Eine Fotoreportage aus Köln finden Sie auf www.arbeiterfotografie.de/galerie/reportage-2006/ index-2006-01-28-koeln-hbf-auschwitz-gedenken.html
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Hitlers afrikanische Opfer
Raffael Scheck untersucht in seiner Studie "Hitlers afrikanische Opfer" die Massaker an schwarzen französischen Soldaten im Sommer 1940 in Frankreich und widerlegt damit die Legende vom "sauberen Westfeldzug" der Wehrmacht.
Kurznachrichten
Inseln verkaufen
04.03.2010
Round Table BMZ/BDI
01.03.2010
Truppensteller
11.01.2010
Unglaubwürdig
09.12.2009
Die politische Mitte
09.10.2009
Zur Sonne, zum Profit
07.10.2009
Elite gegen Unterschicht
06.10.2009
Kriegsverbrechen
02.10.2009
Jederzeit kriegsbereit
30.09.2009
Keine Kritik
16.09.2009
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Verbleib unbekannt
30.01.2006
Am vergangenen Samstag strömten gegen 15.00 Uhr rund 300 Kölner in die überfüllte Haupthalle des Bahnhofs am Dom, bildeten in unmittelbarer Nähe der frequentierten Informationstafel einen Kreis und legten dann auf schwarzem Filz zehn Koffer mit den Namen verschleppter Kölner Familien nieder. Dazu spielte ein Streichquartett und verwandelte den besetzten Bahnhofsbereich innerhalb weniger Minuten in einen Ort der Erinnerung. (Fotos finden Sie hier.) Versuche der Bundespolizei, das Gedenken zu stören und nach sogenannten Rädelsführern zu suchen, scheiterten an der Entschlossenheit der Demonstranten, die über die grau gestrichenen Koffer - Utensilien der letzten Reise auf dem deutschen Schienennetz nach Auschwitz - Rosen streuten. Es kam zu erschütternden Szenen, als Frau Tamar Dreifuss über die Deportation ihrer Familie berichtete. Immer wieder gestört von Lautsprecheransagen, die trotz des Gedenkens nicht abgeschaltet wurden, vermittelte die nach Köln zurückgekehrte Überlebende einen Eindruck des Leidensweges, bei dem sie ihre Familie verlor.
Beteiligt
Auf dem Bahnhofsvorplatz enthüllte Simon Gronowski ein Mahnmal, das an die Todeszüge der Reichsbahn erinnert, denen Gronowski entkommen konnte - als elfjähriges Kind wurde er von einem entschlossenen Kommando der belgischen Résistance aus den Deportationswagen befreit.[1] Das Mahnmal von Günter Demnig besteht aus einer auf Granit ruhenden Eisenbahnschwelle, in die vier Schrifttafeln eingelagert sind. Darauf heißt es u.a.: "Viele Beamte, Angestellte und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn waren in der Zeit des Nationalsozialismus an der Deportation von Millionen Menschen beteiligt. (...) Die Deutsche Bahn AG hat die Reichsbahn übernommen, weigert sich aber bis heute, in ihren Räumen und Bahnhöfen die Einbindung der Reichsbahn in die Verbrechen der Nazis öffentlich zu dokumentieren und zu bedauern."
Gewinne
Unter großem Beifall gab Beate Klarsfeld bei der Eröffnung der Stuttgarter Ausstellung "Elftausend Kinder - Mit der Reichsbahn in den Tod" einen Eindruck vom jahrzehntelangen Kampf um Verfolgung der Täter und Anerkennung der Opfer. Frau Klarsfeld, die aus Paris angereist war, berichtete von ihrer Suche nach Alois Brunner, einem Hauptverantwortlichen für die Deportationen in Frankreich und Griechenland. Brunner arbeitete in der Nachkriegszeit für die deutsche Auslandsspionage ("Organisation Gehlen", heute Bundesnachrichtendienst/BND) und wurde zuletzt in Syrien gesehen.[2] Unter Beteiligung von Gerhard Manthey und Bärbel Illi (beide ver.di/Baden-Württemberg) zogen die Teilnehmer der Veranstaltung zur Hauptverkehrszeit in den Stuttgarter Hauptbahnhof und verlasen Dutzende Namen aus den Kindertransporten. "Die Grausamkeit der Täter scheint unerklärlich, wenn wir sie ihren Charakteren zuschreiben; die Taten werden fassbarer, wenn wir an die Interessen denken, um die es damals ging", sagte ein Vertreter der Initiative "Elftausend Kinder" in seiner Ansprache an die Reisenden. "Die Massentransporte brachten der Reichsbahn Millionen ein, so wie Millionen an den Häftlingen in Auschwitz und in anderen Lagern verdient wurden. Diese Reichsbahn-Gewinne sind in den Vermögensstock der Bahn AG geflossen. Die Bahn AG muss der elftausend Kinder auf den deutschen Publikumsbahnhöfen gedenken!"
