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Die wahre Geschichte der »Edelweiß«- Gebirgsjäger
Das Edelweiß war das Erkennungszeichen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, einer Elitetruppe, um die sich bald ein Mythos bildete. Noch jahrzehntelang galt das Edelweiß als Symbol »besten deutschen Soldatentums im Frieden und im Krieg«...
Kurznachrichten
Masterplan
06.05.2008
Vorstoß
25.04.2008
Kriminalität und Gewalt
23.04.2008
Weltkonzern
15.04.2008
Krösus
18.03.2008
Strategischer Mehrwert
18.03.2008
Der Kosovo-Effekt
07.03.2008
Streubomben
24.02.2008
Torpediert
13.02.2008
Netzwerke
12.02.2008
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Widerwärtig
22.10.2006
Der Eklat zwischen Minister Tiefensee und Bahnchef Mehdorn ereignete sich nach monatelangen Bemühungen des Verkehrsressorts der Berliner Regierung, das den internationalen Forderungen nachgeben wollte. Geplant war, die Ausstellung über elftausend jüdische Kinder und deren Reichsbahn-Deportation in die Vernichtungslager (1942-1944) im Lichthof des Berliner Ministeriums zu eröffnen und anschließend über eine begrenzte Zahl deutscher Bahnhöfe wandern zu lassen.[1] Mit diesem Konzept hatten sich die Kuratoren der Ausstellung (FFDJF, Beate und Serge Klarsfeld, Paris) grundsätzlich einverstanden erklärt. Auch die deutsche "Initiative Elftausend Kinder", die seit über zwei Jahren für die Übernahme der Ausstellung eintritt, unterstützte den Kompromiss. Gesprächen im Berliner Ministerium, die konkreten Einzelheiten der Wanderausstellung gelten sollten, blieb die Bahn AG trotz offizieller Einladungen mehrfach fern.[2] Damit brüskierte der Bahnvorsitzende Mehdorn, der die Verhinderung des geforderten Gedenkens zur Chefsache erklärt hat, nicht nur die aus Paris angereiste Opferorganisation, sondern ebenso den Minister.
Brutal
Nachdem Mehdorn auch das vorerst letzte Treffen im Berliner Ministerium platzen ließ [3], hieß es aus Teilnehmerkreisen Ende September, binnen weniger Wochen werde Tiefensee für eine politische Klärung sorgen und den Bahnchef zu einem Kompromiss veranlassen. Doch statt des erwarteten Kompromisses kam es zu einem Eklat: Als Mehdorn die Ausstellungs-Erinnerung an elftausend deportierte Kinder auf deutschen Personenbahnhöfen erneut und kategorisch ablehnte, verließ der Minister den Raum. "Er hat auf Äußerungen reagiert, die man als brutal verstehen kann", erfährt diese Redaktion von Bundestagsabgeordneten über Tiefensee und den Anlass seiner Empörung.
Ruhig stellen
Da der "Spiegel" in seiner morgigen Ausgabe über den Eklat berichten wollte, hatte der Bahnchef entsprechende Reaktionen zu befürchten. Um Negativmeldungen zuvorzukommen, gab Mehdorn der "Welt" ein Interview, das in der heutigen Sonntagsausgabe des Springer-Blattes erscheint. Darin kündigt Mehdorn an, er werde eine eigene Ausstellung erarbeiten und "durch Deutschland wandern (...) lassen" [4] - außerhalb der Bahnhöfe. Mehdorn bezieht sich auf Exponate, die in einem Bahnmuseum in Nürnberg zu sehen sind und das Schicksal der elftausend Kinder nicht erwähnen. Diese Ausstellung werde man "mit Experten auf den neuesten Forschungsstand bringen" und "die Schicksale der Opfer des Massenmordes stärker herausstellen", heißt es in dem "Welt"-Interview. Bereits im Frühjahr hatte der Pressesprecher der Bahn AG wissen lassen, man verschließe sich dem Gedenken nicht und wolle an die Deportationsopfer erinnern.[5] Die Ankündigung wurde nach empörten Nachfragen aus dem Deutschen Bundestag verbreitet und blieb folgenlos. Wie damals versucht die Bahn AG auch mit dem heutigen "Welt"-Interview, die Öffentlichkeit ruhig zu stellen.
