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Claude Grungrass
an elftausend deportierte Kinder, darunter mehr als 500 Angehörige deutscher Emigranten, veröffentlichen wir Fotos der in Auschwitz Ermordeten.
Ausstellung
der Organisation "Fils et Filles  des Déportés Juifs de France (FFDJF/Söhne und Töchter der jüdischen Deportierten Frankreichs) .
Veranstaltungen


Apolda, Frankfurt a.M., Karlsruhe, Mannheim
09.11.2006
Zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht (09. November 1938) ehrten Initiativen in über 10 deutschen Städten die mit der Reichsbahn deportierten Menschen. Veranstaltungen fanden auf Bahnhöfen, vor DB-Anlagen und an letzten Wohnstätten der Ermordeten statt. Die Demonstranten forderten den Bundesverkehrsminister auf, endlich für eine angemessene Ausstellung über das Schicksal mehrerer zehntausend Kinder zu sorgen, die mit der Reichsbahn in den Tod befördert wurden.
Apolda
Das Gedenken an Deportierte aus Apolda wurde durch Neonazis gestört. Als Mitglieder der Initiative "Elftausend Kinder" auf dem Bahnhof der Stadt eintrafen, empfing man sie mit Schmähungen und drohenden Graffiti. Umrahmt von Hakenkreuzen wurde zu einer "Hunting Season" (Jagdsaison) gegen die Demonstranten aufgerufen. Unter die Insignien gewaltbereiter Neonazis stellten die Mitglieder der Initiative Koffer mit den Namen der Konzentrations- und Vernichtungslager (rechts unten), in denen Juden aus Apolda, Weimar und anderen thüringischen Städten endeten.
Frankfurt
In Frankfurt a.M. zogen Demonstranten vor ein Verwaltungsgebäude der Bahn AG und verteilten am die Beschäftigten Aufrufe, in denen sie die "Freigabe der Bahnhöfe" forderten. "Der Widerstand gegen das Gedenken beweist, dass die Bahn AG ihre eigene Geschichte fürchtet. Das Unternehmen profitiert bis heute von den Millionensummen, die den Todesreisenden abgepresst wurden. Zahlreiche Bahnfunktionäre der Nachkriegszeit waren an den Deportationsverbrechen beteiligt und sie nie belangt worden", heißt es in den Flugblättern.
Karlsruhe
Wie in Apolda erinnerten auch die Karlsruher Veranstalter mit Hilfe einer einfachen Kofferinstallation an die Zugdeportationen und die Ziele der Bahntransporte. Hier kam es zu keinerlei Zwischenfällen. Die Karlsruher Unterstützer gehören verschiedenen Organisationen an und stellen ihre Arbeit in den Dienst der überparteilichen Initiative "Elftausend Kinder".
Mannheim
Vor dem Mannheimer Hauptbahnhof stellten die Veranstalter Tafeln mit Fotos der verschleppten Kinder auf. In dem dort verteilten Flyer heißt es: "Die politische Verantwortung für das skandalöse Verhalten der Bahnspitze trägt der Bundesminister für Verkehr. Er muss das Gedenken an die deportierten Kinder endlich durchsetzen, statt es in Museen und Geschichtsinstitute zu verschieben. Die Fotos und Briefe der Kinder sind Zeugnisse der Menschlichkeit und warnen vor den Folgen des Rechtsradikalismus."

Weimar
02.06.2006
Weimar
Auf dem Weimarer Bahnhofsvorplatz appellierte Pfarrer Hardy Rylke an den Vorstand der Deutschen Bahn AG, der Erinnerung an die elftausend deportierten Kinder nicht länger auszuweichen. In Weimar traf Ende 1944 der letzte bekannte Reichsbahn-Zug mit Verschleppten aus Frankreich ein. Sie wurden im KZ Buchenwald ermordet. Die Bahn AG verfolgt Bürger, die auf dem Weimarer Bahnhofsgelände Fotos der NS-Opfer zeigen. Im Bildvordergrund eine Kofferinstallation zum Gedenken an die Ermordeten.
Weimar
Zur Eröffnung der Behelfsausstellung "Elftausend jüdische Kinder - Mit der Reichsbahn in den Tod" riefen der Verein "Gerberstrasse 1" und die Initiative "Elftausend Kinder" zu einer Demonstration durch Weimar auf. Die Ausstellung war im Stadtmuseum eröffnet worden. Der Weimarer Oberbürgermeister teilte in seiner Ansprache mit, dass sich die Bahn AG den schriftlichen Bitten um Freigabe des Bahnhofs verweigert habe. Die Ausstellung sei der Bahn "ein Dorn im Auge", schreibt die Weimarer Presse.

