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Gabriele del Grande: Das Meer zwischen uns
Flucht und Migration in Zeiten der Abschottung: Jahrelang hat Gabriele del Grande recherchiert, unter Flüchtlingen, auf Ämtern, in Abschiebehaft. Er deckt Missstände bei europäischen Behörden und in europäischen Gesetzen auf, prangert sie an, verleiht inhaftierten und verfolgten Flüchtlingen eine Stimme.
Kurznachrichten
Kapitulation des Rechts
03.02.2012
Spionageschiff
17.01.2012
Von nationaler Bedeutung
28.09.2011
Bertelsmann expandiert
25.08.2011
Partner in Asien
17.08.2011
Partner Vietnam
10.06.2011
South Stream
22.03.2011
Rasse
06.09.2010
Ungesühnt
20.08.2010
Zwischen Russland und China
19.08.2010
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Geschichtsvergessenheit
26.10.2005
Anlass der Rede Nachamas war die Eröffnung einer neuen Daueraustellung im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB). Unter dem Titel "Judendeportationen mit der Deutschen Reichsbahn 1941-1945" führt die DTMB-Stiftung mit zahlreichen Exponaten die Praxis der industriellen Schleusung mehrerer Millionen Menschen aus den Okkupationsgebieten in deutsche Konzentrationslager vor. Unter den Deportierten befanden sich auch Kinder fast sämtlicher europäischer Nationen und der besetzten Gebiete Nordafrikas. Der französischen Organisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF) ist es in jahrelanger Arbeit gelungen, das Schicksal von etwa 11.000 der Ermordeten zu rekonstruieren. Aus den Fotos der Kinder, ihren letzten Briefen und zahlreichen Deportationsverfügungen entstand eine Ausstellung, die von den französischen Staatsbahnen auf insgesamt 18 Publikumsbahnhöfen gezeigt wurde. Als Beate Klarsfeld, die Repräsentantin von FFDJF ("Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs"), die Dokumente für eine identische Präsentation in Deutschland der Bahn AG anbot, wurde sie abschlägig beschieden: Dafür fehle es an finanziellen Mitteln, ließ Bahn-Chef Mehdorn Frau Klarsfeld Anfang des Jahres mitteilen.[1]
Nicht zu leugnen
Die Weigerung des Milliardenunternehmens führte zu Protesten, denen sich die Zeichner eines Offenen Briefes anschlossen, der bis heute mehrere hundert Unterschriften trägt.[2] In Berlin, Köln, Frankfurt am Main, Halle, Leipzig, Weimar und Freiburg kam es zu Veranstaltungen und Demonstrationen, auf denen die Freigabe der von Mehdorn gesperrten Bahnhöfe gefordert wurde.[3] Trotz öffentlicher Kritik christlicher und jüdischer Organisationen, darunter in Stellungnahmen der Synagogengemeinde Saar und des Zentralrats der Juden in Deutschland, lenkte der Bahnvorstand nicht ein. Mehdorn verbat sich weiteren Schriftverkehr mit der Initiative "Elftausend Kinder", da die Initiatoren die Bahn AG in einen Zusammenhang mit den Verbrechen des Vorgängerunternehmens bringen - nicht zumutbar, urteilt der Bahnvorstand; nicht zu leugnen, sagte Andreas Nachama, Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", jetzt in Berlin.
Kriterien
Trotz des aufrecht erhaltenen Erinnerungsverbots auf den deutschen Publikumsbahnhöfen setzen die Initiatoren ihre Arbeit fort. Als der Weimarer Hauptbahnhof, Umschlagplatz von Todestransporten in das benachbarte KZ Buchenwald, am 21. Oktober in einer öffentlichen Veranstaltung für seine Serviceleistungen ausgezeichnet werden sollte, verlangte die Weimarer Initiative, das Leistungsprofil ("Sauberkeit, Toilettenhygiene, Kundeninformation und Ticketverkauf") um ein weiteres Kriterium zu bereichern: "Umgang mit Geschichte und Erinnerung".[4] Mit Flugblättern und Transparenten drangen die Demonstranten zu den anwesenden Spitzen der DB-Veranstaltung vor und erreichten die Zusage des Weimarer Bürgermeisters, sich für die Bahnhofsausstellung zu Ehren der ermordeten Kinder verwenden zu wollen.
Intensivierung
Mit den deutschen und österreichischen Opfern der Reichsbahn-Transporte beschäftigt sich die Freiburger Initiative und hält dabei Verbindung zu der Pariser Organisation von Beate und Serge Klarsfeld, deren jahrelange Recherchen die gegenwärtigen Rekonstruktionen erst ermöglichten. Ziel ist die Herausgabe einer umfassenden Dokumentation, in der Namen, Fotos und Briefe der etwa 600 ermordeten Kinder aus Deutschland und Österreich veröffentlicht werden sollen. "Wir sind auf der Suche nach Sponsoren, um aus den wenigen Quellen, die die Mörder hinterlassen haben, die Gesichter der Kinder wieder auferstehen zu lassen - um ihnen ihre Würde wiederzugeben", heißt es auf Anfrage dieser Redaktion.[5]
Über bevorstehende Veranstaltungen und Aktionen berichtet die Initiative in Mannheim, die Gastgeberin eines bundesweiten Treffens ist, bei dem über die Intensivierung der gemeinsamen Arbeit beraten werden soll.
Bitte lesen Sie Auszüge aus der Rede von Dr. Andreas Nachama.
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