WIEN/KÖLN | |   Nachrichten | oesterreich

WIEN/KÖLN (Eigener Bericht) - Neue Vorwürfe begleiten die Bemühungen der Deutschen Lufthansa um eine Übernahme der Austrian Airlines (AUA). Berichten aus Wien zufolge hat die Lufthansa der österreichischen Fluggesellschaft durch Vertragsbrüche empfindlichen Schaden zugefügt; jetzt will sie das Unternehmen für einen als "symbolisch" bezeichneten Preis - genannt wird ein Euro - kaufen. Konkurrierende Interessenten beschweren sich über massive Benachteiligung im Bieterverfahren. Gutachter kommen zu dem Schluss, es sei tatsächlich zu "groben Verfahrensmängeln" gekommen. Kritiker erklären, der geplante AUA-Verkauf sei ohne Not in die Wege geleitet worden; der gesamte Vorgang trage "offen mafiotische Züge". Die Übernahme durch die Lufthansa wird in Österreich unter starker Mitwirkung von Managern vorbereitet, die enge Kontakte zu deutschen Konzernen haben, darunter ein ehemaliges Lufthansa-Vorstandsmitglied. Die Lufthansa will neben AUA auch Alitalia übernehmen und hat dabei gute Chancen. Erhält sie in beiden Fällen den Zuschlag, dann zieht sie an ihrer Rivalin Air France-KLM vorbei, die ebenfalls an AUA und Alitalia interessiert ist, und übernimmt die Führungsposition unter den Airlines in Europa. ex.klusiv

BERLIN/ORANIENBURG | |   Nachrichten

BERLIN/ORANIENBURG (Eigener Bericht) - 70 Jahre nach den antisemitischen Massendeportationen mit der Deutschen Reichsbahn erhebt das Nachfolgeunternehmen Deutsche Bahn AG Gebühren für das Gedenken an die Opfer. Die Gebühren werden vom "Zug der Erinnerung" verlangt, der am kommenden Samstag in den Bahnhof Oranienburg bei Berlin einlaufen wird. In Oranienburg befand sich eines der ersten Konzentrationslager; später wurden zehntausende Häftlinge über den Bahnhof Oranienburg geschleust und in das nahe gelegene KZ Sachsenhausen verschleppt. Die Deutsche Reichsbahn stellte noch in den letzten Kriegstagen ihre Oranienburger Bahnhofsanlagen für den Transport von KZ-Häftlingen aus Buchenwald zur Verfügung. Sie mussten für die Firma Siemens Zwangsarbeit leisten. Zahlreiche Beschäftigte der Stadt nährten sich am NS-Lagersystem, dessen Wirkung bis heute zu spüren ist. Die NPD verfügt in Oranienburg über zwei Stadtratsmandate und über einen nicht unerheblichen Einfluss im Milieu des Kleinbürgertums der Region Oberhavel. Ausgerechnet für das Gedenken an die NS-Opfer in Oranienburg entstehen dem "Zug der Erinnerung" Kosten, die vom Vorstand der Deutschen Bahn erhoben werden. ex.klusiv

BERLIN | |   Nachrichten

BERLIN (Eigener Bericht) - Mit einer Logistiktagung treibt die Bundesakademie für Sicherheitspolitik die Anbindung von Privatunternehmen an die Repressionsapparate voran. Gegenstand des zweitägigen Forums, das am heutigen Mittwoch zu Ende geht, ist die Sicherung globaler Warentransporte gegen gewaltsame Angriffe. Die Teilnehmer kommen aus mehreren Ministerien, Wirtschaft, Geheimdienst und Bundeswehr. Vertreten sind bedeutende Logistikfirmen, darunter die Deutsche Post und eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn; die beiden ehemaligen Staatsmonopolisten arbeiten eng mit dem deutschen Militär zusammen. Die aktuelle Tagung setzt ähnliche Bemühungen der Bundesakademie fort, die inzwischen zu ersten Erfolgen führen. So ernennen im Ausland tätige Firmen auf Drängen der Bundesakademie mittlerweile Kontaktpersonen ("Single Point of Contact"), die den staatlichen Behörden als "exklusive Ansprechstellen" zur Verfügung stehen. Die Bereitschaft deutscher Unternehmer, mit dem repressiv-militärischen Komplex zu kooperieren, steigt mit den boomenden Auslandsgeschäften an: Lukrative Gewinnchancen, die wegen der zugleich eskalierenden globalen Konflikte in Gefahr geraten, führen Firmenvertreter an die Seite von Geheimdiensten und Bundeswehr. ex.klusiv

