Der 8. Mai sei ein beziehungsreiches Datum und deswegen
geeignet, der DB AG die Dimension ihrer Entscheidung vor Augen zu
führen, äußerte Dr. Popp in einem Pressegespräch mit
german-foreign-policy.com.
1)Sollte das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt an
seiner Weigerung festhalten, müsse es mit zahlreichen örtlichen
Aktivitäten rechnen, wie sie bereits am 27. Januar, dem
Auschwitz-Gedenktag, bundesweit stattfanden.
2)Dr. Popp schlägt vor, die örtlichen Bürgerinitiativen,
die das bisherige Bahnhofsgedenken mitgetragen haben, in die
Ausstellungsvorbereitungen einzubeziehen. Dazu müsse die Bahn AG
entsprechende Mittel bereitstellen, verlangt der emeritierte
Professor der Universität Siegen. Ausstellungsorte könnten mehrere
Durchgangsbahnhöfe der früheren Todestransporte sein, so u.a.
Saarbrücken, Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda, Apolda, Leipzig,
Dresden und Görlitz. An
,,besonders prominenter Stelle"müssten die Fotos der Kinder,
ihre Abschiedsbriefe und die begleitenden Dokumente in Berlin
gezeigt werden.
Beschweigen
Der Forderung nach bundesweiter Information auf den Bahnhöfen
der DB haben sich inzwischen über 200 Einzelpersönlichkeiten und
Organisationen angeschlossen, darunter zahlreiche Zeichner aus dem
Ausland, so Prof. Dr. Bernhelm Booss-Bavnbek (Roskilde/Dänemark);
Duska Borovac-Knabe (Belgrad); Pavel Chabr (Praha); Dr. Roman
Dietinger (Wien); Jean-Marc Dreyfus (Paris); Gérard Loiseaux
(Morières/Frankreich); Dirk Michel (Jerusalem); Dr. Nima Mina
(University of London); Heinz Moll (Prag); Helen Schwenken (La
Jolla/USA); Prof. Therkel Straede (Odense/Dänemark) und Prof. Dr.
Mark Webber (Co-Director, The Canadian Centre for German and
European Studies, Toronto).
3)Die komplette Namensliste wurde der DB AG in der
vergangenen Woche zugestellt. Das Unternehmen habe es bis heute
nicht für nötig gehalten, auf die am 14. Januar begonnene
Korrespondenz zu reagieren, teilen die Initiatoren des
,,Offenen Briefes"mit.
Ungeeignet
In einem Bericht der
Saarbrücker Zeitungheißt es, der Vorsitzende der
Synagogengemeinde Saar, Richard Borg, verlange von der DB AG, sie
,,müsse sich offensiv mit ihrer geerbten Geschichte
beschäftigen", statt die Ausstellung in einem Nürnberger
Bahnmuseum
,,zu verstecken".
4)Damit antwortet die Synagogengemeinde auf eine
Behauptung der DB AG vom Vortag, wonach sich jüdische
Repräsentanten den DB-Argumenten angeschlossen hätten und eine
Ausstellung über das Schicksal der 11.000 Kinder auf den
Publikumsbahnhöfen als
,,unwürdig"bezeichneten. Laut DB-Sprecher Klingberg sind
Bahnhöfe nicht der geeignete
,,Rahmen, da die Dokumente im Umfeld von Konsum-Tempeln und
Baustellen zu sehen wären".
5)Die durchsichtige Schutzbehauptung der DB, dies sei
auch die Meinung jüdischer Organisationen, erwies sich binnen 24
Stunden als unhaltbar.
Feige
Eine umgehende Recherche der
Saarbrücker Zeitungließ den Versuch der Inanspruchnahme
israelitischer Repräsentanten scheitern. Am Samstag stellte sich
heraus, dass die DB AG auf Rückendeckung nicht rechnen kann und
offensichtlich wahrheitswidrig vorgegangen war. In einem Kommentar
schreibt die
Saarbrücker Zeitung, es sei
,,armselig, daß die Deutsche Bahn AG sogar Bahnhofsbaustellen
als Entschuldigung anführt, nur um die Wanderausstellung von Fotos
von Deportierten nicht an deutschen Bahnhöfen zeigen zu
müssen". Das Unternehmen zeichne sich durch Feigheit aus, heißt
es weiter. Wie das Blatt berichtet, habe sich inzwischen auch der
Zentralrat der Juden in Deutschland der Forderung nach bundesweiter
Öffentlichkeit angeschlossen und empfehle die Präsentation der
Deportations-Dokumente auf den Publikumsbahnhöfen der DB.
Aktivitäten
Die Initiatoren des
,,Offenen Briefes", die das offensive Gedenken an die 11.000
ermordeten Kinder angestoßen hatten, bitten die örtlichen
Initiativen in den früheren Durchgangsstädten der Todestransporte
um Rückmeldung, damit die bevorstehenden Aktivitäten koordiniert
werden können. Wo Initiativgruppen noch nicht bestehen oder
Kontakte zu vermitteln sind, sollten sich Interessenten melden
(Mail-Anfragen an die Initiatoren des
,,Offenen Briefes"unter elftausendkinder@web.de). Eine
Zusammenfassung der bisherigen Nachrichten und Interviews über das
Gedenken an die 11.000 Kinder bringt german-foreign-policy.com auf
seiner ständig aktualisierten
Sonderseite.
1) Interview mit Prof. em Dr. Wolfgang Popp
hier
2) s. dazu
Durchgesetzt
3) Liste der Zeichner
hier
4) Zentralrat der Juden kritisiert Bahn AG; Saarbrücker
Zeitung 28.01.2005
5) Bahn will Auschwitz-Ausstellung in Nürnberg zeigen;
Saarbrücker Zeitung 27.01.2005