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FRANKFURT/M. Die 1948, noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland errichtete Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist eines der wesentlichen finanzpolitischen Instrumente Deutschlands. Die KfW als Förderbank des deutschen Staates und der Bundesländer - geführt von einstigen Nazi- ,,Wirtschaftsführern"- förderte und finanzierte nicht nur das Wiedererstarken des westdeutschen Staates und der deutschen Wirtschaft und die Eingliederung der DDR, sie ist auch ein wichtiges Mittel deutscher politischer Einflußnahme und ökonomischer Expansion. ex.klusiv

Durch ,,Entwicklungszusammenarbeit"mit Nicht-Atomwaffensperrvertrags-Staaten versucht die Bundesrepublik Deutschland, die technologischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine eigene Atomwaffenproduktion zu erlangen. | |   Hintergrund

Durch ,,Entwicklungszusammenarbeit"mit Nicht-Atomwaffensperrvertrags-Staaten versucht die Bundesrepublik Deutschland, die technologischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine eigene Atomwaffenproduktion zu erlangen.

Indien: Atomraketen mit deutscher Hilfe

1971 wurde ein deutsch-indisches Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit bei der ,,friedlichen Verwendung der Kernenergie"und der Weltraumforschung geschlossen, das 1974 um eine Einzelvereinbarung zwischen der DLR (Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt , früher DFVLR) und der Indian Space Research Organization (ISRO) ergänzt wurde. Die Kooperation wurde vom Bundesministerium für Forschung und Technik und der DFVLR getragen und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit koordiniert. Die seit 1973 betriebene Zusammenarbeit umfasste die Ausbildung indischer Wissenschaftler an deutschen Instituten, die Beratung der ISRO durch deutsche Wissenschaftler in Indien, die Geräte- und Literaturbeschaffung für die ISRO bis hin zur kompletten Durchführung von Experimenten für das indische Raumfahrtprogramm sowie die Erstellung umfangreicher Software.

Die Mittelstreckenrakete AGNI, die atomar, chemisch und konventionell bestückt werden kann, hat eine Antriebsstufe, die im Rahmen der deutsch-indischen Raumfahrtzusammenarbeit von der DFVLR getestet wurde. Im aktuellen indischen Atomprogramm ist AGNI die Trägerrakete für die getesteten Atomsprengköpfe. Auch die Degussa hat Indien Rohmaterialien wie z.B. Beryllium für den Bau der Atombombe verkauft - und dafür auch die Genehmigung vom Bundesamt für Wirtschaft bekommen.

Pakistan: ,,Schwere Verletzungen des Atomwaffensperrvertrages"

Ein entsprechendes Forschungsabkommen der BRD mit Pakistan - das entscheidend zur Entwicklung der Atombombe in dem südasiatischen Land beigetragen hat - wurde 1973 abgeschlossen, Das von der damaligen SPD/FDP-Regierung verantwortete Abkommen habe Pakistan mit dem Know-how versorgt, mit dem am Ende ,,eben nicht nur zivile Kernenergie-Technik entwickelt wurde, sondern auch Waffentechnik", sagte der SPD-Außenpolitiker Verheugen noch 1998. Damit ein Land wie Pakistan Atombomben bauen könne, müsse es ,,schwere Verletzungen des Atomwaffensperrvertrages während langer Zeit gegeben haben", fügte er hinzu - und zwar Vertragsbrüche durch die Bundesrepublik, die im Gegensatz zu Indien und Pakistan diesen Vertrag unterzeichnet hat.

In der 80er Jahre wurden illegale Exporte von Nuklearkomponenten aus Deutschland bekannt; dazu gehörte das Design eines nicht internationaler Kontrolle unterliegenden Reaktors mit einer Plutoniumproduktionskapazität von jährlich bis zu 10 Kilogramm. 1989 wurden Mitarbeiter der deutschen ,,Neue Nuklear Technik GmbH"in Gelnhausen wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten 1986 waffenfähiges Tritium nach Pakistan geliefert.

In der Zeit des Abkommens arbeitete der ,,Vater der pakistanischen Atombombe", Abdul Quadeer Khan, von 1972 bis 1975 in der Urananreicherungsanlage Almelo, einem deutsch-britisch-niederländischen Gemeinschaftsprojekt; er hatte während dieser Zeit die Gelegenheit, sich Listen von Lieferfirmen und Pläne zu beschaffen.

Brasilien, Argentinien, Ägypten, Irak: ,,Intensive Kooperation"

Bereits 1969 schloß die BRD mit Brasilien ein Abkommen über die ,,Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung". Im Nuklearbereich begann eine intensive Kooperation, mit deren Hilfe Brasilien, das den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, die wesentlichen Voraussetzungen zur Herstellung der Atombombe schaffen konnte. Auch bei der Entwicklung und Nutzung der Träger-Raketen spielte die Bundesrepublik eine wichtige Rolle.

Wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung der Raketenforschung in Argentinien hatten hunderte deutscher Ingenieure und Techniker. Sie hatten für die Nazis gearbeitet, flüchteten 1945 nach Argentinien und trugen mit ihrem Know-How zum Aufbau der argentinischen Nuklear- und Luftfahrttechnologie entscheidend bei.

Ägypten hatte bereits in den sechziger Jahren unter Führung von Gamal Abdel Nasser internationales Aufsehen mit einem gegen Israel gerichteten Raketenprogramm erregt, an dem maßgeblich deutsche Wissenschafter und Ingenieure beteiligt waren.

Auch am Aufbau der irakischen Raketenkapazität waren deutsche Unternehmen führend beteiligt. Nach einer Ende 1990 veröffentlichten Studie des Simon-Wiesenthal Zentrums in Los Angeles sollen 207 Firmen dem Irak bei der Entwicklung und Herstellung von Massenvernichtungsmitteln und Trägersystemen geholfen haben, 86 davon aus der Bundesrepublik. Mit diesen Raketen beschoß der Irak im Golfkrieg Israel; jüdische Holocaust-Überlebende lebten in Angst vor Giftgas-Angriffen.

Deutschland: ,,eine hochentwickelte Raketennation"

In Deutschland sind die technischen und organisatorischen Bedingungen für eine hochentwickelte Raketenproduktion mittlerweile gegeben, insbesondere durch die DLR (Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt, früher DFVLR), die DARA (Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten) und die DASA (Deutsche Aerospace). Praktisch in allen Bereichen der Raketentechnik liegen deutsche Firmen und Forschungseinrichtungen mit an der Weltspitze, vom Antrieb über Lenkung und Eintrittstechnologie bis zu Test und Produktion.

Auch atomwaffenfähiges Uran wird bald zur Verfügung stehen. In Garching bei München wird ein Forschungsrektor in Betrieb gehen, in dem ungeachtet internationaler Proteste hochangereichertes Uran verarbeitet werden wird. Das im Reaktor verarbeitete Material würde zur Herstellung von mehreren Dutzend Atombomben reichen.

Der Kritiker der deutschen Atompolitik Jürgen Scheffran nennt Deutschland eine ,,hochentwickelte Raketennation".

1) s. Deutschland besteht auf Nutzung von Atomwaffen-Material

Quellen:
Greenpeace: Pakistans Nuklearkomplex;
www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C02HI41.HTM
Pakistan-Bombe: Deutsche bauten mit. Seit 25 Jahren unterstützt die BRD Pakistans Atomprogramm; Junge Welt 30.5.1998
Jürgen Scheffran: Die heimliche Raketenmacht. Deutsche Beiträge zur Entwicklung und Ausbreitung der Raketentechnik (Informationsstelle Wissenschaft & Frieden Dossier Nr. 8)

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