BERLIN/WASHINGTON | |   Nachrichten | usa

BERLIN/WASHINGTON (Eigener Bericht) - Von der künftigen US-Administration fordern deutsche Politikberater eine stärkere Berücksichtigung deutsch-europäischer Interessen. Washington müsse "die Realität einer multipolaren Weltordnung anerkennen", heißt es in einem kurz vor den Präsidentenwahlen veröffentlichten Strategiepapier des Centrums für Angewandte Politikforschung (CAP). Es verlangt eine modifizierte "Wiederbelebung" des transatlantischen Bündnisses. Der bevorstehende Wechsel im Weißen Haus gilt als günstiger Zeitpunkt für eine Aufwertung der EU. Konkret heißt es, Berlin und Brüssel sollten im Umgang mit Russland und im Kampf gegen die Finanzkrise eigene Initiativen durchsetzen und den USA dafür beim Afghanistan-Krieg entgegenkommen. Dieser Krieg gilt als außenpolitischer Schwerpunkt insbesondere eines möglichen Präsidenten Obama, dem auch ein Krieg gegen Pakistan und eine Ausweitung der Kriege in Afrika zugetraut werden. Skeptisch ist Berlin gegenüber Plänen beider Präsidentschaftskandidaten, ein weltweites Bündnis westlich orientierter Staaten zur Legitimation künftiger Interventionen zu gründen. Ein solches Bündnis ("League of Democracies") schmälere die deutsche Weltgeltung, heißt es warnend in außenpolitischen Thinktanks. ex.klusiv

Klare Vorteile

|   Kurznachrichten | schweiz

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF übernimmt den Schweizer Konkurrenten Ciba. ex.klusiv

Vorposten

BERLIN/GOMA/KIGALI/PARIS | |   Nachrichten | frankreichruandakongo-kinshasa

BERLIN/GOMA/KIGALI/PARIS (Eigener Bericht) - Heftige deutsch-französische Einflusskämpfe begleiten den Krieg im Kongo. Paris will den Vormarsch der Rebellenmilizen stoppen, die für einen Verbündeten Berlins und Washingtons kämpfen, und verlangt dazu einen Militäreinsatz der EU. Berlin spricht sich dagegen aus und fordert nach Positionsgewinnen der Milizen eine Übereinkunft der kongolesischen Regierung mit den Rebellen. Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Berlin und Paris sind langfristig angelegte deutsche Bemühungen, die Stellung Frankreichs in seinem afrikanischen Einflussgebiet zu schwächen und die EU-Afrikapolitik nach deutschen Interessen zu gestalten. Entsprechende Hegemonialkämpfe begleiteten bereits die beiden vergangenen Kongo-Einsätze der EU. Hohe Bedeutung für die aktuelle Rebellenoffensive, die bislang über 250.000 Menschen in die Flucht gezwungen hat, besitzen die kongolesischen Bodenschätze: Milizenchef Nkunda erklärt, mit einem Ressourcengeschäft zwischen Kinshasa und China nicht einverstanden zu sein. Nkunda, ein seit Jahren gesuchter Kriegsverbrecher, dient sich dem Westen als Garant künftiger Rohstofflieferungen an. ex.klusiv