Karlsruhe
26.05.2006
Demonstration in Karlsruhe
Gemeinsam mit der Initiative "Elftausend Kinder" demonstrierten Mitglieder von ver.di in der Vorhalle des Hauptbahnhofs und verlasen die Namen der aus Karlsruhe deportierten NS-Opfer. Trotz ausdrücklicher Einladung an die Bahn AG blieben Vertreter des Unternehmens dem Gedenken fern. Die Veranstaltung wurde lediglich geduldet. Kräfte der Bundespolizei standen als Eingreifreserve bereit. Die Demonstranten führten Koffer mit sich, auf denen Namen der Vernichtungslager standen.
Trudy Baer
Bei der anschließenden ver.di-Veranstaltung berichtete Trudy Baer, eine ehemalige Karlsruherin, über das Schicksal ihrer Familie. Frau Baers Angehörige wurden mit der Reichsbahn deportiert und anschließend der Vernichtung in den Lagern ausgeliefert. Frau Baer lebt heute in Frankreich und kehrte zum ersten Mal in ihre frühere Heimatstadt zurück. Die Reise organisierte "Fils et Filles des Déportés Juifs de France", die französische Opferorganisation. Auch deren Repräsentatin Beate Klarsfeld war in Karlsruhe anwesend.
Ausstellungseröffnung 'Mit der Reichsbahn in den Tod'
Etwa 200 Besucher kamen in das Karlsruher ver.di-Haus, wo die Behelfsausstellung "Mit der Reichsbahn in den Tod" am 26. Mai eröffnet wurde. Fotos und Ausstellungstexte lehnen sich an die zahlreichen Dokumentationen von Serge Klarsfeld an, der mehrere Bücher über die elftausend deportierten Kinder publizierte. Weitere Materialien entstammen der Recherche des deutschen Kurators Christoph Schwarz. Schwarz sammelt Informationen über die aus Österreich und Deutschland Deportierten.

Köln
28.01.2006
Köln
Gegen 15.00 Uhr strömten rund 300 Kölner in die überfüllte Haupthalle des Bahnhofs am Dom, bildeten in unmittelbarer Nähe der frequentierten Informationstafel einen Kreis und legten dann auf schwarzem Filz zehn Koffer mit den Namen verschleppter Kölner Familien nieder.
Köln
Dazu spielte ein Streichquartett und verwandelte den besetzten Bahnhofsbereich innerhalb weniger Minuten in einen Ort der Erinnerung. Versuche der Bundespolizei, das Gedenken zu stören und nach sogenannten Rädelsführern zu suchen, scheiterten an der Entschlossenheit der Demonstranten, die über die grau gestrichenen Koffer - Utensilien der letzten Reise auf dem deutschen Schienennetz nach Auschwitz - Rosen streuten.
Köln
Es kam zu erschütternden Szenen, als Frau Tamar Dreifuss über die Deportation ihrer Familie berichtete. Immer wieder gestört von Lautsprecheransagen, die trotz des Gedenkens nicht abgeschaltet wurden, vermittelte die nach Köln zurückgekehrte Überlebende einen Eindruck des Leidensweges, bei dem sie ihre Familie verlor.
Köln
Auf dem Bahnhofsvorplatz enthüllte Simon Gronowski ein Mahnmal, das an die Todeszüge der Reichsbahn erinnert, denen Gronowski entkommen konnte - als elfjähriges Kind wurde er von einem entschlossenen Kommando der belgischen Résistance aus den Deportationswagen befreit. Das Mahnmal von Günter Demnig besteht aus einer  Eisenbahnschwelle, in die vier Schrifttafeln eingelagert sind. Darauf heißt es u.a.: "Viele Beamte, Angestellte und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn waren in der Zeit des Nationalsozialismus an der Deportation von Millionen Menschen beteiligt. (...) Die Deutsche Bahn AG hat die Reichsbahn übernommen, weigert sich aber bis heute, in ihren Räumen und Bahnhöfen die Einbindung der Reichsbahn in die Verbrechen der Nazis öffentlich zu dokumentieren und zu bedauern."

Video-Bericht (auschwitz_gedenktag.wmv; 8,2 MB)

Stuttgart
27.01.2006
Stuttgart

Bei Demonstrationen in elf deutschen Städten verlangten mehrere Deportationsopfer der Deutschen Reichsbahn und über 700 Kundgebungsteilnehmer die Freigabe der Publikumsbahnhöfe für das Gedenken an die Ermordeten.

