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Angemessen, würdig, entschlossen
15.01.2005
BERLIN/PARIS/NEW YORK (Eigener Bericht)
Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz fordern die Unterzeichner eines ,,Offenen Briefes"von der Deutschen Bahn AG, sich ,,zu ihrer Mitverantwortung bei der Durchschleusung von Todestransporten nach Auschwitz"zu bekennen. Gleichzeitig rufen die Initiatoren dazu auf, das Gedenken an die mit Reichsbahnzügen deportierten Menschen ,,entschlossen durchzusetzen". Die Deutsche Bahn (DB) hatte es zuvor abgelehnt, auf den ehemaligen Durchgangsstationen der Todeszüge eine Wanderausstellung über das Schicksal von 11.000 verschleppten Kindern zuzulassen. Ihr letzter Weg führte auf dem deutschen Schienennetz von Frankreich nach Auschwitz und passierte u.a. die Bahnhöfe Saarbrücken, Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda und Dresden. An diesen und anderen Orten solle das Gedenken durch ,,Aktionskomitees"organisiert werden, empfehlen die Unterzeichner des ,,Offenen Briefes"und bitten um weitere Unterschriften:
elftausendkinder@web.de.
german-foreign-policy.com veröffentlicht den vollständigen Wortlaut des Briefes sowie den Zuglauf der Todestransporte.
Erstunterzeichner sind u.a. Hochschullehrer und Publizisten aus verschiedenen Städten der Bundesrepublik. Sie erwarten von der Unternehmensleitung der DB, dass sie eine bundesweit ,,wahrnehmbare Darstellung des Schicksals der 11.000 Kinder und der übrigen Deportierten"auf den DB-Bahnhöfen ermöglicht.

Keine Ressourcen
Eine entsprechende Ausstellung war der Bahn AG von der französischen Organisation ,,Fils et Filles des Déportés Juifs de France"(FFDJF) angeboten worden. 1)Daraufhin erwiderte die Bahn AG in einem Schreiben an Frau Beate Klarsfeld (Sprecherin der FFDJF), dem Unternehmen fehlten für die Präsentation der einsatzbereiten Bilder und Dokumente ,,sowohl die personellen als auch die finanziellen Ressourcen". In einem Interview mit dieser Redaktion bezeichnete Frau Klarsfeld das Verhalten des milliardenschweren Unternehmens als ,,Skandal". 2)

Marginalisierung
Die Unterzeichner des jetzt publizierten ,,Offenen Briefes"schreiben, es sei ,,notwendig"und ,,unabweisbar", dass die ,,Ausstellung auf den betroffenen deutschen Personenbahnhöfen"einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Die Unterbringung der Fotos und Dokumente in einem ,,Bahnmuseum"der DB lehnen die Initiatoren ab. ,,Eine solche Präsentation wäre unangemessen, weil nur einer beschränkten Öffentlichkeit zugänglich."Das Gedenken dürfe nicht marginalisert werden und müsse auf die Mitverantwortung der DB ,,als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn"eingehen. In diesem Zusammenhang weisen die Unterzeichner auf das Beispiel der französischen Staatsbahnen SNCF hin, die das Reisepublikum auf insgesamt 18 Bahnhöfen mit der Gedächtnisausstellung bekannt machten. Die Einweihung im Gare du Nord (Paris) hatte der Vorstandschef der SNCF persönlich übernommen. Eine englische Version wurde in Paris für ausländische Reisende bereit gehalten.

Aktionen verpflichtend
Angesichts der Weigerung der DB-Unternehmensleitung regen die Unterzeichner an, in den betroffenen Städten, aber auch an anderen Orten der Deportationen, Bahnhofsaktionen vorzubereiten, um an die ,,über deutsche Gleisanlagen verschleppten Menschen, darunter 11.000 Kinder aus Frankreich", zu gedenken. Wegen des bevorstehenden 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sei dieses Gedenken verpflichtend. Es solle ab 27. Januar ,,angemessen, würdig", aber auch ,,entschlossen"gestaltet werden.

german-foreign-policy.com dokumentiert den Brieftextsowie den Zuglaufder deutschen Vernichtungstransporte zwischen Saarbrücken nach Auschwitz.

1) s. dazu Elftausend Kinder
2) s. dazu Interview mit Beate Klarsfeld
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