BRASILIA/BLUMENAU/BERLIN | |   Nachrichten | brasilienvenezuela

BRASILIA/BLUMENAU/BERLIN (Eigener Bericht) - Angesichts dramatisch steigender Erdölpreise intensivieren deutsche Unternehmen ihre Kooperation mit der brasilianischen Biosprit-Industrie. Die Verhandlungen wurden während der 25. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage geführt, die am Montag in Anwesenheit von Wirtschaftsminister Glos begannen. Glos kehrt am heutigen Freitag von seiner einwöchigen Südamerika-Reise zurück. Der Ausbau der Biosprit-Kooperation entspricht politischen Zielen Berlins. Durch Förderung der brasilianischen Produktion von Energierohstoffen könne man den Einfluss der Regierung Venezuelas schwächen, heißt es in der deutschen Hauptstadt. Venezuela verfügt über ertragreiche Erdöl-Quellen und damit über eine relative Unabhängigkeit. Diese Stellung kann geschwächt werden, wenn billigere Ressourcen aus brasilianischem Biosprit zur Verfügung stehen. Gegen die Nutzung pflanzlicher Treibstoffe, die maßgeblich von der Bundesregierung forciert wird, setzen sich mittellose Landarbeiter zur Wehr. Dass ärmere Länder zur Sprit-Produktion aus Nahrungsmitteln herangezogen werden, erinnere an Ausbeutungsverhältnisse der Kolonialzeit, heißt es in oppositionellen Kreisen. ex.klusiv

BERLIN/BRASILIA/GUATEMALA/NEW DELHI | |   Nachrichten | brasilien

BERLIN/BRASILIA/GUATEMALA/NEW DELHI (Eigener Bericht) - Mit Geldern aus der sogenannten Entwicklungshilfe fördert die Bundesregierung deutsche Firmen am boomenden Weltmarkt für umstrittene Biokraftstoffe. Wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Karin Kortmann, mitteilt, wird Berlin ein Ethanol-Pilotprojekt in Guatemala unterstützen; bereits zuvor haben deutsche Biospritunternehmen mit Hilfe desselben Ministeriums ihre Position in Indien ausgebaut. Die von der Bundesregierung forcierte Nutzung von Entwicklungs- und Schwellenländern als Lieferanten von Agrargütern zur Treibstoffgewinnung stößt zunehmend auf Kritik. Schon zu Beginn des Jahres waren heftige Proteste laut geworden, weil der Anbau von Getreide und Zucker zur Dieselproduktion die Lebensmittel in ärmeren Staaten deutlich verteuert. Jetzt warnen Wissenschaftler wegen des hohen Verbrauchs bei der Biospritherstellung vor Wasserverknappung. Wie es heißt, ist die weltweite Wasserversorgung ernstlich bedroht, falls der globale Einsatz von Biosprit tatsächlich in dem von Berlin geforderten Maße zunimmt. ex.klusiv

Juniorpartner

BRÜSSEL/BRASILIA/BERLIN | |   Nachrichten | venezuelabrasilienhaiti

BRÜSSEL/BRASILIA/BERLIN (Eigener Bericht) - Die Europäische Union ruft ein strategisches Bündnis mit Deutschlands wichtigstem Kooperationspartner in Lateinamerika aus. Das Abkommen mit Brasilien stärkt die regionalen Führungsansprüche des südamerikanischen Landes und richtet sich gegen das Staatenbündnis ALBA, das unter venezolanischem Einfluss die Vormacht von EU und USA in Frage stellt. Im Gegensatz zur Regierung des venezolanischen Präsidenten Chávez wird der brasilianische Staatschef Luiz Inácio "Lula" da Silva in Berlin und Washington als verlässlicher Partner eingestuft. Stellvertreterkonflikte zeichnen sich auf Haiti ab. Nach jüngsten Annäherungen zwischen Chávez und seinem haitianischen Amtskollegen René Preval droht das Land in die Auseinandersetzung zwischen Brasilien und dem ALBA-Bündnis hineingezogen zu werden. Seit 2004 sind UN-Truppen in Haiti stationiert, das Kommando liegt auf Drängen von EU und USA bei Brasilien. Der UN-Einsatz gilt als Test für die Fähigkeit der Regierung in Brasilia, in den Ländern Lateinamerikas als Juniorpartner der großen westlichen Industriestaaten aufzutreten. Mit ihrer "strategischen Partnerschaft" suchen Berlin und Brüssel dieses Verhältnis zu festigen. ex.klusiv

SANTIAGO DE CHILE/HAMBURG | |   Nachrichten | uruguayargentinienbrasilienparaguay