Unwahrheit
Um die seit über einem Jahr erhobenen Forderungen abzuwehren, meldete sich ausgerechnet am Auschwitz-Gedenktag der frühere Bundesverkehrsminister Klimmt in Saarbrücken zu Wort. Klimmt, der inzwischen dem Management der Bahn AG angehört, behauptete in einem Zeitungsbeitrag, das anhaltende Gedenkverbot der Konzernspitze hätte Beate Klarsfeld als Repräsentantin der französischen Opferfamilien zu verantworten.[3] Frau Klarsfeld sei "vorschnell an die Öffentlichkeit" gegangen. In einer Stellungnahme überführt die "Aktion 3. Welt Saar" Klimmt (SPD) der Unwahrheit. "Erst nachdem sich die Bahn AG mit Brief vom 17.12.2004 brüsk geweigert hatte (...), ging Beate Klarsfeld an die Öffentlichkeit. Sie hat damit lediglich die Ruhe derjenigen gestört, die das Problem durch Aussitzen lösen wollen", heißt es in einer Pressemitteilung der "Aktion 3. Welt Saar".[4]
Abgemahnt
Ebenfalls zum Auschwitz-Gedenktag veröffentlichte die Stadt Weimar eine Stellungnahme zu den Forderungen des dortigen Komitees "Elftausend Kinder" - und unterstützt dessen Begehren, im Bahnhofsbereich an die Deportierten mit Fotos und Dokumenten zu erinnern. Demnach hat Oberbürgermeister Dr. Volkhardt Germer eine Präsentation der geforderten Ausstellung "in den vergangenen Monaten mehrfach bei der Deutschen Bahn angemahnt und betont, dass eine Genehmigung für das Bahnhofsgebäude 'den ernsthaften Willen' der Deutschen Bahn verdeutlichen würde, 'sich mit diesem dunklen Kapitel auseinanderzusetzen'".[5] Die Formulierungen der deutlichen Pressemitteilung lassen vermuten, dass sich die DB-Konzernspitze auch gegenüber der Stadt Weimar sperrt und dabei in Kauf nimmt, öffentlich abgemahnt zu werden. Wie das "Aktionskomitee Weimar: 11.000 Kinder" am Wochenende mitteilte, werde man im März mit dem Projekt "Spurensuche" beginnen, um in Thüringen Dokumente über die verschleppten Kinder ausfindig zu machen.[6]
Hilferufe
Diese Spuren scheinen in Wurzen (Sachsen) teilweise offen zu liegen. Das "Muldentaler Forum" fand in Vorbereitung des diesjährigen Gedenkens heraus, "dass zahlreiche Transporte aus Frankreich unter anderem auch durch Wurzen nach Auschwitz gingen. 'Darunter waren etwa 11.000 jüdische Kinder' (...). Zumindest ein inzwischen verstorbener Zeitzeuge aus Deuben habe Hilferufe aus einem solchen abgeriegelten Waggon wahrgenommen", heißt es in einem Pressebericht über die Spurensuche der Initiative, die am vergangenen Freitag um 16.00 Uhr zum Gedenken am Bahnhof Wurzen zusammenkam.[7] Ebenfalls am Freitag Abend versammelten sich in Leipzig rund 40 Kundgebungsteilnehmer am Querbahnsteig des dortigen Kopfbahnhofs und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Wir gedenken der Opfer der Shoah". Anschließend wurde nach einem Trauermarsch am Mahnmal der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße ein Kranz niedergelegt.
Nicht bereit
Wie gfp.com bei Redaktionsschluss erfährt, räumten Ordnungskräfte im Kölner Hauptbahnhof die improvisierte Gedenkstätte am Wochenende ab. Der Verbleib der Koffer mit den Namen Kölner Deportierter ist unbekannt, zu Presseauskünften war die DB AG trotz mehrfacher Kontaktaufnahme nicht bereit.
german-foreign-policy.com veröffentlicht weitere Berichte und Fotos.
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