Unter großem Beifall der rund 280 Besucher gab Beate Klarsfeld bei der Eröffnung der Stuttgarter Ausstellung "Elftausend Kinder - Mit der Reichsbahn in den Tod" einen Eindruck vom jahrzehntelangen Kampf um Verfolgung der Täter und Anerkennung der Opfer.

Stuttgart
Unter Beteiligung von Gerhard Manthey und Bärbel Illi (beide ver.di/Baden-Württemberg) zogen die Teilnehmer der Veranstaltung anschließend in den Stuttgarter Hauptbahnhof und verlasen Dutzende Namen aus den Kindertransporten. "Die Grausamkeit der Täter scheint unerklärlich, wenn wir sie ihren Charakteren zuschreiben; die Taten werden fassbarer, wenn wir an die Interessen denken, um die es damals ging", sagte ein Vertreter der Initiative "Elftausend Kinder" in seiner Ansprache an die Reisenden. "Die Massentransporte brachten der Reichsbahn Millionen ein, so wie Millionen an den Häftlingen in Auschwitz und in anderen Lagern verdient wurden. Diese Reichsbahn-Gewinne sind in den Vermögensstock der Bahn AG geflossen. Die Bahn AG muss der elftausend Kinder auf den deutschen Publikumsbahnhöfen gedenken!"

Berlin, Leipzig, Weimar, Saarbrücken, Erfurt, Wuppertal, Wurzen, Verden
27.01.2006
Berlin
In Berlin versammelten sich nach einer kurzfristigen Einladung des Landesverbandes der VVN-BdA Berlin ca. 50 Demonstranten am Bahnhof Zoologischer Garten, um das jährliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus mit einer konkreten Forderung an die Deutsche Bahn AG zu verbinden. In einer Ansprache an die Versammelten sagte der Historiker Reinhard Strecker: "Nach 1945 ist durch die Allierten ein Prozess gegen die Bahn und ihre Beteiligung am Massenmord vorbereitet worden. Zu einer Anklage der deutschen Justiz ist es nie gekommen. Der Prozeß der Aufarbeitung steht erst am Anfang". Der Historiker schlägt dem Konzern vor, endlich ein Zeichen zu setzen und die Ausstellung bei der Eröffnung des neuen Lehrter Bahnhofs im Märrz diesen Jahres zu zeigen.
Leipzig
Auf dem Leipziger Hauptbahnhof gedachten etwa 40 Teilnehmer der Opfer der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig protestierten die TeilnehmerInnen gegen die Deutsche Bahn AG, die seit mehr als einem Jahr die Austellung "Elftausend Kinder" verhindert. Anschließend wurde nach einem Trauermarsch am Mahnmal der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße ein Kranz niedergelegt.



Ähnliche Veranstaltungen mit 90 Teilnehmern in Wuppertal, 40 in Weimar und zwischen 20 und 50 Demonstranten fanden in Erfurt, Wurzen und Verden statt.

Mannheim, Stuttgart, Freiburg
24.01.2006
PlakatPlakat
Initiativgruppen in Mannheim, Stuttgart und Freiburg haben Plakate für ihre Kampagnen zugunsten der 11.000 Kinder bereitgestellt. Das Material kann hier heruntergeladen werden. Weitere Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit sind bei folgender mail-Adresse erhältlich: elftausendkinder@web.de.




Berlin
19.01.2006
Berlin
Am 19. Januar demonstrierten Mitglieder der Organisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF) vor der Konzernzentrale des "Reichsbahn"-Nachfolgers Deutsche Bahn AG. FFDJF erinnerte mit einer Kranzniederlegung am Gleis 17 des früheren Deportationsbahnhofs Berlin-Grunewald an die fortdauernde Verantwortung des deutschen Bahnunternehmens für die "Reichsbahn"-Beihilfe zum Massenmord.
Berlin
Im Namen von FFDJF übergaben Beate Klarsfeld und Serge Klarsfeld einer Beauftragten der Bahn AG (links) Flyer, in denen zur Demonstration für das Andenken an die 11.000 ermordeten Kinder im Stuttgarter Hauptbahnhof aufgerufen wird. Das erbetene Gespräch mit der Konzernspitze oder deren Beauftragte kam nicht zustande. Seit einem halben Jahr läßt der Bahn-Vorstand sämtliche Appelle unbeantwortet und lehnt es ab, prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu einem Vermittlungsgespräch zu empfangen. Die erbetene Ausstellung über das Schicksal der Ermordeten soll den Bahn-Reisenden unbedingt vorenthalten werden.

