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Kurznachrichten
Zielgerade
12.01.2009
Der deutsche Energiekonzern RWE steht kurz vor der Übernahme des führenden niederländischen Stromproduzenten Essent.

Boom
09.12.2008
Deutschland steigert seine Rüstungsexporte erneut und bleibt weltweit drittgrößter Exporteur von Kriegswaffen.

Krisengewinnler
08.12.2008
De deutschen Handelsketten Aldi und Lidl profitieren von der Krise des Einzelhandels in Großbritannien.

Arbeitslos
26.11.2008
Jüngste Prognosen der OECD lassen die Folgen der beginnenden weltweiten Wirtschaftskrise erkennen.

Distanzierung
21.11.2008
Die Parteistiftung von Bündnis 90/Die Grünen distanziert sich von einem Mitarbeiter, der die Zerschlagung der Volksrepublik China fordert.

Reinrassig
13.11.2008
Ein einflussreicher deutscher Unternehmer will eine Hamburger Reederei "reinrassig deutsch halten".

9. November
10.11.2008
Zum 70. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 haben deutsche Gerichte mehrere Kundgebungen von Neonazis genehmigt.

Klare Vorteile
04.11.2008
Der weltgrößte Chemiekonzern BASF übernimmt den Schweizer Konkurrenten Ciba.

Embassies meet Business
29.10.2008
Im Rahmen einer Schulung vernetzt das Auswärtige Amt afrikanische Diplomaten mit deutschen Unternehmern.

Überprüfung
09.10.2008
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wird die Sezession des Kosovo überprüfen.

