Holger Kuhr: Geist, Volkstum und Heimatrecht

50 Jahre ,,Charta der deutschen Heimatvertriebenen"und die eth(n)isch orientierte deutsche Außenpolitik Hamburg: GNN, 2000 10,- DM

Das Ergebnis der mit zahlreichen Exkursen zur Geschichte deutscher imperialistischer Politik und zur Entwicklung der ,,Volksgruppen"-Politik angereicherten Studie ist ernüchternd: Die ,,Charta der deutschen Heimatvertriebenen"von 1950 - das Grundsatzpapier der deutschen ,,Vertriebenen"-Verbände - war entgegen anderslautenden Angaben nicht auf friedlichen Ausgleich, sondern offensiv gegen das Potsdamer Abkommen sowie gegen die Staaten Osteuropas und die Sowjetunion gerichtet. Nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Ökonomien erhielt sie eine gefährliche Tendenz in Richtung auf eine Ethnisierung Europas.

In der Ethnisierung Europas erkennt Kuhr ein Ziel nicht nur der ,,Vertriebenen", sondern auch der jetzigen rot-grünen Bundesregierung. ,,Die bis heute noch geltenden internationalen Grundsätze staatliche Integrität, Souveränität und Unverletzlichkeit von Grenzen werden in Zukunft von einem auf Gruppen bezogenen 'Menschen- bzw. Minderheitenrecht', genauer gesagt von einem 'Volksgruppenrecht', abgelöst werden."Hier scheint die Politik der ,,Vertriebenen"-Verbände mit der Politik der deutschen Staatsapparate zu konvergieren.