Stuttgart
Januar 2006
Flyer
In hoher Auflage verbreitet die Gewerkschaft ver.di (Stuttgart) seit Jahresbeginn einen Flyer, der den Fahrplanausdrucken der DB AG nachempfunden ist und sich direkt an die Bahn-Reisenden richtet. Darin ruft ver.di gemeinsam mit zahlreichen Organisationen aus Baden-Württemberg zu einer zentralen Demonstration auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof auf, die am Auschwitz-Gedenktag (Freitag, 27. Januar 2006) ab 17.30 Uhr stattfinden wird. Der Flyer skizziert das Schicksal jüdischer Kinder, denen die Flucht aus dem Deutschen Reich gelang. Sie wurden jedoch in Frankreich aufgespürt und in die NS-Todeslager deportiert - mit der Reichsbahn. Unter den Fotos der Ermordeten heißt es in Anspielung auf das Verhalten des heutigen Berliner Bahn-Vorstands: "Wir bitten Sie, in die Gesichter der Kinder zu sehen und der Kälte und Gleichgültigkeit entgegenzutreten. Schreiben Sie an die Deutsche Bahn AG!". Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.


Amsterdam
November 2005
Plakat 'Vroeger Vertrok Hier De Trein Naar Auschwitz'
Nach den französischen Staatsbahnen erinnern auch die niederländischen Bahnbetriebe (NS) auf 66 Stationen mit großformatigen Plakaten an die Todeszüge nach Auschwitz ("Vroeger Vertrok Hier De Trein Naar Auschwitz"/Von hier fuhren früher die Züge nach Auschwitz). Wie der niederländische Direktionspräsident Aad Veeman bei Beginn der Kampagne im Amsterdamer Bahnhof Muiderpoort sagte, seien etwa 100.000 Juden während der deutschen Besatzung auf dem Schienenweg deportiert worden, meist unter Beteiligung niederländischer Bahnbediensteter. Veeman entschuldigte sich jetzt öffentlich für die Beihilfe am Mordgeschehen. Ähnlich hatte sich der Präsident der SNCF, Gallois, in Paris geäußert, als dort die Ausstellung über die 11.000 ermordeten Kinder eröffnet wurde.

Mannheim
09.11.2005
Mannheim
Am Jahrestag der Angriffe auf jüdische Gebetshäuser, Geschäfte und Wohnungen wurde am Mannheimer Hauptbahnhof an die Schändungen und Deportationen von 1938 erinnert. Damals ordnete die Berliner Staatsführung ein antisemitisches Pogrom an, in dessen Folge Tausende Deutsche verhaftet, verschleppt und gefoltert wurden. Die Transporte in Sondergefängnisse und Konzentrationslager übernahm die Deutsche Reichsbahn, das Vorgängerunternehmen der heutigen Deutsche Bahn AG. Mit der Kundgebung vor dem Mannheimer Hauptbahnhof protestieren die Veranstalter gegen das Verbot des Berliner Großunternehmens, auf deutschen Reisebahnhöfen an das Deportationsgeschehen zu erinnern. german-foreign-policy.com dokumentiert Auszüge der Mannheimer Gedenkrede.

Köln
15.08.2005
Köln
Anläßlich des katholischen Weltjugendtages im August 2005 demonstrierte die Kölner Initiative "11.000 Kinder" auf der Freitreppe vor dem Domgebäude und verteilte mehrere Tausend Flyer in Englisch, Französisch, Spanisch und Polnisch.

Frankfurt am Main
17.06.2005
Junge Kantorei
Ein Meeting zum Gedenken an die elftausend Kinder unterstützten am 17. Juni 2005 im DGB-Haus Frankfurt a.M. über 300 Besucher. Im Bild die "Junge Kantorei" unter Leitung von Joachim Carlos Martini. Das musikalische Programm umrahmte Wortbeiträge von Edith Erbrich, Beate Klarsfeld und Katinka Poensgen.

