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Gabriele del Grande: Das Meer zwischen uns
Flucht und Migration in Zeiten der Abschottung: Jahrelang hat Gabriele del Grande recherchiert, unter Flüchtlingen, auf Ämtern, in Abschiebehaft. Er deckt Missstände bei europäischen Behörden und in europäischen Gesetzen auf, prangert sie an, verleiht inhaftierten und verfolgten Flüchtlingen eine Stimme.
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Der
,,Schweigegang"der Weimarer
,,Initiative 11.000 Kinder"soll am morgigen Montag um 16.30
Uhr am Weimarer Theaterplatz beginnen und zum Hauptbahnhof führen.
Dort wollen die Initiatoren eine Unterschriftensammlung übergeben,
die den Vorstand der Deutschen Bahn AG nochmals auffordert, den
Reisenden eine Wanderausstellung über die Deportation der 11.000
Kinder nicht länger vorzuenthalten. Wie es in einer
Pressemitteilung heißt, handele es sich bei den Mordtransporten der
,,Deutschen Reichsbahn"um ein
,,Menschheitsverbrechen", das nicht beschwiegen werden
dürfe.
1)Unter den Deportierten befanden sich etwa 500 Kinder
deutscher und 100 Kinder österreichischer Emigranten. Keines dieser
Kinder kehrte zurück.
Kein Geld
Die Ausstellung der
,,Fils et Filles des Deportes Juifs de France"(Söhne und
Töchter der jüdischen Deportierten Frankreichs) wurde auf 18
französischen Bahnhöfen gezeigt und im Pariser Gare du Nord vom
Präsidenten der französischen Staatsbahnen (SNCF) eröffnet. Als die
Ausstellungsinitiatoren, Beate und Serge Klarsfeld (Paris), sich im
vergangenen Jahr an die Deutsche Bahn AG wandten, um eine Übernahme
vorzuschlagen, sperrte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens
sämtliche deutschen Reisebahnhöfe mit der Begründung, die
Ausstellungskosten (etwa 40.000 Euro) könnten von der Bahn AG nicht
aufgebracht werden. Summen in zehnfacher Höhe zahlt die Bahn AG für
ihre laufende Imagewerbung. Billiger sei ein Bahnmuseum, bot die
Konzernabteilung
,,Geschichte"an. Dem milliardenschweren Unternehmen wurde
daraufhin vorgeworfen, es wolle die Erinnerung auf ein
,,Abstellgleis"schieben und seine Verantwortung möglichst
lautlos entsorgen.
2)Auch die jüdische Synagogengemeinde Saarbrücken
kritisierte den Bahnvorstand wegen seiner offenkündigen Ausflüchte.
3)
Abgelehnt
Obwohl es am 27. Januar, dem Auschwitz-Gedenktag, zu
Protestdemonstrationen in mehreren Städten gekommen war
4), bekräftigte der Bahnvorstand seine Weigerung und
ließ durch Anschreiben vom 4. März wissen, dass die
Gedenkausstellung
,,die Sicherheit der Reisenden und des
Eisenbahnbetriebes"beeinträchtigen würde
5). Weiter heißt es,
,,Bahnhöfe"seien
,,keine Ausstellungshallen"; der
,,Aufwand", in den Durchgangsstationen der früheren
Todestransporte an die 11.000 Kinder zu erinnern, könne dem
Unternehmen nicht zugemutet werden, da er
,,unverhältnismäßig"sei. Das öffentliche Gedenken wird in
dem Bahn-Schreiben als
,,Aktionismus"bezeichnet, der Initiatorenkreis mit den
Worten beleidigt, er würde
,,mit Emotionen leichtfertig spiel(en)". Abschließend teilt
der Unternehmensvorstand mit, dass er von den über 250 Zeichnern
eines
,,Offenen Briefes"an die Bahn AG nicht länger behelligt
werden möchte.
6)Weitere Kontakte mit Beate Klarsfeld von den
,,Söhnen und Töchtern der jüdischen Deportierten
Frankreichs"werden kategorisch abgelehnt. Daraufhin setzten die
Initiatioren dem Bahnvorstand eine letzte Frist, die am 8. Mai
ablaufen wird.
7)
Okkupiert
Wie Frau Klarsfeld dieser Redaktion mitteilt, wird sie Gast
mehrerer Veranstaltungen sein, die über das Schicksal der 11.000
Kinder und die Geschichtspolitik der Deutschen Bahn AG informieren
wollen. Zentrale Meetings finden Anfang Mai in Freiburg und
anschließend in Frankfurt am Main, dem deutschen Konzernsitz,
statt. Regionaler Auftakt der Veranstaltungsreihe war ein
Informationstreffen, zu dem am gestrigen Samstag in Erfurt
eingeladen wurde. Ein weiteres Treffen ist heute in Halle
anberaumt. Der
,,Schweigegang"in Weimar anlässlich der Selbstbefreiung des
Konzentrationslagers Buchenwald führt das regionale Gedenken an
einem geschichtsträchtigen Ort fort. Das KZ Buchenwald mussten rund
230.000 Gefangene aus dem von Berlin okkupierten Europa
durchlaufen, 56.000 wurden ermordet.
Sonderseite
,,Elftausend Kinder"
hier
Den Offenen Brief an die Deutsche Bahn AG mit den Namen der
über 250 Zeichner finden Sie
hier
Kontakt zum Weimarer Komitee
,,11.000 Kinder": gerbereins@yahoo.de
1) Aufruf
,,Schweigegang"und Pressemitteilung vom 04.04.2005
2) Raumzeit; Ausgabe vom 03.02.2005
3) Zentralrat der Juden kritisiert Bahn AG; Saarbrücker
Zeitung 28.01.2005
4) s. dazu
Durchgesetzt
5) Schreiben der Deutschen Bahn AG, Abteilung Kommunikation,
04.03.2005
6) s. dazu
Offener Brief
7) s. dazu
Interview
mit Wolfgang Popp
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