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Auf den Spuren moderner Sklaverei
Zehntausende Nigerianerinnen stehen
in Europa als Zwangs-Prostituierte auf der Straße: bestellt, verkauft,
ausgeliefert. Mary Kreutzer und Corinna Milborn liefern einen fundierten
Bericht über Frauenhandel von Afrika nach Europa.
Kurznachrichten
Reinrassig
13.11.2008
9. November
10.11.2008
Klare Vorteile
04.11.2008
Embassies meet Business
29.10.2008
Überprüfung
09.10.2008
Ohne Erfolg
03.10.2008
Nach Ostasien
26.09.2008
Kontrolleure
18.09.2008
Expansionslaune
25.08.2008
Zugriff
21.08.2008
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Schwächungsstrategien (II)
27.09.2007
Die freie Welt
Wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erklärt, werden in naher Zukunft "andere Staats- und Regierungschefs dem Beispiel der Kanzlerin folgen und dem Dalai Lama Unterstützung bei seinem friedlichen Kampf für mehr Autonomie für Tibet zusagen".[1] Kochs Ankündigung ergeht nur einen Tag, nachdem Beijing die Absage eines bilateralen Außenministertreffens zurückgezogen und damit nach dem deutschen Affront vom vergangenen Sonntag [2] ein Einlenken gegenüber Berlin in Aussicht gestellt hat. Die chinesische Regierung müsse "zur Kenntnis nehmen", dass "die freie Welt nicht bereit" sei, die "Situation des tibetischen Volkes zu vergessen und zu verschweigen", sagte Koch.[3] Es werde jetzt "schwieriger", die "Menschenrechtsfrage" aus der Diskussion vor den olympischen Spielen herauszuhalten. Entsprechende Kampagnen lancieren sogenannte Nicht-Regierungs-Organisationen. Dazu gehören die "Reporter ohne Grenzen", deren Aktivisten in Beijing Demonstrationen veranstalten und in der Bundesrepublik Deutschland über hervorragende Presseverbindungen verfügen. Die Organisation ist wegen ähnlicher Kampagnen gegen die kubanische Regierung bekannt und leugnet nicht, aus US-Quellen subventioniert worden zu sein.[4]
Tradition
Die Tibet-Politik der Bundesregierung wird in Deutschland parteiübergreifend getragen. Roland Koch (CDU) gehört seit Mitte der 1980er Jahre ebenso zu den Sympathisanten des Dalai Lama wie weite Teile von Bündnis 90/Die Grünen oder (seit Anfang der 1990er Jahre) die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung. Zudem beraten an deutschen Modellen geschulte "Volksgruppen"-Experten aus dem deutschsprachigen Norditalien ("Südtirol") die tibetische "Exilregierung" in puncto "Autonomie" (german-foreign-policy.com berichtete [5]). Vor allem jedoch folgt die Berliner Einflussnahme in Tibet Traditionen der deutschen Außenpolitik, die bereits in den 1930er und 1940er Jahren Lhasa als wichtigen Stützpunkt in Zentralasien betrachtete. Ausgangspunkt waren damals Forschungsreisen tatsächlicher und angeblicher Wissenschaftler in die konfliktreichen Westgebiete Chinas. Dort bemühten sich auch Sowjetrussland und Großbritannien (via Indien) um Einfluss. Zielgebiete waren die Innere Mongolei, Xinjiang ("Ost-Turkestan") und Tibet.
"Europides Rassenelement"
Zu den ersten Protagonisten der deutschen Tibet-Forschung gehört der Zoologe Ernst Schäfer. Schäfer nahm 1931/32 und 1934 bis 1936 an zwei deutsch-amerikanischen Erkundungsreisen nach Tibet teil und wurde für seine Verdienste um die zoologische Untersuchung des Gebietes zum SS-Obersturmführer ernannt. 1938/39 führte er eine dritte Exkursion an: "Tibet Expedition Ernst Schäfer. Unter der Schirmherrschaft des Reichsführers SS Himmler und in Verbindung mit dem Ahnenerbe e.V., Berlin".[6] Zu den Reisezielen, die für SS und "Ahnenerbe" von Bedeutung waren, gehörte die Suche nach Spuren einer "arischen Rasse" im tibetischen Hochland. Bruno Beger, einer der Exkursionsteilnehmer, verkündete wenige Jahre später, er habe "im tibetischen Adel" ein "europide(s) Rassenelement" erkannt. Die NS-Rassisten begründeten damit ihre Bemühungen, Lhasa als Stützpunkt in Asien zu nutzen.