Freiburg, Berlin
08.05.2005
Freiburg
Am 8. Mai fanden in mehreren Städten Gedenkveranstaltungen statt. Die Freiburger Initiatoren erinnerten bereits am 4. Mai an die 11.000 deportierten Kinder. An dem Gedenken, zu dem auch Überlebende aus Frankreich und aus der Schweiz anreisten, beteiligten sich 350 Besucher. Der gemeinsame Protest galt dem Vorstand der Deutschen Bahn AG.
Berlin
In Berlin führte ein Konvoi zum Bahnhof Zoologischer Garten. Da es den Teilnehmern von der Polizei verwehrt wurde, die deportierten Kinder innerhalb des Geländes der Bahn AG zu ehren, zeigten sie die Gesichter der Ermordeten auf einer von ihnen besetzten Kreuzung.

Frankfurt am Main
27.01.2005
Frankfurt/Main Hbf
Öffentliche Bahnhofsproteste gegen das Verhalten der Bahn AG begannen am 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz (27. Januar) in Frankfurt am Main. Nachdem die Konzernleitung mehrere Bitten um Freigabe der Publikumsbereiche für die Aufstellung von Fotos und Abschiedsbriefen der Kinder zurückgewiesen hatte, setzte sich die deutsche Initiative über sämtliche Verbote hinweg. Die friedliche Gedenkveranstaltung führte zu ersten Presse- und TV-Berichten.

Demonstration gegen das Vergessen
27.01.2005
WUPPERTAL
Ca. 100 Personen folgten dem Aufruf am 27. Januar 2005 im Wuppertaler Hauptbahnhof gegen das Vergessen zu demonstrieren. Die Redner wiesen auf die volle Verantwortung der Reichsbahn und ihres Rechtsnachfolgers der "Deutschen Bahn AG" für die Todestransporte hin. Aus Wuppertal stammte auch der Reichsbahnminister Dorpmüller, der verantwortlich war für die reibungslose Organisation der Deportationen. Die Bahn stellte übrigens für jeden in den Tod transportierten Menschen Fahrgeld und Fahrpersonal in Rechnung. Unter den Augen von Bereitschaftspolizei, die ebenfalls zahlreich erschienen war, wurde eine Gedenktafel in der Schalterhalle angebracht und Kerzen und Blumen aufgestellt. Auf der Gedenktafel stehen die Namen der Wuppertaler Juden, die per Bahn in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. Die DemonstrantInnen trugen große Fotos von jüdischen Deportierten, die in Sobibor, Auschwitz und Thersienstadt ermordet wurden.

Verlesen wurden die Namen von jüdische Kindern aus Wuppertal, die mit den Zügen deportiert wurden.



Jona Bernhard  9 Monate

Denny Bernhard 3 Jahre

Elenore Besen 8 Jahre

Josefina Besen 12 Jahre

Jakob Grünberg 7 Jahre

Klaus Keller 6 Jahre

Edel Löwenthal 9 Jahre

Manfred Löwenthal 6 Jahre

Ruth Löwenthal 9 Jahre

Samuel Oszowski 3 Jahre

Helga Rosenthal 7 Jahre

Max Rosenthal 6 Jahre

Leo Skurka 12 Jahre

Ruth Simon 13 Jahre

Inge Sternberg 4 Jahre



Die nächsten  Stationen waren die ehemalige "Gaugeschäftsstelle" der Nazi-Partei in der Elberfelder Südstadt, in der Joseph Goebbels seine politische "Karriere" begann und das Schuhhaus Klauser. Klausers Schuhkette entstand aus der "Arisierung" von jüdischen Schuhgeschäften in Elberfeld, Barmen und Witten. 1988 wagte die Firma noch ihr  50igsten Jubiläum zu feiern. Das Schicksal der jüdischen Besitzer interessiert die Firmenleitung von Klauser u.a. Ex CDU Chef Hermann Josef Richter hingegen nicht. So starben die Vorbesitzer vom Schuhpalast in der Berlinerstraße Emil Rosendahl und Paulina Rosendahl 1942 im KZ Theresienstadt. Den Abschluss bildete ein Vortrag zum jüdischen Leben heute in Wuppertal.

Gedenken trotz Verbot
26.01.2005
FRANKFURT a.M./LEIPZIG/DRESDEN/WUPPERTAL
Pressemitteilung: Todestransporte der Bahn nach Auschwitz - Auf mehreren deutschen Reisebahnhöfen (Frankfurt a. M., Leipzig, Dresden, Wuppertal) wird am kommenden Donnerstag der Todestransporte von 11.000 Kindern gedacht werden. Sie waren in den Jahren 1942-1944 auf dem deutschen Schienennetz von Frankreich nach Auschwitz deportiert worden. Bei ihrer letzten Fahrt durch Deutschland warfen sie Abschiedsbriefe auf die Gleise, von denen einige erhalten geblieben sind. Bis auf wenige Ausnahmen fanden sämtliche der 11.000 deportierten Kinder den Tod. Eine Ausstellung über das Schicksal der Ermordeten, die in Viehwaggons durch Deutschland rollten, hat die Unternehmensleitung der Deutschen Bahn AG auf sämtlichen ihrer Reisebahnhöfe untersagt. Der DB AG fehlten "sowohl die personellen wie finanziellen Ressourcen", heißt es in einem Schreiben an die französische Antragstellerin Beate Klarsfeld.

