. Gül spielt damit auf die wachsenden Einflussaktivitäten Ankaras vor allem im Nahen und Mittleren Osten an, die zuletzt in Konfrontationen mit Israel gipfelten. Berlin könne in Zukunft, wenn es sich mit Ankara abstimme, eine stärkere Rolle in der arabischen Welt spielen, erklären Befürworter einer intensiveren deutsch-türkischen Zusammenarbeit. Konkretere Vorschläge Ankaras werden von der heutigen Berliner Rede des türkischen Staatspräsidenten erwartet. Deutschland hat starke Interessen in der Türkei, die neben der politischen auch die ökonomische Expansion betreffen. ex.klusiv

BERLIN/ATHEN | |   Nachrichten | griechenland

BERLIN/ATHEN (Eigener Bericht) - In beispielloser Offenheit drängen hochrangige Politiker und Medien aus EU und USA die Bundesregierung zur Aufgabe ihres Crashkurses in der Eurokrise. Allein mit brutalen Sparmaßnahmen, wie Berlin sie erzwinge, sei Griechenland nicht zu retten, heißt es etwa in Washington. Deutschland drohe wegen der globalen Folgen eines möglichen Zusammenbruchs der europäischen Währung letztlich "die ganze Welt" in den Abgrund zu ziehen, warnt die britische Presse. An diesem Freitag wird, da eine globale Kriseneskalation befürchtet wird, erstmals ein US-Finanzminister an einem Treffen seiner EU-Amtskollegen teilnehmen. Trotz aller Warnungen hält Berlin an seinem harten Austeritätsdiktat gegenüber Griechenland fest. Vor wenigen Tagen ist eine EU-Delegation in Athen eingetroffen, um dort die Sparmaßnahmen der Regierung zu überwachen. Der Delegationsleiter ist ein Deutscher. Medienberichte legen nahe, dass die Bundesregierung der Ausweitung des Krisenfonds EFSF nur zugestimmt hat, um nach dem Bankrott Griechenlands die davon betroffenen deutschen Banken auffangen zu können. Kommentare nicht nur des deutschen Boulevards, sondern auch als seriös geltender Medien über das krisengeschüttelte Griechenland erinnern an längst überwunden geglaubte Phasen des deutschen Chauvinismus. ex.klusiv

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Die Entsendung der Bundeswehr ins Ausland Berlin 2011 (Duncker und Humblot) 243 Seiten 18,00 Euro ISBN 978-3-428-13570-7 ex.klusiv

BERLIN | |   Nachrichten

BERLIN (Eigener Bericht) - In einer offiziösen deutschen Publikation werden Mittel und Methoden zur Erzeugung von Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung diskutiert. Die Autoren, die hochrangige Funktionen in Staatsverwaltung, Bundeswehr, Wissenschaft und Medien bekleiden, äußern unter anderem die Auffassung, Bilder von "blutrünstigen Diktatoren" oder "verhungernden Kindern" dienten als "moralisches Schwungrad für einen militärischen Einsatz". Auch die Fernsehaufnahmen vom Einsturz des World Trade Center in New York am 11. September 2001 hätten wie "Motivationspillen" für den Krieg gegen Afghanistan gewirkt. Dabei unterscheiden die Autoren klar zwischen Massenpropaganda für den "Mann auf der Straße" und einer ebenfalls von ihnen angemahnten "sicherheitspolitischen Debatte". Letztere sei eine "Domäne der Eliten", heißt es: Insbesondere die "außen- und sicherheitspolitisch ernst zu nehmenden Bundestagsfraktionen" müssten lernen, "Entscheidungen ohne falsche Rücksicht auf die öffentliche Akzeptanz zu treffen". ex.klusiv

BERLIN/MOSKAU | |   Nachrichten | russische-foederation

BERLIN/MOSKAU (Eigener Bericht) - Kurz vor der Inbetriebnahme der Erdgaspipeline "Nord Stream" ("Ostsee-Pipeline") steht ein Konkurrenzprojekt zur deutsch-russischen Hegemonie über die europäische Gasversorgung vor dem Scheitern. Betroffen ist das Pipelinevorhaben "Nabucco", das die riesigen Erdgasvorräte Zentralasiens und des Nahen und Mittleren Ostens nach Europa führen soll - unter Umgehung Russlands, um diesem keinen neuen Einfluss auf den Gastransport in die EU einzuräumen. Nachdem es dem Moskauer Energiekonzern Gazprom gelungen ist, eines der Nabucco-Konsortialmitglieder, den deutschen RWE-Konzern, für deutsch-russische Kooperationen zu werben, sehen Beobachter die Chancen für eine Verwirklichung von Nabucco weiter schwinden. Das Vorhaben steht ohnehin in Frage, weil bisher nicht ausreichend Lieferzusagen seitens der erdgasfördernden Länder der Zielregion eingeholt werden konnten; in einem verzweifelten Versuch bemüht sich die EU-Kommission nun noch um Erdgas aus Turkmenistan. Anhänger einer engeren deutsch-russischen Kooperation feiern bereits eine "Energiewende Richtung Russland", auch wenn Teile des Berliner und des Brüsseler Establishments sich weiter um Nabucco bemühen. Die Zeit drängt: Letzte Woche hat "Nord Stream" den Probebetrieb aufgenommen und soll ab Oktober regelmäßig Erdgas aus Russland direkt nach Deutschland liefern. ex.klusiv

WIESBADEN | |   Nachrichten

WIESBADEN (Eigener Bericht) - Die Regierung des Bundeslandes Hessen beliefert Lehreinrichtungen mit rechtslastigen Publikationen über die Umsiedlung der Deutschen. Eine Broschüre, die das hessische Sozialministerium im Juli an 450 Institutionen versandt hat, darunter Studienseminare und Abendgymnasien, ist von einem prominenten Interviewpartner rechtslastiger Medien verfasst worden. Der Völkerrechtler Alfred de Zayas schreibt darin, die Umsiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg weise zumindest partiell "Völkermordcharakter" auf. Den "Vertriebenen" stehe daher die Rückgabe ihres früheren Eigentums oder Entschädigung zu. Über den einstigen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš behauptet der Autor, Beneš habe politische Ziele "in Analogie zur Ideologie des deutschen Nationalsozialismus" verfolgt. Die Broschüre enthält heftige Attacken auch gegen Polen sowie die Westalliierten. Ihre Verbreitung durch das Sozialministerium ist der vorläufige Höhepunkt einer bereits seit gut zehn Jahren andauernden Initiative der hessischen Landesregierung, die darauf abzielt, den Stellenwert der Umsiedlung im öffentlichen Diskurs zu stärken. ex.klusiv