Krisengewinner
17.12.2008
BERLIN/WASHINGTON
(Eigener Bericht) - Trotz der beginnenden Rezession erklären Wirtschaftsexperten Deutschland bereits vorab zum Gewinner der kommenden Weltwirtschaftskrise. Demnach werden nicht nur die Vereinigten Staaten ihre dominierende Position verlieren. Auch Großbritannien könne seine Stellung, die in hohem Maße von seiner Finanzbranche abhänge, nicht halten, urteilt der Chef der führenden deutschen Unternehmensberatung Roland Berger. Die deutsche Wirtschaft hingegen profitiere von ihrer industriellen Basis und könne im nächsten Jahr ihren Aufstieg womöglich mit neuen Konzernübernahmen fortsetzen. Erste Schritte in diese Richtung kündigt Volkswagen an. Zwar wird das Automobilunternehmen Einbußen hinnehmen müssen, will aber in den USA expandieren, deren Kraftfahrzeugindustrie weit schwerer von der aktuellen Krise getroffen wird als ihr deutsches Pendant. Die industriellen Konkurrenzkämpfe um die beherrschende Position auf den Weltmärkten profitieren von dramatischen ökonomischen Zusammenbrüchen, die zu schweren sozialen Folgen wie Armut und Arbeitslosigkeit führen - gegenwärtig vor allem in den USA, in Kürze wohl auch in Europa.
Die Stärke der Europäer
Thinktanks und Publikumsmedien führen in diesen Tagen die Debatte um die voraussichtlichen Folgen der beginnenden Weltwirtschaftskrise für die globalen Machtverhältnisse fort. Bereits im September hatte der deutsche Bundeswirtschaftsminister mit seiner Prognose, die Vereinigten Staaten würden infolge der Krise "ihren Status als Supermacht des Weltfinanzsystems verlieren", heftige Diskussionen ausgelöst.[1] Seiner Auffassung schließt sich jetzt der Wirtschaftsexperte Donald Kalff an, ein ehemaliger Manager bei Royal Dutch Shell und KLM. In einem Interview mit der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) antwortet Kalff auf die Frage, ob "Europa gewinnen" werde: "Ich meine, wir haben schon gewonnen."[2] Ihm zufolge liegt ein bedeutender Vorteil Europas gegenüber den USA in der Struktur der europäischen Firmen: "US-Unternehmen finanzieren sich zu 75 Prozent über den Aktienmarkt, europäische Unternehmen hingegen nur zu einem Viertel." Angesichts zusammenbrechender Börsenkurse sei dies "heute die Stärke der Europäer", urteilt Kalff und erklärt: "Wir könnten mehr aus diesen Vorteilen machen. Viel mehr."
24 : 15 ohne Banken
Ähnlich äußert sich Burkhard Schwenker, Chef der führenden deutschen Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, über die krisenbedingten Verschiebungen im globalen Machtgefüge. Schwenker weist darauf hin, dass die EU ihre Stellung gegenüber den Vereinigten Staaten ohnehin schon aufgewertet hat: "Vor gut fünf Jahren stammten 24 der 50 umsatzstärksten Konzerne der Welt, ohne Banken, aus den USA. Heute sind es nur noch 15. Aber 24 haben ihren Sitz in Europa, neun davon in Deutschland."[3] Schwenker zufolge kann gerade Deutschland der Krise "eine starke industrielle Basis entgegensetzen" und damit die eigene Stellung ausbauen - auch gegenüber den europäischen Rivalen. Großbritannien etwa "hängt in hohem Maße vom Finanzsektor ab, der nun darniederliegt", erklärt der Unternehmer: "In den USA ist die Lage ähnlich." Schwenker vermutet, dass bei künftigen Übernahmen anstelle angelsächsischer Finanzinvestoren wieder mehr Industriekonzerne zum Zuge kommen: Gut aufgestellte Betriebe bekämen bald "brillante Gelegenheiten, zu wachsen und passende Firmen zu kaufen". "2009 werden Firmenübernahmen das große Thema sein", urteilt der Manager.
Grundsteinlegung
Ein Beispiel für eine entsprechende Expansionsstrategie bietet Volkswagen. Der Konzern konnte in den USA bis Ende Oktober noch sein Vorjahresniveau halten, brach dann aber bis Ende November ein - auf ein Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dennoch konnte VW seinen Marktanteil in den Vereinigten Staaten von 1,4 auf 1,7 Prozent steigern, da der Gesamtmarkt dramatisch abstürzte - um 16,3 Prozent. Wie es in der Konzernspitze heißt, strebt die Firma langfristig einen Marktanteil von fünf bis sechs Prozent an. Kommt es wirklich zum Bankrott eines US-Automobilriesen, etwa General Motors, dann könnte VW diesem Ziel mit Zukäufen schnell näherrücken.[4] Unabhängig davon ist für Anfang 2009 die Grundsteinlegung für ein neues Volkswagen-Werk in den Vereinigten Staaten geplant.
Bald Marktführer
Auch in Südamerika treibt Volkswagen trotz der beginnenden Weltwirtschaftskrise seine Expansion voran. Die Krise hat den südamerikanischen Automobilmarkt noch nicht in vollem Umfang getroffen; in Brasilien etwa rechnet die Vereinigung der Automobilhersteller für das laufende Jahr noch mit einem Wachstum von rund 14 Prozent. Zwar werde ein Rückgang des Kraftfahrzeugabsatzes auch in Südamerika nicht ausbleiben, heißt es in Branchenkreisen; doch könne VW darauf hoffen, weniger zu schrumpfen als die Konkurrenz. Der Konzern, der mit Viktor Klima einen ehemaligen Bundeskanzler Österreichs seinen Generalbevollmächtigten für Südamerika nennt, will dort weiter wachsen und in spätestens zehn Jahren General Motors als Nummer eins der südamerikanischen Automobilbranche ablösen - falls GM dann noch als eigenständiger Konzern existiert. Betroffen von der VW-Offensive ist auch Fiat. Das Unternehmen hält in Südamerika eine starke Position und ist im bevölkerungsreichsten Land der Region, Brasilien, Marktführer.[5] Fiat ist jedoch von der beginnenden Wirtschaftskrise weitaus stärker betroffen als Volkswagen und lotet derzeit einen Not-Zusammenschluss mit Peugeot aus.
Harte Einschnitte
Zugunsten der Expansion wälzt Volkswagen die Lasten der Krise auf sein Arbeitspersonal ab. Bereits jetzt wurde der übliche Produktionsstopp über die Weihnachtsfeiertage an den deutschen Konzernstandorten um ein Drittel verlängert; die Entlassung von Zeitarbeitern steht bevor. Konzernchef Martin Winterkorn kündigt "harte Einschnitte" an.[6] In der Volksrepublik China hat Volkswagen in einzelnen Betrieben sogar einen sechsmonatigen Produktionsstopp in Aussicht gestellt. Wie Konzernchef Winterkorn erklärt, sucht er die Umstellung auf Kurzarbeit in Deutschland noch zu vermeiden, rechnet aber mit größeren Problemen. Daher würden bei einem Führungskräftetreffen "alle auf die vor uns liegende schwierige Phase eingeschworen".[7]
Schwierige Phase
Als "schwierige Phase" bezeichnet VW-Chef Winterkorn die beginnende Weltwirtschaftskrise, die seinem Konzern möglicherweise erheblichen Einflussgewinn verschafft, jedoch mit dramatischen Folgen für die soziale Lage in den betroffenen Ländern verbunden ist. Für Deutschland schließt die Bundesregierung inzwischen eine Drei-Prozent-Rezession nicht mehr aus. Schon für das laufende vierte Quartal 2008 wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,25 bis 1,75 Prozent für möglich gehalten.[8] Auch die Zahl der Erwerbslosen beginnt bereits zu wachsen. Laut Bundesagentur für Arbeit ist ein Anstieg um rund ein Drittel auf knapp vier Millionen denkbar. Massenarbeitslosigkeit und Armut bilden das Umfeld, in dem deutsche Unternehmen sich die Marktführerschaft im weltweiten Konkurrenzkampf zu sichern suchen - Verelendung bei zunehmender deutscher Wirtschaftsmacht.
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