Hans Derks, ein kritischer niederländischer Soziologe,
liefert eine problemgeschichtliche Einführung in die Westforschung,
die ein Gegenstück zu der berüchtigten deutschen Ostforschung
darstellt.
1)Die Westforschung wurde demnach in den 1920er Jahren
im
,,Bonner Institut für geschichtliche Landeskunde der
Rheinlande´´, im
,,Deutsch-Niederländischen Institut´´in Köln und im
,,Zentrum für Niederlande-Studien´´in Münster von
Wissenschaftlern wie Hermann Aubin, Franz Steinbach, Max Braubach
und Franz Petri entwickelt. Sie zielte - als Reaktion auf den
Vertrag von Versailles - auf die Revision der deutschen Westgrenze
und wollte zunächst die Abtretung von Elsaß-Lothringen und
Eupen-Malmédy revidieren, stellte aber auch die
,,Saar- und die Luxemburgfrage´´. Dies sollte
wissenschaftlich dadurch untermauert werden, dass der
,,deutsche Charakter´´dieser Gebiete nachgewiesen wurde,
wobei mit Begriffen wie
,,Raum, Volk, Rasse, Reich´´operiert und ein germanischer
Großraum unter deutscher Führung angestrebt wurde.
2)Das
,,flämisch-niederländische Brudervolk´´sollte als
großniederländischer Teilstaat mit beschränkter Autonomie in diesem
neuen Reich seinen gebührenden Führungsanteil haben. Große Teile
der niederländischen Staatsbürokratie wie auch der Wissenschaftler
kollaborierten mit den deutschen Westforschern und Raumplanern.
Der Autor weist zudem auf die Kontinuität der Westforschung nach 1945 hin. Aubin, Steinbach und Petri wurden mit Hilfe belgischer und niederländischer Kollegen ,,entnazifiziert´´und schon bald zu geschätzten Gesprächspartnern der deutschen Regierung und gern gesehenen Gästen in den Niederlanden und in Belgien. Ihre völkisch-rassistischen Ideen wurden von vielen dortigen Kollegen geteilt, so dass Derks von einer zweiten Kollaboration spricht. Die drei seit 1996 etablierten niederländischen Deutschlandinstitute in Amsterdam, Utrecht und Nijmegen arbeiten laut Derks genau wie das heutige ,,Zentrum für Niederlande-Studien´´in Münster immer noch im Geist der alten Grenzland- und Kulturraumtheorien.
1) s. dazu: Mechthild Rössler / Sabine Schleiermacher: Der ,,Generalplan Ost´´, im Archiv
2) s. dazu: Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik. Die ,,Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften"von 1931 - 1945, im Archiv
Der Autor weist zudem auf die Kontinuität der Westforschung nach 1945 hin. Aubin, Steinbach und Petri wurden mit Hilfe belgischer und niederländischer Kollegen ,,entnazifiziert´´und schon bald zu geschätzten Gesprächspartnern der deutschen Regierung und gern gesehenen Gästen in den Niederlanden und in Belgien. Ihre völkisch-rassistischen Ideen wurden von vielen dortigen Kollegen geteilt, so dass Derks von einer zweiten Kollaboration spricht. Die drei seit 1996 etablierten niederländischen Deutschlandinstitute in Amsterdam, Utrecht und Nijmegen arbeiten laut Derks genau wie das heutige ,,Zentrum für Niederlande-Studien´´in Münster immer noch im Geist der alten Grenzland- und Kulturraumtheorien.
1) s. dazu: Mechthild Rössler / Sabine Schleiermacher: Der ,,Generalplan Ost´´, im Archiv
2) s. dazu: Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik. Die ,,Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften"von 1931 - 1945, im Archiv




