An der Demonstration im Frankfurter Hauptbahnhof nahmen u.a.
die örtlichen Bevollmächtigten der IG Metall (Bernd Rübsamen und
Katinka Poensgen), Drucker der
,,Frankfurter Rundschau", die Frankfurter Stadtverordnete
Jutta Ditfurth sowie mehrere Initiatoren eines
,,Offenen Briefes"teil, der die bundesweiten
Bahnhofsaktionen vor zwei Wochen ausgelöst hatte.
1)In Vorbereitung auf die gestrigen Veranstaltungen war
der DB AG schriftlich nahe gelegt worden, Übergriffe zu vermeiden
und das Gedenken zu dulden.
2)Daraufhin zog die Bahn ihr Ordnungspersonal zurück und
überließ den Demonstranten zwischen 16 und 18 Uhr den gesamten
Publikums- und Reisebereich des Hauptbahnhofs. Fotos erinnerten an
Georges Secher (13 Jahre), Ginette Gladkovetzer (8 Jahre), Suzanne
Spodek, (16 Jahre), Joseph Schumann (4 Jahre), Georgette Zuckermann
(16 Jahre), Gabriel Benichon (16 Jahre), Monique Frankfurt (3
Jahre), Manfred Ullmann (13 Jahre) und 15 weitere Deportierte, die
aus Auschwitz nie mehr zurückkehrten.
Unverzeihlich
,,Wir hatten über zweitausend Flugblätter vorbereitet, aber
hätten die fünffache Menge verteilen können", berichtet Heinz
Klee, einer der Frankfurter Demonstranten, dieser Redaktion. In dem
Flugblatttext, der auch über Lautsprecher verlesen wurde, heißt es
u.a., die DB dürfe ihre Bahnhöfe für eine in Frankreich
bereitstehende Ausstellung über das Schicksal der 11.000
deportierten Kinder nicht länger sperren.
,,Es ist unverzeihlich, das Gedenken an diese Opfer der
NS-Barbarei auf den Bahnhöfen der DB verbieten zu wollen".
3)
Kein Platz
Anders als in Frankfurt, wo ein starkes Presseaufgebot das
Gedenken begleitete, kam es in Dresden und in Leipzig zu
Zwischenfällen. In Dresden wurden die Demonstranten wenige Minuten
vor Veranstaltungsbeginn des Neustädter Bahnhofs verwiesen, obwohl
sie eine Nutzungserlaubnis beantragt und bewilligt bekommen hatten,
heißt es in einer Presseerklärung der PDS Dresden. Sichtlich
verlegen und um Verständnis bittend gaben die Ordnungskräfte im
Leipziger Hauptbahnhof eine Weisung des Betreiberunternehmens
weiter, wonach ein Informationsstand über den letzten Weg der
11.000 Kinder, der auch über Leipziger Gleisanlagen führte, im
Bahnhof nicht untergebracht werden könne. Laut Auskunft des
Betreibers (ECE Projektmanagement G.m.B.H. && Co KG, Hamburg),
verfüge die Einkaufszone des Bahnhofs, die mehrere zehntausend
Quadratmeter umfasst und zu den größten in Deutschland gehört (
,,Promenaden"),
,,leider"über keinen ausreichenden Platz. Während ein Teil
der Leipziger Demonstranten auf öffentliches Gelände auswich,
versammelten sich andere im gesperrten Bahnhofsbereich und harrten
dort über eine halbe Stunde aus.
,,Mehr als eine halbe Stunde, von 18.21 Uhr bis 19.05 Uhr,
standen damals die Güterwaggons mit den eingepferchten Menschen auf
ihrem Weg in die deutsche Vernichtungsmaschinerie auf einem
Leipziger Bahnhof in der Kälte. Genau diese 44 Minuten
lang"habe man der Opfer gedenken wollen, schreiben die
Veranstalter in einer Pressemitteilung.
4)
Bezeichnendes Licht
In Hamburg besetzten Demonstranten zeitweilig ein
DB-Verwaltungsgebäude im Stadtteil Altona und forderten auf
Flugblättern die Freigabe der deutschen Reisebahnhöfe für Fotos und
Dokumente über den letzten Weg der 11.000 Kinder über das
Schienennetz der
,,Reichsbahn".
,,Dass erst der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz und
eine französische Initiative zusammenkommen müssen, um für solch
ein selbstverständliches Anliegen (...) Öffentlichkeit zu erlangen,
wirft ein bezeichnendes Licht auf die deutschen Verhältnisse",
schreiben die Hamburger Initiatoren.
5)
Aktionen
Die Proteste gegen die Unternehmensleitung der Deutschen Bahn
AG halten an. So wird aus Weimar gemeldet, dass Demonstranten am
kommenden Sonntag auf das Schicksal der 11.000 deportierten Kinder
aufmerksam machen wollen. Die Todeszüge waren u.a. durch Burghaun,
Fassdorf und Erfurt nach Auschwitz geleitet worden. In einer
Anfrage aus Gummersbach (Rheinland) wird um Fotos und Dokumente für
eine Ausstellung im Stadtgebiet gebeten. german-foreign-policy.com
berichtet fortlaufend über weitere Aktionen und neue Zeichner des
,,Offenen Briefes"an die Unternehmensletitung der Deutschen
Bahn.
1) Offenen Brief zeichnen bei elftausendkinder@web.de
2) s. dazu
Offener
Brief (2)
3) s. dazu
Flugblatt
4) Holocaust-Gedenken und Protest: Deutsche Bahn will keine
Kritik an Verhinderung von Deportationsausstellung;
Pressemitteilung Bündnis Leipziger AntifaschistInnen
,,Gegen das Vergessen"27.01.2005
5) Kurzfristige Besetzung eines Gebäudes der Deutschen Bahn
AG in Hamburg-Altona; Presseerklärung bad-weather
[antifaschistische gruppe hamburg] 27.01.2005