Vorbereitungen für Gedächtnisveranstaltungen am 27. Januar
werden aus Frankfurt am Main und aus Dresden gemeldet. In beiden
Städten wollen sich unterschiedliche Gruppierungen zu einem
gemeinsamen Gedenken auf den jeweiligen Bahnhöfen zusammenfinden.
Die Initiatoren werden mit großformatigen Fotos und Flugblättern an
die ermordeten Kinder erinnern, deren letzter Weg über die
örtlichen Gleisanlagen führte. Einen entsprechenden Aufruf enthält
der
,,Offene Brief"
, den Hochschullehrer, Publizisten und Historiker in der
vergangenen Woche an die Unternehmensleitung der Deutschen Bahn AG
gerichtet hatten. Das Protestschreiben kursiert inzwischen auch im
Ausland und wird von Zeichnern in der Tschechischen Republik, in
den USA und in Frankreich unterstützt. german-foreign-policy.com
stellt ab heute eine eigene
Infoseiteins Netz, auf der Dokumente über das Schicksal der
11.000 Kinder und Berichte über die auf französischen Bahnhöfen
gezeigte Gedächtnisausstellung eingesehen werden können.
Abgelehnt
Nach der Deutschen Bahn AG hat es auch die gemeinnützige
Hermann-Niermann-Stiftung abgelehnt, das Gedenken finanziell zu
unterstützen. In einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt,
erklärt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Uwe Stiemke, es sei
ihm
,,nicht möglich", Förderungsmittel frei zu machen. Die
entsprechenden Beträge wären
,,in den Jahren 2004 bis 2006 (...) bereits in voller Höhe
vergeben bzw. verplant". Die Stiftung verfügt über ein
geschätztes Vermögen von mehr als 50 Millionen Euro und steht unter
Aufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen. In Unkenntnis der
Stiftungsgeschichte hatte sich die französische Organisation
,,Fils et Filles des Deportés Juifs de France"(FFDJF/Paris)
an Stiemke mit der Bitte um einen Zuschuss zu den
Ausstellungskosten über die Kinderdeportationen gewandt. Erst
nachdem die Hermann-Niermann-Stiftung jegliche Förderung ablehnte,
erfuhr die Pariser Organisation, dass das millionenschwere
Stiftungsunternehmen über mehrere Jahre unter dem tätigen Einfluss
von Rechtsextremisten stand.
1)
Berliner Schwur
In einem Interview mit german-foreign-policy.com wertet
Annette Antignac, die als Tochter deutscher Frankreich-Emigranten
den Kinderdeportationen entkam, das Verbot der DB als ein Beispiel
unfreiwilliger Schuldanerkenntnis. Der Berliner Schwur
,,Nie wieder Auschwitz"sei nicht ernst zu nehmen,
,,wenn man das öffentliche Gedenken an das wirkliche, an das
konkrete Auschwitz und die entsetzlichen Opfer, an die elftausend
Kinder, möglichst vermeiden möchte".
Bitte lesen Sie den vollständigen Interviewtext hier.
1) s. auch Baldiger Anschluss
Bitte lesen Sie den vollständigen Interviewtext hier.
1) s. auch Baldiger Anschluss