"Freundschaft, Herr Hitler"
Die Tibet-Exkursion 1938/39 stellte erste Verbindungen zwischen den Regierungen in Berlin und Lhasa her. "In Lhasa gelang es, unter dem Motto 'Treffen des westlichen und östlichen Hakenkreuzes' [7], politische Kontakte zur tibetischen Regierung zu knüpfen", heißt es in einer Untersuchung über die Tibetforschung der NS-Zeit.[8] Als Ernst Schäfer und seine Kollegen im Sommer 1939 die Rückreise antraten, nahmen sie ein Sendschreiben des tibetischen Regenten mit. Darin erklärt der Herrscher, Schäfer habe um Etablierung enger Beziehungen zwischen den Regierungen in Berlin und Lhasa ersucht: "Nehmen Sie nun, Euer Exzellenz, König Herr Hitler, zu diesem Verlangen nach gegenseitiger Freundschaft (...) unsere Zustimmung." Motiv für die Annäherung an Deutschland waren Bestrebungen der tibetischen Regierung, größere Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien zu erlangen.[9]
"Ein bißchen Sabotage"
Gegen London richteten sich die Pläne für die darauf folgende Tibet-Exkursion, die bereits einen Tag nach dem britischen Kriegseintritt, am 4. September 1939, in Berlin erörtert wurden - unter Mitwirkung Ernst Schäfers, Bruno Begers und des Auswärtigen Amts. Demnach sollten 30 SS-Männer unter Schäfers Führung mit Waffen für 1.000 bis 2.000 Mann nach Tibet reisen und dort Milizen für den Kampf gegen (Britisch-)Indien sammeln. Schäfer wurde zur Ausbildung bei der "SS-Leibstandarte Adolf Hitler" abkommandiert. "Wenn Sie eine soldatische Aufgabe zu lösen bekommen, müssen Sie zunächst zum Soldaten ausgebildet und erzogen werden", begründete der "Reichsführer SS" Heinrich Himmler die Umschulung des Wissenschaftlers: "Mit ein bißchen Sabotage und Herumsprengen ist es nicht getan."[10] Die Pläne gerieten allerdings in Konkurrenz zu Überlegungen, die britische Stellung in Asien mit Hilfe afghanischer Verbündeter zu schwächen, und wurden nach Reibereien in den Berliner Bürokratien schließlich fallengelassen.
"Panmongolischer" Vasall
Zum letzten Mal während der NS-Zeit wurden die deutschen Tibet-Pläne 1942 aktuell. Unter dem Eindruck des Vormarsches der Wehrmacht auf sowjetischem Territorium befahl Himmler die "totale Erforschung des zentralasiatischen Lebensraums".[11] Als die japanischen Truppen im Sommer 1942 auf das Grenzgebiet zu Tibet vorstießen, trafen sie in Lhasa auf einen Berliner Verbündeten - den Dalai Lama. Die Kamarilla des Gottkönigs hoffte, sich aus dem Einfluss Chinas, Sowjetrusslands und Großbritanniens lösen zu können, um die tibetische Feudaldiktatur zu verewigen. Angestrebt wurde ein "panmongolischer Staatenbund" - "unter der Vorherrschaft des Dritten Reiches und Japans".[12]
Schädelsammlung
Ähnlich wie die deutschen Bemühungen um die Mongolei haben auch die Tibet-Aktivitäten das Kriegsende überdauert. Schäfers Mitarbeiter Helmut Hoffmann erhielt eine Professur an der Universität München und setzte dort "die wissenschaftlichen Standards in der deutschen Tibetologie".[13] Bruno Beger, der noch 1943 im Vernichtungslager Auschwitz "Mongolenforschung" betrieben und eine "Schädelsammlung Asien" angelegt hatte [14], startete 1952 seine nächste Tibetreise. Er trat noch 1994 als "offizieller Gast" des Dalai Lama in London auf.[15] Gute Kontakte unterhielt er auch zu einem weiteren Protagonisten der deutschen Tibet-Aktivitäten: Heinrich Harrer. Harrer, ebenfalls ehemaliger SS-Zentralasien-Aktivist [16], war von 1946 bis 1950 zum ersten Mal in Lhasa und arbeitete dort als Lehrer des amtierenden Dalai Lama. Er hat zahlreiche Bücher über Tibet verfasst, die bis heute in Deutschland große Popularität genießen. Als in den 1980er Jahren "Die Grünen" begannen, die deutsche Tibet-Politik zu reaktivieren, griffen sie nicht zuletzt auf seine Schriften zurück.[17]
Fliehkräfte
Die Mischung völkischer Ingredenzien, in denen das rassistische Element unverkennbar ist, mit trivialen Vorstellungen über fernöstlich-religiöse Lebenswelten wird jetzt um "Menschenrechtsfragen" angereichert, die im berechnenden Dienst der machtpolitischen Expansion deutscher Außenpolitik stehen. Damals wie heute ist ihr Ziel, mit "Tibet" gegen den chinesischen Zentralstaat vorzugehen und die Fliehkräfte Dutzender Nationalitäten zur inneren Schwächung Beijings zu nutzen.
german-foreign-policy.com behandelt im nächsten Teil des aktuellen Themenschwerpunktes die von Berlin und Tokio erstrebte Einbeziehung mongolischer Verbündeter in eine gemeinsame Anti-China-Politik.
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