Wolfgang Popp | SIEGEN | |   Interviews
(Wolfgang Popp)

SIEGEN german-foreign-policy.com sprach mit Prof. em. Dr. Wolfgang Popp über die neueste Entwicklung im Streit um das Gedenken an die Opfer der Reichsbahn-Deportationen. Popp ist Projektleiter im Siegener "Zentrum für Friedenskultur" (ZFK). ZFK-Geschäftsführer ist der Träger des Aachener Friedenspreises, Bernhard Nolz. Das ZFK ist eine Einrichtung der Gesellschaft für Friedenserziehung e.V., der Initiative Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) und des Forschungsgebiets Friedenserziehung der Universität Siegen. Prof. em. Dr. Wolfgang Popp gehört zum Initiatorenkreis der Initiative "Elftausend Kinder". ex.klusiv

Protest

PARIS | |   Dokumente

PARIS Serge Klarsfeld, Präsident der Pariser Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF), erhebt schwere Vorwürfe gegen die Spitze der Deutschen Bahn AG und ihren Vorsitzenden Hartmut Mehdorn. ex.klusiv

Nachfolger

PARIS/BERLIN/HAMBURG | |   Nachrichten

PARIS/BERLIN/HAMBURG (Eigener Bericht) - In scharfer Form haben Familien französischer Deportationsopfer die Angriffe des deutschen Bahnchefs Hartmut Mehdorn zurückgewiesen. Mehdorn hatte in einem Interview vom vergangenen Wochenende erklärt, er allein bestimme über die öffentliche Darstellung der Reichsbahn-Verbrechen. Eine Ausstellungs-Initiative der Pariser Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF), die an die Ermordung von elftausend jüdischen Kindern erinnert, nannte Mehdorn "nicht angemessen". In der Antwort von Serge Klarsfeld, FFDJF-Präsident und Mitglied des Präsidiums der staatlichen französischen Stiftung "Für das Gedenken an die Shoah", heißt es, Mehdorn habe "über die Erinnerung an die von den Nazis ermordeten Kinder weder zu befinden noch zu bestimmen." Von dem deutschen Bahnchef sagt Klarsfeld, Mehdorn sei "ein Nachfolger jener Verantwortlichen, die die Juden aus ganz Europa in die Vernichtungslager transportierten". Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagfraktion, Monika Griefahn, wirft der Bahnspitze "unmoralische Resistenz" vor. Gegen den Boykott des Bahnchefs, der die geforderte Ausstellung auf den deutschen Bahnhöfen unbedingt verhindern will, nimmt auch der deutsche Verkehrsminister Stellung. Nachdem es zwischen Minister Tiefensee und Mehdorn zu einem "schweren Zusammenstoß" gekommen war, weil Mehdorn sich Gedenk-Kompromissen verschließt, kündigte Tiefensee gestern ein eigenes Ausstellungsprojekt an. Es soll von dem Hamburger Mäzen Jan Philipp Reemtsma realisiert werden. Über die Anforderungen an das Konzept der Ausstellung sagt Prof. em. Dr. Wolfgang Popp in einem Interview mit dieser Redaktion: "So wichtig die Verwissenschaftlichung der Verbrechensgeschichte ist, so unentbehrlich ist die emotionale Identifikation mit den Opfern. Die Basis jeder Erinnerung ist Empathie". ex.klusiv

BERLIN/FLENSBURG/BOLZANO | |   Nachrichten | italien

BERLIN/FLENSBURG/BOLZANO (Eigener Bericht) - Vorfeldorganisationen der Berliner Außenpolitik versammeln am heutigen Mittwoch Ethno-Spezialisten und Sezessionspolitiker aus mehreren europäischen Staaten zu einer "Minderheitenkonferenz" im italienischen Bolzano. Angekündigt ist unter anderem Gerry Adams, ehemals Aktivist der antibritischen Untergrundorganisation IRA, heute Vorsitzender der nordirischen Partei "Sínn Fein". Veranstaltet wird die Tagung über "ethnische Konflikte" in Nordirland, Spanien und Griechenland von der "Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen" (FUEV) und der "Europäischen Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen" (MIDAS) an der "Europäischen Akademie Bozen", bei deren Gründung das Auswärtige Amt Pate stand. Erst kürzlich hatten FUEV und "Europäische Akademie" 40 Delegierte der Bagdader Kriegsverwaltung bei einem Lehrgang über die vermeintliche Notwendigkeit einer "Autonomie" für die im Irak lebenden "Volksgruppen" informiert (german-foreign-policy.com berichtete). Die FUEV wurde in der Vergangenheit immer wieder als "völkisch" oder "rassistisch" kritisiert; beide Organisationen befürworten ein auf blutlichen Abstammungsmerkmalen basierendes globales gesellschaftliches Ordnungsmodell. ex.klusiv

