|
|
||||||||||
|
Anzeige
Hitlers afrikanische Opfer
Raffael Scheck untersucht in seiner Studie "Hitlers afrikanische Opfer" die Massaker an schwarzen französischen Soldaten im Sommer 1940 in Frankreich und widerlegt damit die Legende vom "sauberen Westfeldzug" der Wehrmacht.
Kurznachrichten
Inseln verkaufen
04.03.2010
Round Table BMZ/BDI
01.03.2010
Truppensteller
11.01.2010
Unglaubwürdig
09.12.2009
Die politische Mitte
09.10.2009
Zur Sonne, zum Profit
07.10.2009
Elite gegen Unterschicht
06.10.2009
Kriegsverbrechen
02.10.2009
Jederzeit kriegsbereit
30.09.2009
Keine Kritik
16.09.2009
|
Signal der Stärke
16.12.2008
Wie das Auswärtige Amt am gestrigen Montag bestätigte, sind am Sonntag drei Deutsche im Jemen entführt worden, darunter laut Angaben der jemenitischen Behörden eine Mitarbeiterin der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die drei werden Berichten zufolge in einer nur schwer zugänglichen Bergregion rund 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa festgehalten. Hintergrund sind offensichtlich Konflikte zwischen verschiedenen jemenitischen Stammesverbänden: Ein Clan sucht mit der Geiselnahme die Freilassung inhaftierter Angehöriger durchzusetzen. Entführungen zur Durchsetzung vergleichbarer Ziele kommen im Jemen nicht selten vor. Allein in den letzten 15 Jahren sind rund 200 Ausländer in ähnlichem Kontext verschleppt worden.
Gewaltdrohungen
Bisher gelang es meist, die Geiselnahmen unblutig zu beenden. Am gestrigen Abend begannen jemenitische Soldaten allerdings, das Gebiet, in dem Entführer und Entführte vermutet werden, einzukesseln. Es hieß, eine gewaltsame Befreiungsaktion sei nicht auszuschließen, inklusive der daraus resultierenden Gefahren für Leib und Leben der Entführten. Was die Regierung des Jemen veranlasste, die laufenden Verhandlungen mit Stammesführern um Gewaltdrohungen zu ergänzen, ist bislang nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Berlin zur Abschreckung künftiger Geiselnehmer gewaltsame Befreiungsaktionen mit Spezialeinheiten der Polizei oder der Bundeswehr in sein Aktionsrepertoire aufnehmen will.
Ein Risiko eingehen
Die Bundesregierung, die regelmäßig mit der Entführung von Deutschen in Kriegs- und Konfliktgebieten konfrontiert ist, hat zu deren Beendigung lange Zeit vorwiegend auf gewaltarme Mittel sowie die Zahlung von Lösegeld gesetzt, so auch im Jemen. Mittlerweile zeichnet sich in Berlin jedoch ein Strategiewechsel ab. Erkennbar wurde dies bereits im Juni, als in Somalia zwei deutsche Touristen entführt wurden. Damals zog der Krisenstab einen Einsatz der Polizei-Spezialeinheit GSG 9 ("Grenzschutzgruppe 9") in Betracht. Auch eine Intervention der Bundeswehr-Sondertruppe "Kommando Spezialkräfte" (KSK) wurde diskutiert, aber nach Einwänden aus dem Verteidigungsministerium verworfen. Sie galt wegen der unübersichtlichen Lage im Operationsgebiet als allzu riskant. Einem Bericht zufolge drängen vor allem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und sein Staatssekretär August Hanning auf ein "Signal der Stärke": "Im Zweifelsfall" müsse man ihnen zufolge "auch ein Risiko" eingehen.[1] In ähnlicher Absicht hatte der ehemalige Beauftragte der UNO für Afghanistan Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen) dem deutschen Außenminister ehedem empfohlen: "Da muss man robust zuschlagen!"[2]
Wüstenfuchs
Einen ersten Versuch, ein Exempel zu statuieren, hatte die Bundesregierung im September gestartet, als eine Gruppe deutscher Touristen im ägyptisch-sudanesischen Grenzgebiet entführt worden war. Unter dem Codenamen "Operation Desert Fox" verlegte sie 180 Soldaten, Polizisten und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) nach Ägypten. "Operation Desert Fox" war nicht nur die offizielle Bezeichnung für die viertägige Bombardierung des Irak durch die USA und Großbritannien im Dezember 1998; "Wüstenfuchs" (englisch: "Desert Fox") war vor allem der Beiname des deutschen Wehrmachtsgenerals Erwin Rommel. Rommel hatte mit seinem Afrikakorps den Zweiten Weltkrieg 1941 bis nach Ägypten getragen - also in das Land, in das nun das deutsche Expeditionskorps zur Geiselbefreiung entsandt wurde.
GSG 9
Im Rahmen der "Operation Desert Fox" wurden binnen nur 36 Stunden mit drei Sonderflügen der Lufthansa, sechs Transallmaschinen der Bundeswehr und zwei Antonov-Frachtflugzeugen des russisch-ukrainischen Joint Ventures Ruslan Salis [3] 150 schwerbewaffnete Einsatzkräfte der GSG 9 gemeinsam mit 14 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) ins südägyptische Shark-el-Uweimat geflogen.[4] Hinzu kamen Mitarbeiter des Bundespolizeiflugdienstes, des Bundeskriminalamtes und des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Das Personal verfrachtete drei Hubschrauber der Bundespolizei, zwölf geländetaugliche Einsatzfahrzeuge, Einsatzgerät sowie große Mengen an Munition und Kerosin ins Grenzgebiet zum Sudan. Dort errichteten die Mitarbeiter des angeblich zivilen THW eine autarke Einsatzinfrastruktur, die als Basis für einen Angriff auf die Entführer dienen sollte. Laut offiziellen Angaben kamen die deutschen Truppen nicht zum Einsatz: Die Entführer gaben nach einem Scharmützel auf sudanesischem Territorium und mit sudanesischen Einheiten auf. Die sudanesischen Einheiten waren der GSG 9 knapp zuvorgekommen.
Aufs Spiel gesetzt
Schnell reagiert haben jetzt die jemenitischen Truppen. Bei früheren gewaltsamen Befreiungsversuchen der Soldaten waren seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mehrere Geiseln ums Leben gekommen. Wie es jetzt in Sanaa heißt, steht erneut ein bewaffneter Angriff auf die Kidnapper bevor. Die jemenitische Regierung folgt damit der deutschen Linie, künftige Geiselnehmer mit einem "Signal der Stärke" abzuschrecken - auf Kosten der Entführten, deren Leben damit aufs Spiel gesetzt wird. Die deutschen Planungen treiben einmal mehr den rückhaltlosen Gebrauch staatlicher Gewalt in den globalen Konflikten voran.
|