Seit 1914 wurden die deutschen Untaten in Belgien
beschwiegen
Horne und Kramer, zwei britische Historiker, analysieren das
in der Geschichtsschreibung seit achtzig Jahren verdrängte Problem
der
,,German atrocities´´, der barbarischen Kriegführung der
Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Bekannt ist bis heute
von den Ereignissen der Monate August bis September 1914 allein die
Brandstiftung in der Bibliothek von Löwen (Louvain) und die
Massaker von Dinant und Aarschot, wo deutsche Soldaten rund
fünftausend als Partisanen verdächtigte belgische Zivilisten
quälten und töteten. Diese kollektiven Erschießungen, auch von
Frauen, Kindern, Greisen und Priestern, die Vergewaltigungen und
Plünderungen waren so unerhört grausam, dass die bisherige
Forschung sie zumeist ins Reich der Fabeln verwies. Die Autoren
gelingt es nun aufgrund langjähriger Archivforschung ein präzises
Bild der damaligen Ereignisse zu geben. Nach ihren Erkenntnissen
haben sich die Massaker immer nach demselben Muster abgespielt:
Wenn deutsche Truppen auf Widerstand stießen, bemächtigten sie sich
zufällig anwesender Einwohner, und ermordeten sie durch
Erschießungen, die der Repression dienten. Die deutscher Regierung
war über dieses Vorgehen offensichtlich gut informiert. Im
Versailler Vertrag von 1919 spielten diese Kriegsverbrechen eine
weitaus größere Rolle als heute bekannt ist. Die Artikel 228 und
229 des Vertrages betrafen die Auslieferung von Personen, die
Kriegverbrechen beschuldigt wurden. Dies stieß in Deutschland auf
heftigen Protest, so dass die Strafverfolgung von 853 namentlich
bekannten deutschen Offizieren und Soldaten schließlich dem
Leipziger Reichsgericht überlassen wurde.
Die Prozesse verliefen zum größten Teil im Sande ? ein wirkliches Interesse an der Verfolgung der barbarischen Kriegführung war in Deutschland nicht gegeben.
(s. dazu Archiv)
Die Prozesse verliefen zum größten Teil im Sande ? ein wirkliches Interesse an der Verfolgung der barbarischen Kriegführung war in Deutschland nicht gegeben.
(s. dazu Archiv)




