Wie die Initiatoren betonen, wollen sie
,,in Anbetracht der begangenen Verbrechen (...) auf das
öffentliche Gedenken an der Todesstrecke der 11.000 Kinder nicht
verzichten".
1)Da Fotos und Dokumente über das Schicksal der
Ermordeten in Frankreich zur Verfügung stehen, müsse der
,,Wanderausstellung der französischen Organisation 'Fils et
Filles des Deportes Juifs de France' (...) auf deutschen
Publikumsbahnhöfen Platz eingeräumt werden". Das entsprechende
Angebot der Organisation (FFDJF), die ihre Ausstellung u.a. auf dem
Pariser Gare du Nord gezeigt hatte und dabei von der französischen
Staatsbahn maßgeblich unterstützt worden war, ist von der Deutschen
Bahn AG wiederholt zurückgewiesen worden.
2)
Im Auftrag
Seit Ende Januar lässt das Unternehmen einen Brief
zirkulieren, in dem der weitere Kontakt mit FFDJF und deren
Repräsentantin, Frau Beate Klarsfeld, als unzumutbar bezeichnet
wird. Das geforderte öffentliche Gedenken auf den deutschen
Publikumsbahnhöfen nennt das Bahn-Zirkular
,,Aktionismus, der mit Emotionen leichtfertig spielt". Statt
das Reisepublikum über den letzten Weg der 11.000 Kinder auf dem
deutschen Schienennetz zu informieren, setze man lieber auf
,,nachhaltige Projekte". Besonders nachhaltig wäre es, die
Erinnerung in ein Museum einzuschließen, heißt es in dem
Bahn-Brief. Mit musealen Lösungen habe man
,,Erfahrungen". Deswegen hätte Frau Klarsfeld von
,,dem museumspädagogischen Programm"der Bahn AG
,,profitieren können", schreiben die Nachfahren der Täter
über den Vorteil, den sie der Erinnerung an die Opfer verschaffen.
Allerdings könne die französische Sicht auf den
,,Holocaust nicht eins zu eins auf die Situation in Deutschland
(...) übertragen"werden, bemerkt das Zirkular, das im
ausdrücklichen Auftrag des Konzernchefs Mehdorn verfaßt wurde.
Kosten
Da die Unternehmensleitung trotz internationaler Proteste
nicht einlenken will, bereiten Initiativgruppen in mehreren
deutschen Städten die eigenständige Durchsetzung des Gedenkens an
die Ermordeten vor, so u.a. in Freiburg, Frankfurt am Main und
Leipzig. In Weimar arbeitet ein
,,Offenes Komitee", das sich den Namen
,,11.000 Kinder"gegeben hat. Das Komitee wird u.a. vom
Referat für politische Bildung der Bauhausuniversität unterstützt.
3)In dem Gründungsaufruf heißt es, die DB AG müsse ihrer
geschichtlichen Verantwortung nachkommen, der Ausstellung auf dem
Weimarer Hauptbahnhof Platz einräumen und auch anfallende
,,Kosten für (...) den Transport"übernehmen. Zuvor hatte der
milliardenschwere Konzern erklärt, er verfüge weder über Finanzen
noch über Personal, um dem Reisepublikum Fotos und Dokumente der
Deportierten zugänglich zu machen. Gegen diese und andere Vorwände
protestieren inzwischen mehr als 250 Personen und Organisationen,
darunter zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Ausland, die sich dem
,,Offenen Brief"der Initiatoren angeschlossen haben.
4)
Gesichter
Den internationalen Charakter der Proteste und ihre
Entschlossenheit zur Durchsetzung des Gedenkens wollen die
Initiatoren auf einer zentralen Veranstaltung unterstreichen.
Geplant ist die Präsentation von Teilen der französischen
Ausstellung, die in Paris auf ihren Einsatz wartet und auch in den
USA gezeigt wurde.
,,Wir hoffen, daß Repräsentanten der französischen 'Fils et
Filles des Deportes Juifs de France' anwesend sein werden und
stehen in Kontakt mit einigen der wenigen Überlebenden, die damals
mit der 'Reichsbahn' durch Deutschland transportiert wurden",
teilt der Initiatorenkreis auf Anfrage mit.
,,Der Versuch der Bahn AG, die Gesichter und Schicksale der
Kinder aus den deutschen Publikumsbahnhöfen zu verbannen, ist
bereits am 27. Januar gescheitert. Den Ermordeten muß ihr Ansehen,
ihre Würde zurückgegeben werden: auf den Bahnhöfen, durch die ihr
letzter Weg nach Auschwitz führte".
5)
Lesen Sie das heutige Schreiben an die Unternehmensleitung
der Bahn AG
hier
Bitte beachten Sie die
Info-Seiteüber das Schicksal der 11.000 Kinder
1) Brief vom 12.02.2005
2) s. auch
Elftausend
Kinderund
Durchgesetzt
3) Kontakt: Offenes Weimarer Komitee: gerbereins@yahoo.de
4) Unterschriftenliste
hier
5) Berichte und Fotos der Bahnhofsgedenken vom 27.01.2005
hier