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Auf den Spuren moderner Sklaverei
Zehntausende Nigerianerinnen stehen
in Europa als Zwangs-Prostituierte auf der Straße: bestellt, verkauft,
ausgeliefert. Mary Kreutzer und Corinna Milborn liefern einen fundierten
Bericht über Frauenhandel von Afrika nach Europa.
Kurznachrichten
Überprüfung
09.10.2008
Ohne Erfolg
03.10.2008
Nach Ostasien
26.09.2008
Kontrolleure
18.09.2008
Expansionslaune
25.08.2008
Zugriff
21.08.2008
Neue Kluft
20.08.2008
Weiterstricken
12.08.2008
Nationale Sicherheit
08.07.2008
Ehrgeizige Ziele
07.07.2008
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Der Olympia-Hebel
17.03.2008
Ausgangspunkt für die aktuelle Einmischung deutscher Politiker in die inneren Angelegenheiten der Volksrepublik China sind die jüngsten Unruhen in der westchinesischen Region Tibet. Dort kommt es seit Tagen zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sezessionisten und der Staatsmacht. Die Sezessionisten greifen Geschäfte und Einrichtungen an, deren Besitzer bzw. Träger die chinesische Hochsprache sprechen, und liefern sich Kämpfe mit der Polizei. Zahlreiche Todesopfer sind zu beklagen. Bei dem Konflikt steht die Souveränität Beijings über den Westen seines Hoheitsgebietes auf dem Spiel - und damit zugleich das Einflusspotenzial der aufsteigenden Weltmacht.
Aufwertung
Berlin macht sich die Auseinandersetzungen zunutze, um die Volksrepublik China zu schwächen. Bundeskanzlerin Merkel fordert den direkten "Dialog" zwischen Beijing und dem Dalai Lama - eine Aufwertung des Anführers der tibetischen Sezessionisten, die sie selbst im vergangenen Herbst vorbereitet hat: mit der Einladung des Gottkönigs zu Gesprächen im Berliner Kanzleramt. Das Treffen war Teil einer Rundreise des Dalai Lama durch mehrere westliche Hauptstädte, die im Oktober in Washington endete und das Oberhaupt der tibetischen Exilregierung zum internationalen Gegenspieler der chinesischen Regierung erhob. Die PR- und Subversions-Aktionen, die die Souveränität Beijings über die Westgebiete Chinas in Frage stellen oder gar zum "Unrecht" erklären, werden mit einer erneuten Deutschlandreise des Dalai Lama im Mai fortgesetzt.
"Team Tibet"
Die chinesischen Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele im Sommer dienen Berlin dabei als taktisches Element. Bereits im vergangenen Mai hieß es nach einer "Tibet-Konferenz" in Brüssel, die Veranstaltung sei die "bisher politischste" ihrer Art gewesen: "Dies lag nicht zuletzt an den Chancen, die sich den Tibetern mit den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in China bieten und die in Brüssel ausgelotet wurden."[1] Zu der Konferenz hatte die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen. Wenige Monate später, im November, lud der "Tibet Gesprächskreis im Deutschen Bundestag" zu einer Veranstaltung ein, die "Tibet und Olympia" zum Thema hatte. Die Diskussion drehte sich laut einem Veranstaltungsbericht "hauptsächlich um die Frage, ob die Olympischen Spiele einen Hebel bieten, mit dem die Tibetpolitik Chinas beeinflusst werden kann."[2] Der Repräsentant des Dalai Lama in Europa gab zu Protokoll, er halte dies "für durchaus möglich". Auf der Veranstaltung in der deutschen Hauptstadt wurde vor Abgeordneten des Bundestags das "Projekt 'Team Tibet'" vorgestellt, das "darauf abzielt, ein eigenes tibetisches Team zu den Spielen nach Peking zu schicken". Es handelt sich dabei um eine offene Provokation, die auf dem Umweg über scheinbar unpolitische Sportvorhaben eine Eigenstaatlichkeit Tibets in die Debatte bringt.
"Verzockt"
Die Olympischen Spiele werden auch weiterhin als Druckmittel genutzt, um Beijing vom Aufstieg in die Defensive zu drängen. Bereits im November hatte ein Berliner Regierungsberater gemutmaßt, die Olympiade werde "die Augen der Weltöffentlichkeit" vor allem auf "Missstände in China lenken" und der Volksrepublik eher schaden denn nutzen. Beijing habe sich mit den Olympischen Spielen "verzockt".[3] Wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch jetzt erklärt, sei als "letztes Mittel" auch ein Olympia-Boykott des Westens anwendbar, sollte die chinesische Regierung ihre Haltung gegen die tibetischen Sezessionisten durchsetzen. Zwar sei man "noch nicht bei letzten Mitteln" [4]; doch hat die Boykott-Debatte tatsächlich längst begonnen.
Sezessionspolitik
Der Einsatz für weitreichende Autonomierechte oder gar für die Sezession Tibets gehört zu den traditionellen Instrumenten der deutschen Ostasienpolitik. Schon in den 1930er und 1940er Jahren diente die Region Berlin als Stützpunkt bei der Expansion in Richtung China.[5] In den 1980er Jahren nahm Bonn diese Strategie wieder auf. Inzwischen gehören Organisationen der deutschen "Volksgruppen"-Politik zu den maßgeblichen Promotoren eines "freien Tibet".[6] Die Sezessionspolitik zielt auch auf weitere Teile Chinas (Innere Mongolei, Xinjiang) und dient der Schwächung des aufsteigenden ostasiatischen Konkurrenten, dessen künftige Macht in Berlin gefürchtet wird. german-foreign-policy.com hat im Herbst in einem Themenschwerpunkt über Geschichte und Gegenwart der deutschen Tibetpolitik berichtet. Aus aktuellem Anlass schalten wir den Zugang zu unseren Analysen für die kommenden Wochen frei; unsere Schwerpunktserie finden Sie hier: Schwächungsstrategien (I), (II), (III) und (IV).
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