|   Kurznachrichten

Die Redaktion von german-foreign- policy.com ruft zur Einsendung von Fotos über deutsche Kriegsverbrechen in den okkupierten Staaten auf. ex.klusiv

Großwildjagd

DÜSSELDORF/MADRID/ROM | |   Nachrichten | italienspanien

DÜSSELDORF/MADRID/ROM (Eigener Bericht) - In einem neuen Anlauf sucht Madrid die drohende Übernahme des größten spanischen Energieversorgers Endesa durch die deutsche Eon AG zu verhindern. Für das Düsseldorfer Unternehmen schien der Erwerb der Endesa-Mehrheit bereits sicher; der spanische Ministerpräsident Zapatero hatte nach Interventionen aus Brüssel ein "Happy End" und eine "für alle zufriedenstellende Lösung" in Aussicht gestellt. Jetzt gefährden Aktienkäufe einer spanischen Baufirma, rege Gesetzgebungstätigkeit und eine eventuelle spanisch-italienische Energiekooperation die deutschen Expansionspläne. Die Rekordübernahme des spanischen Energieversorgers würde die Eon AG zum weltweit führenden Strom- und Gasunternehmen machen und ihr eine dominierende Position in mehreren Staaten Europas und Lateinamerikas verschaffen. Der Düsseldorfer Energieriese wappnet sich mit der höchsten je an ein Unternehmen vergebenen Kreditlinie, ordnet seinen Großaufkauf den deutschen Kontinentalplänen zu und spricht von einem "bedeutende(n) Schritt zur Verwirklichung eines einheitlichen europäischen Marktes für Energie". ex.klusiv

LEIPZIG/DRESDEN/MOSKAU | |   Nachrichten | russische-foederation

LEIPZIG/DRESDEN/MOSKAU (Eigener Bericht) - Die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig wird erweitert. Dies erfährt german-foreign-policy.com aus deutsch-russischen Wirtschaftskreisen. Demnach sind Leipzig bzw. das nahe gelegene Dresden auch als Drehkreuze für Luftfahrtkooperationen zwischen dem westeuropäischen Rüstungskonzern EADS und dem russischen Unternehmen "Irkut" im Gespräch. Der militärische Ausbau zu einer zentralen Startbasis für weltweite Kriege wird von Investitionen des führenden deutschen Logistikers DHL begleitet. Das Tochterunternehmen der Deutschen Post ist ebenfalls im Militärgeschäft tätig und bedient die Bundeswehr an ihren Okkupationsstandorten mit Luftfrachtsendungen. Der Ausbau des Leipziger Drehkreuzes sei als "geheime Kommandosache" geplant worden, sagte die deutsche Bundeskanzlerin beim kürzlichen Richtfest auf dem Flughafengelände. Zugleich kündigte Frau Merkel an, dass die Anwohner zukünftig mit mindestens 52 Nachtstarts und entsprechenden Landungen zu rechnen haben. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl militärischer Flugoperationen für den Transport von Panzern und anderen Großwaffen. Gegen die einzigartige Militarisierung des Leipziger Fluggeländes und die Folgen für die Zivilbevölkerung protestieren mehrere Bürgerinitiativen. Sie rufen am heutigen Montag zu einer Demonstration vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht auf, das in dieser Woche mit der Hauptverhandlung über ihre Klage beginnt. ex.klusiv