Wider besseres Wissen
Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Bahn AG und zum Zeitpunkt der Reichsbahn-Deportationen geboren, greift in dem Zeitungs-Interview die Nachkommen der Opfer und Kuratoren der französischen Gedächtnis-Ausstellung über die elftausend jüdischen Kinder rücksichtslos an. Der Kuratorin Beate Klarsfeld schwebe offensichtlich vor, den Holocaust "nicht angemessen" [6] darstellen zu wollen, äußert Mehdorn über das Ausstellungs-Konzept, das auf 18 französischen Bahnhöfen über mehrere Jahre geprüft werden konnte - mit großem Erfolg. Die Ausstellung zeigt Familienfotos der Kinder und letzte Briefe, die sie aus den Deportationszügen warfen. Trotz einer äußerst sensiblen Präsentation, die auf Todesdarstellungen bewusst verzichtet und dem Reisepublikum die lebendige Erinnerung an lachende Schulkinder oder jugendliche Ausflügler näher bringen will, behauptet Mehdorn in dem Zeitungs-Interview, Frau Klarsfeld wolle "nach der Methode 'Shock and go'" vorgehen. Die Behauptung erfolgt wider besseres Wissen. Dem Bahnchef wurden mehrmals Kataloge mit Exponaten aus der französischen Ausstellung übergeben.[7]
Unredlichkeit
"Ich habe der Bahn AG zu Händen von Herrn Mehdorn wiederholt Fotos der Kinder zukommen lassen", bestätigt Beate Klarsfeld auf Anfrage von german-foreign-policy.com. "Über die Darstellung der Kinder derart herablassend zu reden, über die Fotos, die nichts Grauenhaftes, sondern erwartungsvolle Kindergesichter zeigen, das zeugt von Unredlichkeit. Erst hieß es, die Bahn AG habe für die Ausstellung kein Geld und jetzt will Herr Mehdorn den Opferfamilien erzählen, sie würden an ihre ermordeten Kinder nicht angemessen erinnern wollen. Und das aus dem Munde eines Mannes, dessen Familie überleben durfte. Das ist widerwärtig."
Verborgen bleiben
Auf die Interview-Behauptung Mehdorns, das "Thema" sei "viel zu ernst", als dass sich Bahnreisende "Brötchen kauend und in Eile auf dem Weg zum Zug damit beschäftigen" [8] könnten, antwortet Frau Klarsfeld: "Brötchen kauend und in Eile auf dem Weg zum Zug befanden sich Tausende Deutsche, als die Reichsbahnwaggons durch die Bahnhöfe rollten, in die Vernichtungslager. Das war Alltag. Die Gesichter der elftausend Kinder, hinter den Verschlägen der Viehwagen, waren damals auf den Bahnhöfen nicht zu sehen. Auch heute sollen diese Gesichter in den Bahnhöfen, dort, wo die Kinder deportiert wurden, besser verborgen bleiben - geht es nach Herrn Mehdorn."
Internationaler Skandal
Die deutsche "Initiative Elftausend Kinder", die die französische Ausstellung seit zwei Jahren mit Gedenkveranstaltungen auf zahlreichen Publikumsbahnhöfen unterstützt, kündigt für die kommenden Wochen massive Proteste an. In mehreren Städten werden Aktionen anlässlich der diesjährigen Wiederkehr des Massenpogroms vom 9. November 1938 vorbereit. "Der Eklat bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen", sagt Tatjana Engel von der bundesweiten Initiative auf Anfrage dieser Redaktion. "Die Bahnspitze hat die öffentliche Erinnerung mit immer neuen Schutzbehauptungen hinausgezögert. Sie versucht es erneut und legt sich dabei auch mit den politischen Instanzen an. Da das Verkehrsministerium und der Bundestag offenbar über keinerlei ausreichenden Einfluss verfügen, werden wir unsere Proteste verstärkt fortsetzen. Die Opfer gehörten fast sämtlichen europäischen Nationen an. Die Verweigerung des Gedenkens ist zu einem internationalen Skandal geworden."
Bitte beachten Sie unsere ausführlichen Berichte im EXTRA-Dossier Elftausend Kinder - Mit der Reichsbahn in den Tod
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