SANTIAGO DE CHILE/HAMBURG (Eigener Bericht) - Mit einem kontinental angelegten Einflussprojekt forciert die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung die länderübergreifende Zusammenarbeit der südamerikanischen Sicherheitsapparate und schwächt damit US-Positionen in den beteiligten Staaten. Während Washington traditionell über starken Einfluss bei den lateinamerikanischen Militärs verfügt und den Kampf gegen Drogenhandel zum Anlass für repressive Einmischungsversuche nimmt, zielt die deutsche Stiftung nun selbst auf diese Bereiche. Südamerikanische Überlegungen, die einen eigenen militärpolitischen Zusammenschluss in Betracht ziehen und ebenfalls eine Schwächung US-amerikanischer Positionen zur Folge hätten, sind Gegenstand detaillierter Forschungen des staatsfinanzierten Hamburger Instituts für Iberoamerika-Kunde. Das Institut bedient Expansionsinteressenten in Wirtschaft und Politik. ex.klusiv

Neuer Anlauf

CARTAGENA/BRASILIA | |   Nachrichten | brasilienchina

CARTAGENA/BRASILIA (Eigener Bericht) Am heutigen Freitag geht in Cartagena (Kolumbien) die 9. Lateinamerika-Konferenz der deutschen Wirtschaft zu Ende. Die Konferenz leitet eine Reihe hochrangig besetzter Zusammenkünfte ein, mit denen Berlin die Marktposition deutscher Unternehmen im unmittelbaren Einflussbereich der USA ausbauen will. Den Höhepunkt bildet eine Lateinamerika-Reise des deutschen Kanzlers, die für Ende des Jahres geplant ist. Hintergrund sind u.a. umfangreiche Wirtschafts-Aktivitäten der Volksrepublik China, die langfristig Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung und Rohstoffe für ihre Wirtschaft aus Lateinamerika beziehen möchte. Schwerpunktland der deutschen Aktivitäten ist Brasilien, das Berlin als Partner beim Streben nach einem ständigen Sitz mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat ausgewählt hat. ex.klusiv

SAO BERNARDO DO CAMPO | |   Nachrichten | brasilien

SAO BERNARDO DO CAMPO Die brasilianische Tochtergesellschaft des deutschen Volkswagen-Konzerns, VW do Brasil, hat 7.000 Obdachlose von einem nicht genutzten Betriebsgelände vertreiben lassen. Volkswagen setzte sich damit über Empfehlungen der brasilianische Regierung hinweg. Auch der Präsident des Landes hatte sich dafür ausgesprochen, das brachliegende Grundstück den Armen und Obdachlosen zur Verfügung zu stellen. VW ist das größte Privatunternehmen Brasiliens und transferiert namhafte Überschüsse an die deutsche Konzern-Zentrale. ex.klusiv

Zwischenspurt

FRANKFURT AM MAIN | |   Nachrichten | brasilien

FRANKFURT AM MAIN Die Berliner Regierung drängt auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens der EU mit dem südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur noch in diesem Jahr. Das Abkommen müsse unbedingt vor der für das Jahr 2005 geplanten gesamtamerikanischen Freihandelszone FTAA in Kraft treten, bestätigte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Gerlach jetzt auf einer Lateinamerika-Konferenz der deutschen Wirtschaft. Ansonsten könnten nach Ansicht von Fachleuten europäische Exportunternehmen bis zu einem Drittel ihrer Marktanteile in den Mercosur-Mitgliedsstaaten an die USA verlieren. ex.klusiv

BERLIN | |   Nachrichten | brasilien

BERLIN Der ,,Wettlauf"zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten um die Märkte des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses Mercosur dauert an. Die deutsche Regierung bestätigte jetzt bei einem Besuch des brasilianischen Präsidenten da Silva in Berlin ihren Willen, noch vor der Gründung der gesamtamerikanischen Freihandelszone FTAA ( ,,Free Trade Area of the Americas") ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur zu schließen. Anderenfalls drohe ein Verlust von Marktanteilen an die USA, heißt es. ex.klusiv

SCHWERIN | |   Nachrichten | frankreichbrasilien

SCHWERIN Die französische Regierung weigert sich beharrlich, die EU-Agrarpolitik deutschen Interessen unterzuordnen. Bei den deutsch-französischen Regierungskonsultationen in Schwerin kam es trotz deutschen Drucks zu keiner Einigung über eine Kürzung der EU-Agrarbeihilfen. Berlin strebt eine Agrarreform an, die vor allem die Beihilfen für die französische Landwirtschaft kürzen soll, aber auch bei den übrigen Mittelmeerländern den Rotstift ansetzt. Ziel ist die Umleitung der Brüsseler Gelder nach Osteuropa. Dort soll der Berliner Zuspruch Dankbarkeit auslösen und die deutsche Patronatsrolle verfestigen. ex.klusiv

BERLIN/MADRID | |   Nachrichten | argentinienbrasilienchilemexikousa

BERLIN/MADRID Die EU will die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Lateinamerika und der Karibikregion weiter ausbauen. Bundesregierung und Bundestag hatten zuvor darauf gedrängt, die 1999 unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft vereinbarte strategische Partnerschaft ,,fortzuschreiben"und die Widerstände in verschiedenen EU-Staaten zu überwinden. US-Analysten sehen in der Kooperation eine ,,new solidarity or 'common front"gegen Washingtons Interessen in der Region. ex.klusiv