Widerwärtig

BERLIN/PARIS/NEW YORK/OSWIECEM | |   Nachrichten | frankreich

BERLIN/PARIS/NEW YORK/OSWIECEM (Eigener Bericht) - Zwischen dem Bundesminister für Verkehr, Wolfgang Tiefensee, und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, ist es zu einem persönlichen Eklat gekommen. Tiefensee verließ eine gemeinsame Besprechung, als sich Mehdorn trotz wiederholten Drängens kategorisch weigerte, die deutschen Bahnhöfe für das Gedenken an die internationalen Opfer der NS-Deportationsverbrechen zu öffnen. Eine Foto-Ausstellung über mehrere Tausend Kinder, die mit der Deutschen Reichsbahn in den Tod geschickt wurden, werde er auf den deutschen Bahnhöfen zu verhindern wissen, heißt es über Mehdorn aus Teilnehmerkreisen. Die Ausstellung wurde von der französischen Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF/Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs) zusammengestellt und ist in den vergangenen Jahren über 18 französische Bahnhöfe gewandert. Teile der Ausstellung sind in Museen in Polen, den USA und Israel zu sehen. Gegen die Weigerung des deutschen Bahnchefs protestieren deutsche und internationale Organisationen und rufen für Anfang November zu massiven Aktionen auf. Um dem öffentlichen Druck zu entgehen, kündigt Mehdorn in einem heute erscheinenenden Zeitungs-Interview an, er werde für eine eigene Ausstellung sorgen - außerhalb der Bahnhöfe. Das Interview enthält schwere Beleidigungen, wonach FFDJF (die französische Opferorganisation um Beate Klarsfeld) den Holocaust unangemessen darstellen wolle. ex.klusiv

SANTIAGO/BERLIN/STUTTGART | |   Nachrichten | chile

SANTIAGO/BERLIN/STUTTGART (Eigener Bericht) - Nach mehrtägigen Gesprächen mit hochrangigen Vertretern deutscher Unternehmen wird die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet am heutigen Freitag auf dem Ibero-Amerika-Tag in Stuttgart erwartet. Im Mittelpunkt des Staatsbesuchs stehen Bemühungen um eine Intensivierung der Handelsbeziehungen. Experten weisen darauf hin, dass die großen Industriestaaten seit mehreren Jahren Lateinamerika nur noch "sehr geringe Aufmerksamkeit" widmen, während der strategische Konkurrent China dort deutlich an Einfluss gewinnt. Chile, das als einziges südamerikanisches Land durch ein Freihandelsabkommen mit der EU verbunden ist, bietet sich jetzt deutschen Unternehmen als ökonomische Drehscheibe für den gesamten Subkontinent an. In der Wirtschaft des Landes, aber auch in den politischen Institutionen haben "deutschstämmige(...) Chilenen" immer noch zahlreiche Schlüsselpositionen inne, vermeldet das Auswärtige Amt. In Berlin wurden jetzt Vereinbarungen getroffen, die das in Chile traditionsreiche Einflusspotential der germanophilen Eliten modernisieren sollen. ex.klusiv

FLENSBURG/BOLZANO/BAGDAD/ATHEN | |   Nachrichten | irakgriechenlanditalien

FLENSBURG/BOLZANO/BAGDAD/ATHEN (Eigener Bericht) - Bei den Vorbereitungen zur territorialen Zerschlagung des Irak in drei Staatsparzellen ("Autonomie") helfen deutsche Ethno-Spezialisten. Die Teilung wird von einer "Studiengruppe" des US-Kongresses unter Vorsitz des ehemaligen Außenministers James Baker vorbereitet. Demnach müsse der Irak in "autonome Regionen" aufgespalten werden. "Autonomie"-Lehrgänge für die zukünftigen Regionalverwalter im Irak führt die "Europäische Akademie Bozen" durch. Entsprechende Instruktionen fanden in der vergangenen Woche statt. Bei der "europäischen" Akademie handelt es sich um ein Minderheiteninstitut, das die deutschsprachige Bozener Provinzregierung finanziert. Die Akademie ist mit bekannten Vorfeldorganisationen der Berliner Außenpolitik vernetzt, deren Tätigkeit als "völkisch" und "rassistisch" bezeichnet wird. Auf einer gemeinsamen Tagung in Bozen wollen sich die Ethno-Spezialisten in der kommenden Woche auch weiterer internationaler Spannungsgebiete annehmen. Im Zentrum der "Volksgruppen"-Beratungen unter deutscher Führung stehen die Konflikte in Nordirland und Nordspanien ("Baskenland") sowie angebliche Konfliktherde in Griechenland. ex.klusiv