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Hitlers afrikanische Opfer
Raffael Scheck untersucht in seiner Studie "Hitlers afrikanische Opfer" die Massaker an schwarzen französischen Soldaten im Sommer 1940 in Frankreich und widerlegt damit die Legende vom "sauberen Westfeldzug" der Wehrmacht.
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Taktischer Wechsel
28.04.2006
Die vorgestern verbreitete Presseerklärung der Bahn AG [1] gesteht das Scheitern der bisherigen Management-Strategie unter Konzernchef Mehdorn ein, der seit Dezember 2004 versucht hatte, sämtliche deutschen Publikumsbahnhöfe für die Erinnerung an das NS-Deportationsgeschehen zu sperren. "Aus grundsätzlichen Erwägungen", so Mehdorn damals [2], müsse es die Bahn ablehnen, den Reisenden Fotos jener Kinder zu zeigen, die zwischen 1942 und 1944 auf dem deutschen Schienennetz von Frankreich nach Auschwitz sowie in andere Vernichtungslager verbracht wurden. Entsprechende Dokumente hat die Pariser Organisation "Fils et Filles des Deportés Juifs de France" (FFDJF) gesammelt [3] und mit Unterstützung der französischen Staatsbahnen SNCF auf 18 Stationen, darunter im Pariser Gare du Nord, der Öffentlichkeit präsentiert.
Wertekanon
Mehdorns grundsätzliche Erwägungen, die ihn an vergleichbaren Maßnahmen im Bereich der DB AG hinderten, blieben weitgehend unklar. Mal fehlte dem milliardenschweren Unternehmen das Geld, um die geringfügigen Ausstellungskosten zu tragen [4], ein anderes Mal sah sich der Bahn-Vorstand durch Einzahlung eines "hohen Millionenbetrags" in die Stiftungskasse der deutschen Industrie von weiteren Verpflichtungen befreit [5]. Als besonders herausfordernd war in der deutschen Öffentlichkeit eine Stellungnahme des vormaligen Bahnsprechers Klingberg empfunden worden, wonach es in Bahnhöfen an der nötigen Pietät mangele, die beim Betrachten von Fotos der deportierten Kinder erforderlich sei.[6] Zum Zeitpunkt dieser Einlassung hatte das Unternehmen zahlreichen Foto-Ausstellungen zugestimmt, die durch große Publikumsbahnhöfe wanderten und prämiierte Pressebilder mit Kriegs- und Hungerszenen zeigten - allerdings gegen Bezahlung und ohne Bezug zur dunklen Geschichte des heutigen Bahnunternehmens. Sofern historische Erwägungen die breite Öffentlichkeitsarbeit der Bahn AG bestimmen, scheinen sie in hellem Licht des deutschen Nationalbewusstseins glänzen zu müssen. Dies zeigt eine aktuelle PR-Initiative des Unternehmens, die ein Mehrfaches der benötigten Ausstellungsgelder kostet: Statt der Deportationszüge wird das Reisepublikum in den kommenden Wochen jene Bahnwaggons sehen dürfen, mit denen die deutsche Nationalelf von ihrem Weltmeistereinsatz in Bern anno 1954 zurückkehrte.[7] Anlässlich des Werbe-Events auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof am vergangenen Wochenende schrieb das Schwäbische Tagblatt über den Wertekanon der Konzernführung: "Eine Ausstellung über den Transport von Juden nach Auschwitz durch die Reichsbahn (...) hatte die Deutsche Bahn AG auf ihren Bahnhöfen vehement abgelehnt (...). Wenn aber König Fußball spricht, sieht die Welt schon anders aus."[8]
Schicksale
Die als "fadenscheinig" und verlogen beurteilte Schlussstrich-Politik der Bahn AG war in den vergangenen Monaten auf heftiger werdende Widerstände gestoßen. Dazu trugen mehrere Demonstrationen und Behelfsausstellungen bei, die von den selbständigen Gruppierungen der bundesweiten Initiative Elftausend Kinder ausgingen. Bei den Aktivitäten, so in Weimar, Stuttgart und Köln [9], wirkte unter anderem Beate Klarsfeld mit, die "Fils et Filles des Deportés Juifs de France" (FFDJF) in Deutschland vertritt. FFDJF bietet der Bahn AG weiterhin an, die in Frankreich erfolgreiche Ausstellung in modifizierter Form zu übernehmen. Zusätzliche Ausstellungselemente hält das Mitglied der deutschen Initiative Christoph Schwarz bereit. Schwarz hat in den vergangenen Monaten über aus Frankreich deportierte Kinder mit deutschem und österreichischem Geburtsort gearbeitet - etwa 150 dieser Schicksale dokumentiert das Fotomaterial, das ab dem 14. Mai in Karlsruhe zu sehen sein wird.[10]
