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Hitlers afrikanische Opfer
Raffael Scheck untersucht in seiner Studie "Hitlers afrikanische Opfer" die Massaker an schwarzen französischen Soldaten im Sommer 1940 in Frankreich und widerlegt damit die Legende vom "sauberen Westfeldzug" der Wehrmacht.
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In Verruf
09.11.2005
Als Veranstalter der Mannheimer Kundgebung, die für 17 Uhr angesetzt ist, zeichnet der "Arbeitskreis Justiz", der auf lokaler Ebene über Themen der deutschen NS- und der Nachkriegsgeschichte forscht. Befasste sich der Arbeitskreis bisher unter anderem mit der NS-Euthanisie in Mannheim, mit den dortigen Enteignungen jüdischen Vermögens ("Arisierungen") oder mit dem Wüten des Mannheimer NS-Sondergerichts, so wollen die Initiatoren am heutigen Mittwoch vor dem Hauptbahnhof an die Folgen der Pogrome des Jahres 1938 erinnern. Nach Erkenntnissen des Arbeitskreises transportierte ein Sonderzug der Deutschen Reichsbahn am 10. November mehrere Hundert Einwohner Mannheims in das KZ Dachau. Zuvor waren die beiden Synagogen ihrer Heimatstadt gesprengt worden.
Neun Züge
Das Schicksal der Mannheimer Einwohner jüdischer Herkunft besiegelte die Berliner Regierung im Oktober 1940, als eine NS-Verhaftungswelle 2.000 Menschen erfasste. Auch sie wurden in Waggons der Deutschen Reichsbahn über den Mannheimer Hauptbahnhof geschleust, um nach mehrtägiger Irrfahrt nach Gurs, einem Lager an der Nordseite der Pyrenäen, zu gelangen. Wie der "Arbeitskreis Justiz" in einem heute veröffentlichten Flyer berichtet, setzte die Reichsbahn bei den Massendeportationen in Baden, der Pfalz und im Saarland insgesamt neun Züge ein, mit denen etwa 6.500 Menschen verschleppt wurden. Wer die mehrjährige Internierung überlebte, kam 1943 und 1944 über die französische Sammelstelle Drancy nach Auschwitz - wiederum mit der Deutschen Reichsbahn, die ihre Waggons via Saarbrücken und Mannheim in das Todeslager leitete. Unter den Deportierten befanden sich vier jüdische Kinder aus Mannheim, an die heute vor dem Hauptbahnhof der Stadt erinnert wird.[1] Die Bahn AG lehnt es bisher ab, der insgesamt 11.000 Kinder in den Durchgangsstationen ihrer letzten Fahrt mit einer Ausstellung zu gedenken - Fotos und Briefe der in Auschwitz Ermordeten erreichen deutsche Reisende bisher nicht.[2]
In die Pflicht nehmen
Angeblich fehlen dem milliardenschweren Unternehmen die finanziellen Mittel, um die in Frankreich bereits vorliegenden Exponate dem Reisepublikum in der Bundesrepublik vorzustellen.[3] Mit dieser Mitteilung an die Pariser Organisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF) entzog sich der Berliner Bahnvorstand im Dezember 2004 konkreten Absprachen, nachdem Beate Klarsfeld, die Repräsentantin von FFDJF, der Bahn AG eine Übernahme angeboten hatte. Deutlicher wurde der Konzernvorstand in einem Schreiben an die deutsche Initiative "Elftausend Kinder", in dem er sich öffentliche Hinweise auf die historischen Beziehungen zwischen der Bahn AG und dem in das Mordgeschehen verwickelten Vorgängerunternehmen (Deutsche Reichsbahn) verbittet - zu Unrecht, urteilt Gerhard Manthey, Repräsentant der Gewerkschaft ver.di in Stuttgart. Wie der Vorsitzende des Fachbereichs 8 gegenüber dieser Redaktion bestätigt, prüfen ver.di und der DGB-Landesverband Baden-Württemberg eine Präsentation der Ausstellung im Foyer des Stuttgarter DGB-Hauses. "Ich sehe uns in der Pflicht, an die Ereignisse vor über 60 Jahren zu erinnern; aber wir wollen auch die Bahn AG in die Pflicht nehmen, damit sie sich ihrer Vergangenheit stellt", sagte Manthey am Vorabend des 9. November dieser Redaktion.
Beteiligt
Die Weigerung des Berliner Bahnvorstands hat das Unternehmen europaweit isoliert und in Verruf gebracht. Nach den französischen Staatsbahnen, die der Pariser Organisation FFDJF das Gedenken auf 18 Personenbahnhöfen ermöglichten, folgten jetzt auch die niederländischen Bahnbetriebe (NS) dem Beispiel und erinnern auf 66 Stationen mit großformatigen Plakaten an die Todeszüge nach Auschwitz ("Vroeger Vertrok Hier De Trein Naar Auschwitz"/Von hier aus fuhren früher die Züge nach Auschwitz). Wie der niederländische Direktionspräsident Aad Veeman bei Beginn der Kampagne im Amsterdamer Bahnhof Muiderpoort sagte, seien etwa 100.000 Juden während der deutschen Besatzung auf dem Schienenweg deportiert worden, meist unter Beteiligung niederländischer Bahnbediensteter. Veeman entschuldigte sich jetzt öffentlich für die Beihilfe am Mordgeschehen.[4] Ähnlich hatte sich der Präsident der SNCF, Gallois, in Paris geäußert, als dort die Ausstellung über die 11.000 ermordeten Kinder eröffnet wurde.
Schuld und Verantwortung
Während die Repräsentanten der im Zweiten Weltkrieg unter Zwangsverwaltung gestellten ausländischen Bahnbetriebe eine Teilschuld durch Kollaboration eingestehen, glaubt der Konzernvorstand der deutschen Bahn AG, die Forderung nach öffentlichem Gedenken auf den Publikumsbahnhöfen der Bundesrepublik noch immer ignorieren zu können. "Die vorrangige Schuld der Reichsbahn und die Verantwortung der Bahn AG, des Nachfolgeunternehmens, müssen in der Berliner Konzernzentrale vorbehaltlos anerkannt werden", heißt es anlässlich des heutigen Jahrestages der antisemitischen Pogrome bei der Initiative "Elftausend Kinder". Der 9. November in Mannheim und "die fortdauernden Aktivitäten in Weimar, Köln und Berlin werden zeigen, dass der Bahnvorstand seinen Pflichten nicht entkommen kann." (elftausendkinder@web.de)
Bitte lesen Sie Auszüge aus dem heutigen Flyer des "Arbeitskreises Justiz in Mannheim".
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