Trotz des Verbots rufen die Initiatoren eines "Offenen Briefes" dazu auf, am kommenden Donnerstag, 27. Januar, der 11.000 Kinder mit Fotos und Dokumenten zu gedenken. Über Behinderungen werde man sich "entschlossen" hinweg setzen, heißt es in dem "Offenen Brief", der die Unterschriften in- und ausländischer Historiker, Publizisten und Hochschullehrer trägt. Der Unternehmensleitung um Bundesbahnchef Mehdorn werde es nicht gelingen, auf den deutschen Reisebahnhöfen die Erinnerung an die Mordbeihilfe der Rechtsvorgängerin des Unternehmens ("Deutsche Reichsbahn") zu unterdrücken. Weiter heißt es, man werde dafür sorgen, daß die Veranstaltungen für die aus Frankreich verschleppten Kinder (darunter 520 Kinder deutscher Emigranten) am Auschwitz-Gedenktag (27. Januar) "angemessen" und "würdig" stattfinden.



Um Übergriffen zuvorzukommen, bitten die Initiatoren des "Offenen Briefes" um besondere Präsenz der internationalen Presse, die zur Beobachtung des Gedenkens eingeladen wird.

Pressetreffpunkte:
  • Leipzig: 10.00 Uhr, Vorplatz Hauptbahnhof
  • Dresden-Neustadt: 10.00 Uhr, Vorplatz Hauptbahnhof
  • Frankfurt/Main: 16.00 Uhr, Hauptbahnhof Große Anzeigentafel
  • Wuppertal: 17.00 Uhr Wuppertal/Döppersberg


Erstzeichner des Offenen Briefes: Prof. em. Dr. Martin Bennhold (Universität Osnabrück), Tatjana Engel (Lehrerin), Lothar Evers (Support for Survivors of Nazi Persecution International), Prof. Dr. Gudrun Hentges (Fachhochschule Fulda), Anne Klein (Historikerin), Bernhard Nolz (Träger des Aachener Friedenspreises), Hans-Rüdiger Minow (Regisseur), Andreas Plake (Sozialwissenschaftler), Prof. em. Dr. Wolfgang Popp (Universität Siegen), John Rosenthal (Publizist), Christoph Schwarz (Lehrer)



Angeschlossen haben sich dem "Offenen Brief" vom 15. Januar 2005 u.a.:

Dr. Nathan Durst, klinischer Direktor des Zentrums für Psychosoziale Unterstuetzung für Überlebende des Holocaust AMCHA (Haifa), Lea Rosh und Jakob Schulze-Rohr (Berlin), Prof. Christoph Schminck-Gustavus (Universität Bremen), Prof. Dr. Ahlrich Meyer (Universität Oldenburg), Prof. Heinz Sünker (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Detlef Garz (Johannes Gutenberg Universität Mainz), Prof. Dr. Roland Hornung/Uri Beer/Monika Schmitz/Regina Wagner (Freundeskreis Israel Regensburg), Markus Vallen && Kerstin Heimbold (Redaktionsleitung German Media Watch), Dr. Andreas Kain (Präsident der Raoul Wallenberg Loge Berlin, B´nai B´rith Europa, Berlin), Björn Reitz (Vorsitzender Spurensuche - NS-Geschichte in Wuppertal e.V., Stephan Stracke (Historiker, AK Angreifbare Traditionspflege Wuppertal), Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft und ELS-Stiftung "Verbrannte und verbannte Dichter/Künstler - für ein Zentrum der verfolgten Künste und Intellektuellen" (Wuppertal), Norbert Müller, Landesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes - Landesverband Hessen (Offenbach), Katharina Seewald (DGB Regionsvorsitzende Nordhessen, Kassel), Manfred Moos (ver.di-Landesbezirk Hessen, Fachbereich Medien, Frankfurt/Main), Katinka Poensgen (IG Metall Frankfurt/Main), Dr. Florian Schmaltz (Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main), Gottfried Kößler, Fritz Bauer Institut (Frankfurt/Main)

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