Dichtung und Wahrheit
Die Aktivitäten der Initiativgruppen erweiterten den ständig größer werdenden Unterstützerkreis [11], dessen internationale Zusammensetzung den expansiven Interessen des Bahn-Managements zu schaden begann [12]. Als sich der Zentralrat der Juden in Deutschland Ende März zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst sah [13], kam das Obstruktionsgebäude der Konzernführung endgültig ins Wanken. In einer publizistischen Notoperation verkündete der ausgewechselte Unternehmenssprecher am 3. April, man wolle die Ausstellungsinitiative nun doch "unterstützen". Für uninformierte Leser hieß es: "Anderweitige Darstellungen entsprächen nicht den Fakten" - eine neuerliche Bahn-Formulierung zwischen Dichtung und Wahrheit.[14]
Leibesvisitationen
Die bemühten PR-Korrekturen an einem Kurs, der nicht aufrecht erhalten werden konnte, blieben weitgehend erfolglos. Da man im Berliner DB-Hochhaus weiter meinte, nur Ausstellungsorte in der "Nähe von Bahnhöfen" kämen in Betracht, schlussfolgerte die Saarbrücker Zeitung: "Damit ist klar, dass die Bahn Fotos deportierter Kinder immer noch nicht in ihren eigenen Gebäuden haben möchte (...). Alle anderen Orte sind nicht mehr als ein Abstellgleis."[15] Diese Einschätzung wird in der am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung der Bahn AG bestätigt. Demnach soll bis Ende Mai ein Ausstellungskonzept erarbeitet werden, ohne das Zielpublikum zu berücksichtigen - ob es sich um die Reisenden auf den zentralen deutschen Publikumsbahnhöfen handelt oder um speziell interessierte Besucher, die auf museale Anlagen verwiesen werden, bleibt unausgesprochen. In welche Richtung die Bahn-Überlegungen zielen, zeigt der Applaus für einen Vorschlag des Verkehrsministers. Demnach müssten sich Berliner Ausstellungs-Interessenten gelegentlichen Leibesvisitationen unterziehen, um in den Lichthof des Ministeriums eingelassen zu werden - diese Adresse sieht Wolfgang Tiefensee (SPD) allen Ernstes als Premierenort für die von ihm befürwortete Wanderausstellung vor.
Profite
"Die Mehdorn-Gruppe handelt nicht aus Einsicht, sondern hat nur die Taktik gewechselt", urteilt ein Beteiligter der Verhandlungen vom vergangenen Mittwoch gegenüber german-foreign-policy.com. "Ginge es um die Dimension der begangenen Verbrechen, müsste der Bahn-Vorstand längst zugestimmt haben." Über das Ausmaß der Deportationen der Reichsbahn, des Vorgängerunternehmens der heutigen Bahn AG, sagt der Oldenburger Historiker Prof. Ahlrich Meyer dieser Redaktion: Die Gesamtzahl der aus politischen Gründen in die Konzentrationslager des Reichs deportierten Franzosen betrug etwa 90.000, und 76.000 französische und ausländische Juden - darunter mehr als 11.000 Kinder unter 18 Jahren - wurden in die Vernichtungsstätten des Ostens transportiert. Dazu bedurfte es eines modernen Massenverkehrsmittels wie der Eisenbahn. (...) Ein Teil der Gebühren wurde von der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF erhoben, aber der größere Teil - für die Bahnstrecken auf dem Reichsgebiet - floss in die Kasse der Deutschen Reichsbahn (...). Diese Profite sind meines Wissens niemals offengelegt worden."
Bitte lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Ahlrich Meyer.
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